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Ostprignitz-Ruppin Wo Fontane wirklich wirkte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wo Fontane wirklich wirkte
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20:06 10.01.2018
Der historische Verein der Grafschaft Ruppin präsentiert das Faltblatt zu Wirkungsstätten von Fontane in Neuruppin Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin

Wo ist Fontane zur Schule gegangen, wo hat die Familie eigentlich in Neuruppin gelebt? Wohl die wenigsten Einwohner der Stadt können diese Fragen beantworten – zum Unmut des historischen Vereins der Grafschaft Ruppin. Der Verein hat am Mittwoch ein Faltblatt vorgestellt, mit dessen Hilfe etwas mehr Licht auf die Wirkstätten von Fontane und seiner Familie in Neuruppin geworfen werden soll.

Eine Auflage von 2000 Exemplaren

„Außer der schwarzen Marmortafel am Geburtshaus gibt es keinerlei Hinweise, wo sich Fontane wirklich in Neuruppin aufgehalten hat“, sagte Ulrich Gäbler. Das Vorstandsmitglied des Vereins ist der Autor des Faltblattes, das der Verein auf eigene Kosten erstellt hat und vorerst in einer Auflage von 2000 Exemplaren drucken ließ. Es soll am Bürgerbahnhof und am Alten Gymnasium ausliegen, in Gaststätten und auch in Rheinsberg. Acht Punkte sind auf der kleinen Stadtkarte markiert, die sich als Anregung für eine kleine Fontane-Tour durch die Neuruppiner Innenstadt verstehen, angefangen von der Erinnerungsstätte Alter Friedhof, der 1970 aufgegeben worden war, um Platz für eine Schule, die Wilhelm-Gentz-Schule, zu schaffen. Eine Grabplatte erinnert in der Nähe daran, dass sich dort auch das Grab der Mutter und der Schwester von Theodor Fontane befand. Weitere Stationen sind die ehemaligen Wohnhäuser in der Karl-Marx-Straße 7 und Karl-Marx-Straße 94. In der 7 wohnten die Mutter und die Schwester von Fontane drei Jahre, die Schwester fuhr von dort in die Dörfer und versorgte Theodor mit Informationen, die dann Eingang in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ fanden. In der 94, der sogenannten Interimswohnung, lebte die Familie nach dem Verkauf der Löwen-Apotheke, bevor sie nach Swinemünde umzog.

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Pusch: Wir wollen eine Fontanestimmung erwecken

Verwiesen wird natürlich ebenfalls auf die Superintendentur in der Virchowstraße 13. Dort wohnte Fontane als Gymnasiast des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums beim Prediger und Superintendenten Johann Leberecht Bientz. Auch ein Verweis auf die Fischbänkenstraße 8, das Predigerwitwenhaus, fehlt nicht. Dort wohnte erst die Mutter und 60 Jahre später auch die Schwester von Fontane. Fontane soll dort während der Arbeiten am ersten Band zu seinen „Wanderungen durch die Mark“ häufig zu Gast gewesen sein.

„Wir müssen das Bewusstsein stärken, wo Fontane eigentlich gelebt hat“, sagte Gäbler und verwies darauf, dass Städte wie Tangermünde und Wittenberg ihre großen Töchter und Söhne viel besser präsentieren als Neuruppin. Der Verein gibt mit dem Faltblatt Anregungen, wie das auch in der Kreisstadt besser gemacht werden könnte. „Wir wollen eine Fontanestimmung erwecken“, sagte Regionalforscher Peter Pusch. Froh wäre der historische Verein zudem, wenn es endlich ein Parkverbot vor der Löwen-Apotheke geben würde. Das Geburtshaus von Fontane sei das meistfotografierte Gebäude in der Stadt, sagte Gäbler.

Von Andreas Vogel