Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Tod unterm Nest
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tod unterm Nest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:56 09.04.2018
Störche im Norden des Altkreises Wittstock zogen in diesem Jahr 17 Jungstörche groß, die für Forschungszwecke beringt wurden. Quelle: Uta Köhn
Anzeige
Wittstock

"Was für ein eigenartiges Storchenjahr ist das nur?", fragt sich der Dranser Ornithologe Jürgen Kaatz nach Abschluss der diesjährigen Beringungstour im Norden des Altkreises Wittstock. Alles fing im Frühjahr so gut an. Mehrere Storchennester, die noch nie besetzt waren, wurden von Storchenpaaren bezogen, so unter anderem in Babitz, Randow, Neu Biesen, Maulbeerwalde, Heiligengrabe und in Könkendorf gleich hinter der Kreisgrenze.

Auch die seit Jahren bewohnten Nisthilfen seines Forschungsprojektes in Sewekow, Berlinchen, Dranse, Schweinrich, Klein Haßlow, Biesen, Wernikow, Tetschendorf, Siebmannshorst und Dudel bei Wulfersdorf wurden bezogen. "Es hätte so gut werden können", sagt Kaatz, und dieses Wörtchen "hätte" deutet schon darauf hin, dass es ganz anders kam.

Anzeige

Kampf mit dem eigenen Spiegelbild

Während der Nachwuchs bei etwa der Hälfte der Paare gut entwickelt ist, sieht es bei der anderen Hälfte gar nicht gut aus. Die Paare in Randow, Neu Biesen und Dranse waren spät dran mit ihrer Brut. Unter dem Nest auf seinem eignen Hof fand Kaatz eines Tages einen toten, gerade erst geschlüpften Jungstorch, die Paare in Babitz und Maulbeerwalde übten sich noch im Nestbau - möglicherweise als Übung für das kommende Jahr, wie Kaatz hofft.

In Klein Hasslow ging irgendetwas so richtig daneben: Dem männlichen Altstorch klopften die Hormone mächtig an die Schädeldecke, wie Kaatz gern zu sagen pflegt, wenn Vögel offenbar ihren Verstand ausschalten. Der Storchenmann bekämpfte sein eigenes Spiegelbild, das er in Fensterscheiben und Autofenstern entdeckte, als Nebenbuhler. "Ein böser Irrtum", sagt Kaatz. Er kann sich das Verhalten nur so erklären, dass diesem "Kampf" gegen Fenster ein echter Kampf vorausgegangen war, sodass das Nest dieses Jahr ohne Nachwuchs bleibt.

Ein eigenartiges Jahr für Störche

Ganz böse traf es die Storchenfamilie in Dudel, wo die Storchenmutter bei der Nahrungssuche in Alt Daber überfahren wurde und starb (MAZ berichtete). Nur durch den mutigen Einsatz von Manfred Görn konnte eines der drei Storchenkinder vor angreifenden Fremdstörchen gerettet werden. Seine zwei Geschwister wurden von den "Besetzern" aus dem Nest geworfen.

"Abwürfe von schwachen Jungstörchen sind eigentlich normal", sagt Jürgen Kaatz. Aber wenn ein kräftiges junges Tier wie in Berlinchen tot unter dem Nest liegt, und eine noch 25 Zentimeter lange Ringelnatter aus seinem Schnabel hängt, dann sei dies schon eine sehr ungewöhnliche und elende Art, ums Leben zu kommen. Auch wenn es für ihn jedes Mal schlimm ist, so etwas zu sehen, so lobt der Ornithologe doch ausdrücklich die Aufmerksamkeit vieler Menschen, die ihn über Besonderheiten im und vor dem Storchennest informieren. "Nur so können solche Fälle dokumentiert werden und wir können helfen, wo es noch etwas zu helfen gibt."

Natur zum Begreifen

In Berlinchen waren von ursprünglich vier nur noch zwei Jungstörche übrig, als Kaatz zum Beringen kam. Rüpelhaft benahm sich der Wernikower Jungstorch - es war nur einer. Der hackte wild um sich. Bei Kaatz flossen einige Tropfen Blut und er musste gut aufpassen, nicht mit dem Gesicht in die Nähe des Storchenschnabels zu kommen. In Eichenfelde und Wulfersdorf bekamen je drei Jungstörche ihre Ringe und auch für drei Heiligengraber Störche waren noch Ringe übrig, weil Kaatz an anderen Nestern der traditionellen Beringungstour zu wenig zu tun hatte.

Gern lässt er sich bei solchen Gelegenheiten über die Schultern schauen. So wurde er in Tetschendorf von den Wulfersdorfer Kita-Kindern, ihren Erzieherinnen und etlichen Dorfbewohnern begrüßt. Wann schon haben Kinder mal Gelegenheit, einen Storch zu streicheln? "So etwas vergessen sie nie. Das ist Natur zum Begreifen."

Von Uta Köhn

Ostprignitz-Ruppin Neue Kyritzer Jäglitzbrücke soll nächste Woche asphaltiert werden - Jäglitzbrücke: Ab August wieder stadteinwärts
10.07.2014
Ostprignitz-Ruppin Ministerin Kunst gibt grünes Licht für Medizinerausbildung - Hochschule kommt nach Neuruppin
09.07.2014
Ostprignitz-Ruppin 5 Jahre freie Heide in Ostprignitz-Ruppin - Bürger verhindern neue Bomben und Raketen
09.07.2014