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Ostprignitz-Ruppin Eklat wegen Mastanlage bei Groß Haßlow
Lokales Ostprignitz-Ruppin Eklat wegen Mastanlage bei Groß Haßlow
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12:55 28.03.2014
"Die Menschen sind von dem Bau überrascht worden", sagt Sitzungsgast Karl-Heinz Berndt.
"Die Menschen sind von dem Bau überrascht worden", sagt Sitzungsgast Karl-Heinz Berndt. Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

Karl Berndt hatte in der Einwohnerfragestunde das Vorgehen der Stadt in Sachen Hähnchenmastanlage bei Groß Haßlow kritisiert. In seinen Augen seien die Menschen "nicht rechtzeitig" über dieses Bauvorhaben informiert, sondern vielmehr davon "überrascht" worden.

Zwar räumte Berndt ein, dass die Stadt in dieser Angelegenheit die "minimalste formale Pflicht" eingehalten habe, jedoch sei sie weit davon entfernt, Transparenz zu demonstrieren. So habe er etwa eine Informationsveranstaltung in der Planungsphase vermisst. Gärtner hatte daraufhin betont, dass Auslegungsfristen eingehalten worden seien: "Wir halten uns an die Gesetze." Doch Berndt ließ nicht locker und schob gleich noch die Frage hinterher, ob der Tourismusverein schon einmal danach befragt worden sei, was er davon halte, eine Hähnchenmastanlage in seinem Gebiet zu haben. Und ob eine solche Anlage nicht gegen die Entwicklung des Tourismus' in der Region spräche. Da wurde es Gärtner zu bunt, und er wies den Fragesteller zurecht.

Zu diesem Zeitpunkt steckten Karl Gärtner allerdings schon einige weitere Fragen zu dem Thema in den Knochen. So hatte sich Karl-Heinz Berndt bereits zuvor für ein Monitoring ausgesprochen, um festzustellen, ob durch Massentierhaltung schädliche Auswirkungen auf den Dranser See zu befürchten seien. Zumindest solle geprüft werden, ob ein solches Monitoring möglich wäre, fand er.

Kein Ton für Mastanlagen-Gegner
Ein Mädchen aus einer Gruppe Jugendlicher heraus hatte ebenfalls ins Wespennest gestochen. Denn auch sie bezog sich auf die Mastanlage, indem sie fragte, wie dem Bau einer solchen hatte zugestimmt werden können. Schon da hatte Gärtner erklärt, wie noch mehrfach an diesem Abend, dass nicht die Stadt, sondern das Landesumweltamt die Genehmigungsbehörde sei und die Stadt demzufolge nicht darüber zu entscheiden hatte, ob die Hähnchenmastanlage nun gebaut werden darf oder nicht. Das Mädchen gehörte zum Projekt Demokratiewerkstatt der Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin (JBS). Dabei sollen junge Leute über das Landesprogramm "Mach's ab 16" an die Kommunalpolitik herangeführt werden und lernen, wie Entscheidungsprozesse auf lokaler Ebene vonstatten gehen. "Das gibt es bereits seit zwei Jahren", sagt Eckart Riechmann, Bildungsreferent in der JBS. Aus diesem Grund waren nicht nur die Zuschauerreihen an dem Abend außergewöhnlich gut gefüllt, sondern Stefan Marx aus dem jungen Medienteam begleitete die Sitzung sogar mit der Kamera. Möglicherweise lief diese auch gerade, als Albrecht Gautzsch von der BI"Wittstock contra Industriehuhn" schließlich ebenfalls zu einer weiteren Frage zum Thema Mastanlage anhob, aber nicht weit kam. Er wollte wissen, ob die Stadt die Verhältnismäßigkeit zwischen Umweltbelastung und Nutzen gewahrt sieht. Eine Antwort blieb aus, stattdessen wurde Stadtverordneter Dieter Funkel laut: "Das ist doch alles längst beantwortet worden. Hören Sie doch mal zu!" Dieser unmissverständliche Hinweis und der daraufhin kurzzeitig ansteigende Geräuschpegel in der Runde hatte Gautzsch schließlich dazu veranlasst, das Mikro abzulegen und zu gehen.

Sachlicher blieb Bürgermeister Jörg Gehrmann am Mittwochabend. Hinsichtlich des von Berndt angestrebten Monitorings antwortete er schließlich, dass das Gesundheitsamt des Kreises regelmäßig die Wasserqualität von Badegewässern überprüfe. Man müsse mit dem Amt klären, welche speziellen Möglichkeiten bezüglich des von Berndt genannten Ansinnens umsetzbar wären.

Und was sagt nun der Tourismusverein Wittstocker Land zu der Mastanlage? Darauf wurde am Mittwochabend nicht mehr eingegangen. Die MAZ leitete diese Frage deshalb gestern an Jürgen Paul, den Vorsitzenden des Vereins, weiter. Seine Antwort: Das Thema Massentierhaltung berühre nur Menschen im direkten Umfeld solcher Anlagen. Wären diese ein echtes Problem für den Tourismus, "dann müssten ja auch in Mecklenburg die Urlauber wegbleiben." Grundsätzlich habe das eine mit dem anderen nichts zu tun. Man solle die Dinge deshalb "nicht überspitzen".

Von Björn Wagener

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