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Ostprignitz-Ruppin Rarität im Wittstocker Museum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rarität im Wittstocker Museum
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12:58 11.03.2018
Die Museumsleiterin Antje Zeiger hütet das Prosawerk aus dem Barock wie einen Schatz. Quelle: Madlen Wirtz
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Wittstock

Denn in dem Buch "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch" beschreibt der Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622 bis 1676) Szenen der Schlacht im Dreißigjährigen Krieg bei Wittstock. "Heute würde man sagen, dieses Buch war schon damals ein Bestseller. Wenn auch nur wenige lesen konnten, so hat es doch den Nerv der Leser getroffen", sagt Antje Zeiger, die Leiterin der Wittstocker Museen "Alte Bischofsburg". Sie weist darauf hin, dass es das wichtigste Prosawerk des Barock ist.

Laut einem Werksverzeichnis sind weltweit nur noch 13 Exemplare dieser Ausgabe registriert. Außer in London, Paris, Yale University in Neu Haven sowie Zürich, Berlin und einigen anderen Orten mit Rang und Namen existiert auch eine im Museum des Dreißigjährigen Krieges in Wittstock.

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Das eher kleine, aber dicke Werk aus dem Jahr 1671 ist eine echte Rarität. "Dieses Buch gehört zu den ersten vollständig illustrierten Ausgaben", sagt Antje Zeiger. Insgesamt zieren 20 Kupferstiche den Roman. Gerade weil das Buch so besonders ist, befindet es sich auch in einer verschlossenen Vitrine, wo es vor den Berührungen der Besucher geschützt ist. Blättern und lesen kann man aber trotzdem in ihm. Ein Computer gesteuerter Bildschirm macht das möglich. Dafür reicht ein leichter Druck mit dem Finger aus.

Unklar bleibt, wer der Käufer war

Die Geschichte von Simplicius, dem einfältigen Viehhirten aus dem Spessart, ist nicht nur legendär, sondern sogar eng mit der Historie von Wittstock verwoben.

Ein Familienwappen, das nachträglich auf dem Innendeckel aufgedrückt wurde und eine handschriftliche Eintragung machen jenes Exemplar noch interessanter. Das Wappen ist so auffällig, dass die Wittstocker Museumsleiterin Nachforschungen darüber betrieb. Schließlich wollte sie erfahren, wo und wie das museale Objekt die Jahrhunderte fast unbeschadet überstehen konnte. Dabei sei es ihr fast so ergangen, als hätte sie Erkundigungen über einen Menschen eingeholt. "Über den will man ja auch alles wissen", erklärt die Museumsleiterin.

Nach monatelanger Arbeit fand sie heraus, dass das Buch vermutlich bei der Familie Rüpplin von Kefikon im Kanton Turgau in der Schweiz überdauerte. "Möglicherweise hatte im 18. Jahrhundert ein Bibliothekar empfohlen, das Buch zu kaufen, woraufhin das Familienwappen aufgedrückt wurde. Im 20. Jahrhundert gelangte das Werk in die Hände des Schweizer Sammlers Guido Jenny", erklärt Antje Zeiger.

Die letzten Jahre sind recht gut nachgezeichnet. 1996 wurde der sogenannte "Barock-Simplicissimus" auf einer Auktion in Basel versteigert. Der dazu verfasste Auktionskatalog beschreibt exakt dieses Exemplar. "Details wie das Wappen, das Handschriftliche und sogar die Ausbesserung sind darin vermerkt", so Antje Zeiger. Unklar bleibt, wer der Käufer war. Etwa ein halbes Jahr später gelangte es über das Berliner Antiquariat Braecklin in den Besitz des Wittstocker Museums.

Autor und Buch

  • Das Hauptwerk des „Abentheuerlichen Simplicissimus Teutsch“ ist auf die allgemeine Ersterscheinung 1668/69 datiert. Der Roman gilt als das wichtigste Prosawerk des Barock.
  • Der Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622 in Gelnhausen bis 17. August 1676 in Renchen) verwendete für seine Arbeit das Pseudonym German Schleifheim von Sulsfort – eine Umschreibung seines richtigen Namens (Anagramm).
  • Der Lebensweg der Romanfigur Melchior Sternfels von Fuchshaim ist ebenfalls ein sogenanntes Anagramm.

Von Madlen Wirtz

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