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Wittstock/Dosse Bürgerinitiative wehrt sich gegen Atommüllendlagerung
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18:49 08.01.2020
Wredenhagen ist ein malerischer Ort zwischen Müritz und der Prignitz. Doch der Salzstock unter dem Ort könnte für Atommüllendlagerung in Frage kommen. Quelle: Bernd Atzenroth
Wredenhagen

Wird der brandenburgisch-mecklenburgische Grenzbereich unweit von Wittstock zum Kandidaten für ein Atommülllager? Ins Gespräch gebracht wurde im Sommer 2019 ein Salzstock nahe dem mecklenburgischen Wredenhagen, diskutiert wurde aber über einen in der Nähe zwischen Schweinrich und Flecken Zechlin.

Sam Bohr, der in Neukrug bei Wredenhagen lebt, stieß bei Facebook im Juli 2019 auf eine Karte, auf der auch Wredenhagen als möglicher Standort für ein solches Endlager vermerkt ist. Publiziert hat die Karte der Verein „Ausgestrahlt“. Vor allen Dingen sind hier viele Orte in ganz Norddeutschland zu finden – was mit den vielen Salzstöcken zu tun hat.

Wredenhagener wollen sich wehren

In Wredenhagen, das nur zwölf Kilometer von Wittstock und knapp 25 Kilometer von Meyenburg entfernt ist, hatte es daraufhin gleich Anfang August eine Bürgerversammlung gegeben. Sam Bohr hatte sich zuvor an den Verein „Ausgestrahlt“ gewandt.

170 Menschen hörten sich dabei an, was ihnen der Anti-Atomkraft-Aktivist Jochen Stay zu erzählen hatte. Am Ende mündete die Veranstaltung in die Gründung einer Bürgerinitiative, die sich gegen ein Endlager in Wredenhagen wehren will.

Auf brandenburgischer Seite erstmal keine Initiative

Und die funktioniert: Ein Kern von zehn Leuten kümmert sich ständig um das Anliegen, drumherum gibt es etwa 50 Leute, die bei Bedarf auch die Arbeit unterstützen. Auf brandenburgischer Seite wird man hingegen erstmal keine solche Initiative gründen, aber das Thema verfolgen.

Die Bundesrepublik Deutschland steigt bis 2022 aus der Atomenergie aus – und damit stellt sich die Frage der Endlagerung insbesondere von hoch radioaktivem Atommüll umso dringlicher. Die Suche nach möglichen Standorten wurde im Jahr 2017 neu geöffnet und aufgenommen.

BGE legt Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen fest

Doch bei der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) wiegelt man ab: „Wir sprechen noch gar nicht von konkreten Standorten“, sagte deren Pressesprecherin Monika Hotopp auf MAZ-Nachfrage. Das hänge mit dem Verfahren zusammen, das man seit 2017 bei der Endlagersuche verfolge.

Das Erkundungsbergwerk in Gorleben ist zurückgebaut worden, um eine Vorfestlegung auf den Standort zu verhindern. dpa

„Zunächst haben wir die geologischen Dienste der Bundesländer um Daten gebeten“, erklärte Monika Hotopp weiter. Aufgrund dieser Daten seien zunächst Ausschlusskriterien für Standorte festgelegt worden. Diese sind zum Beispiel Vulkanismus wie in der Eifel oder auch langjährige Bergbautätigkeit wie in der Lausitz.

Im nächsten Schritt seien Mindestanforderungen für ein Endlager benannt worden. Es müsse sich mindestens 300 Meter unter der Erde befinden und eine Dicke von mindestens 100 Metern aufweisen.

Verein „Ausgestrahlt“ will Transparenz schaffen

Monika Hotopp betonte, dass erst im Herbst 2020 Teilgebiete benannt werden sollen. Momentan gebe es noch eine „weiße Landkarte“. Sie stellt den Gehalt der „Ausgestrahlt“-Karte zudem in Zweifel. Es handele sich um Daten aus den neunziger Jahren. Aber laut Monika Hotopp sind diese Daten keineswegs bereits bindend, ist es also nicht ausgemacht, dass die nun diskutierten Standorte tatsächlich im Herbst 2020 zu den dann benannten Teilgebieten gehören werden.

Angela Wolf hält dem entgegen, dass das seit drei Jahren laufende Verfahren intransparent sei – insbesondere für diejenigen, die später direkt betroffen sein könnten. Die Karte habe man veröffentlicht, gerade um Transparenz zu schaffen und ihnen frühzeitig die Gelegenheit zu geben, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen (hinten) und einige Transporthauben im atomaren Zwischenlager in Gorleben. Quelle: dpa

„Natürlich ist es so, dass sich die Kriterien verändert haben“, gibt Angela Wolf zu, „aber die Geologie nicht.“ Sprich: Die grundsätzlichen Voraussetzungen sind aus Sicht von „Ausgestrahlt“ gleich geblieben, was eine Veröffentlichung der Karte gerechtfertigt habe.

„Wir wollen ja gerade, dass ein sicherer Standort gefunden wird“

„Wir wollen ja gerade, dass ein sicherer Standort gefunden wird“, fährt Angela Wolf fort, „wir wollen verhindern, dass es eine rein politische Entscheidung gibt.“

Seit die Endlagerdiskussion 2017 neu angestoßen wurde,ist auch eine Vorfestlegung auf den Standort Gorleben – nur einen guten Kilometer vom Westprignitzer Elbufer entfernt – Vergangenheit, wie Monika Hotopp betont.

Versuchsbergwerk Gorleben wurde zurückgebaut

Um eine solche Vorfestlegung zu verhindern, ist laut Monika Hotopp das Versuchsbergwerk in Gorleben zurückgebaut worden. Unweit dieses Geländes gibt es in Gorleben aber nach wie vor ein Zwischenlager für atomaren Müll – eine Halle, in der zurzeit oberirdisch 113 Castorbehälter gelagert sind.

Dennoch ist auch ein Endlagerstandort Gorleben weiter nicht ausgeschlossen, was Monika Hotopp wie Angela Wolf bestätigen.

Dass man sich ab Herbst 2020 im Norden und Nordwesten Brandenburgs mit dem Endlager-Thema auseinandersetzen muss, ist also durchaus möglich – ob nun weiter westlich oder weiter östlich. Bis 2031 sollen mögliche Standorte dann geprüft werden – ein Endlager wird es wohl vor 2050 nicht geben.

Bürgerinitiative rechnet im Herbst mit weiterem Zulauf

In Wredenhagen aber will die Bürgerinitiative auf jeden Fall aktiv bleiben. Das nächste Treffen steht für den kommenden Montag, 13. Januar, um 18.30 Uhr im Gemeindezentrum Wredenhagen am Burgberg an.

Sam Bohr freut sich, auch Manfred Pitann, Bürgermeister der Gemeinde Eldetal, zu der Wredenhagen gehört, und auch Amtsinhaber aus den mecklenburgischen Nachbarkommunen für die Angelegenheit sensibilisiert zu haben – sie besuchten im November die zweite Statuskonferenz Endlagerung in Berlin, um sich über das Verfahren zu informieren.

Zudem organisierten sie eine Wanderausstellung, die ebenfalls das Verfahren zur Endlagersuche darstellt und in der Scheune Bolléwick zu sehen sein wird. Die Bürgerinitiative in Wredenhagen will sie um eine Ausstellung ergänzen, die die Frage stellt, was wäre, wenn die Endlagerung nach Wredenhagen kommt. Dass die Initiative im Herbst wahrscheinlich weiteren Zulauf bekommt, hält Sam Bohr für wahrscheinlich – schließlich werden dann die möglichen Standorte genannt, und er ist überzeugt davon, dass Wredenhagen dabei ist.

Von Bernd Atzenroth

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