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Wusterhausen Als das Luchdorf Nackel besiedelt wurde
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Als das Luchdorf Nackel besiedelt wurde
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08:33 12.07.2019
Auch nach dem Vortrag war Archäologe Torsten Dressler ein gefragter Gesprächspartner. Quelle: Wolfgang Hörmann
Nackel

Mit einem besonderen Geschenk ist Torsten Dressler am vierten Tag der Festwoche zum 700. Geburtstag von Nackel in das Luchdorf gekommen. Der Chef eines Archäologiebüros hielt am Donnerstagabend nicht nur einen gut besuchten Vortrag über Ergebnisse von Grabungen im Ort. Er adelte ihn dabei auch als „einen sehr bedeutenden Platz aus der Slawenzeit“.

Und damit noch nicht genug, bezeichnete er die gerade übergebene neue Parkstraße als die „spannendste Straße im ganzen Dorf“. Damit war gesagt, dass es seit 2004 vor Tiefbauarbeiten zu unterschiedlichen Anlässen auch anderswo im Ort immer wieder archäologische Untersuchungen gab und Fundstücke zu sichern galt.

Der größte Raum des Feuerwehrdepots war bis auf den letzten Platz besetzt. Quelle: Wolfgang Hörmann

Ganz aktuell ging es nun aber um die Verbindung zu dem, was die Nackeler ihr „Dorfzentrum“ nennen, mit Gerätehaus der Feuerwehr. Das bot gerade so viel Platz, um alle Zuhörer aufzunehmen. Viele von ihnen hatten der Dreier-Crew des ABD-Büros, bestehend aus Grabungsleiter Jan Fornfeist und seinen Kollegen Ralf Scherrer und Matthias Daniels, in vergangenen Wochen bei der Arbeit schon mal über die Schulter geschaut.

Was sie schon in 40 bis 50 Zentimetern freilegten, bargen und schließlich dokumentierten, blieb den Zaungästen freilich weitestgehend verborgen. Das Ergebnis lieferte Torsten Dressler den Nackelern nun nach. Es sprach von „drei bis vier großen Fundkisten“, gefüllt zumeist mit Scherben als stumme Zeugen des Beginns der Besiedlung um 1230. Aber auch Spinnwirtel und Ofenkacheln aus dem 18. Jahrhundert fanden sich. Unweit der Kirche wurden sieben bis acht Körperbestattungen dokumentiert.

Herdstelle samt Ofenrest entdeckt

Im heutigen Verlauf der Parkstraße gab es ferner Spuren von Pfostengruben sowie eine Herdstelle samt Ofenrest. Sie gilt als Überbleibsel eines Hauses, das um 1700 hier gestanden haben muss.

Der Archäologe erläuterte anhand von Bilddokumenten einzelne Arbeitsschritte seiner Kollegen und was daraus resultierte. So bekamen die Zuhörer Abbildungen von Keramikresten und Grabbeigaben zu Gesicht, dazu gleich zwei übereinander liegende Schichten aus Natursteinpflaster und als Beleg für die Gründlichkeit, mit der die Männer vorgingen – zwei Reichspfennige von 1906 und 1924.

Torsten Dressler beantwortete zwischendurch immer wieder Fragen aus dem Publikum und wies am Ende seines Vortrags auf Fundstücke hin, die er zur Anschauung auf einem Extra-Tisch ausgebreitet hatte. Das Interesse daran war groß wie am Vortrag und auch dieser Tag der Festwoche ein gelungener.

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