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Wusterhausen Wertvolle Fracht ins Dorf zurückgekehrt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Wertvolle Fracht ins Dorf zurückgekehrt
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00:24 29.11.2018
Die Annen-Figuren wurden behutsam verpackt und von Rouven Obst (l.) und Bodo Hörster sicher nach Brüsenhagen zurückgebracht. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Brüsenhagen/Wusterhausen

Das Wusterhausener Wegemuseum ist seit dem Ende der vergangenen Woche um eine Sehenswürdigkeit ärmer. Der Verlust war absehbar, schließlich handelte es sich bei den zwei hölzernen Annen-Figuren um eine Leihgabe auf Zeit: Gut zwei Jahre haben sie in der Stadt an der Dosse zugebracht, ausquartiert aus dem Turm der Dorfkirche Brüsenhagen bei Vehlow, weil notwendiges Bauen den Schnitzarbeiten schlecht bekommen wäre.

Da war es die beste Idee, dem Vorschlag der Prignitzer Denkmalschützer zu folgen und beim nächstgelegenen Museum um Asyl nachzusuchen. In Wusterhausen zeigte man sich gastfreundlich, was nicht ganz uneigennützig geschah. Denn Museumsleiterin Katharina Zimmermann stellte die beiden Annen nebst ebenfalls ausgelagerten Kanzeltafeln, bildlichen Darstellungen der zehn Gebote und dem Rudiment eines Bischofsstuhls nicht ins Depot, sondern 2017 zu einer Sonderausstellung zusammen.

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Diese Annen-Figuren kehrten jetzt nach Brüsenhagen zurück. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die wertvollen Abbilder der Anna kamen nach dem Ende der Schau dann im Mittelalter-Bereich des Museums hinter Glas, auf dass sie jeder Besucher weiterhin bewundern konnte. Am vergangenen Freitag hieß es aber Abschied nehmen. Die Figuren wurden in Decken gehüllt und „reisefertig“ gemacht.

In der Mittagsstunde ließen sie sich schließlich von zwei Männern auf den Arm nehmen: Rouven Obst vom gemeinnützigen Förderverein „Kirche in Brüsenhagen“ und Bodo Hörster, einer der Kirchenältesten, beendeten den Ausflug der Annen nach Wusterhausen. Zusammen mit den anderen Leihgaben wurden sie in zwei Autos verladen und dahin gebracht, wo sie zuhause sind.

Staturen stammen aus dem 16. Jahrhundert

In der christlichen Ikonografie wird die Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind als „Anna selbdritt“ bezeichnet. Der Bildtyp gehört zu den Andachtsbildern, die sich im späten Mittelalter und besonders häufig und vielgestaltig in Deutschland und den Niederlanden, aber auch in Italien und Spanien herausgebildet haben.

Der Ausdruck „selbdritt“ ist ein altes Wort für „als Teil einer Dreiergruppe“ oder steht für „zu dritt“. Ab dem 8. Jahrhundert finden sich Deckenmalereien und Gemälde mit diesem Motiv, schließlich ab dem 13. Jahrhundert auch figürliche Darstellungen.

Die Statuen aus Brüsenhagen stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die gut zwei Jahre im Wegemuseum brauchte es, bis der Turm der Kirche in Brüsenhagen restauriert worden war. „Bis auf wenige Restarbeiten im Innern und bis auf die Außenanlagen sind wir damit fertig“, sagt Bodo Hörster.

Die Figuren stehen jetzt an einem Holzkreuz, das aus Balken der Kirche gebaut wurde. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Annen-Figuren kamen nach ihrer Heimkehr gleich an ihren angestammten Platz, rechts und links neben einem etwa 1,20 Meter hohen Kreuz aus stabiler Eiche. Im Zuge der Arbeiten am Turm – das Kirchenschiff existiert bereits seit Jahrzehnten nicht mehr – wurde eine Zwischendecke entfernt. Dabei fielen Bohlen an, aus denen Tischler Bodo Hörster das Kreuz schuf. Das Holz dürfte aus dem Baujahr der Kirche stammen – 1678.

Die Fachwerkkirche war früher ein Bau mit putzfreier, gemusterter Ausmauerung und polygonalem Ostschluss mit einem bretterverkleideten Fachwerkturm auf dem Westende. Der Turm blieb erhalten, während die Kirche 1972 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Der wertvolle gotische Flügelaltar („Achatiusaltar“) befindet sich seit 1978 restauriert in der Kyritzer Marienkirche. Die Glocke im Turm wurde 1852 in Berlin gegossen.

Von Wolfgang Hörmann