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Wusterhausen Geschichtsträchtiger Boden gibt weitere Geheimnisse preis
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Geschichtsträchtiger Boden gibt weitere Geheimnisse preis
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00:31 29.06.2019
Für den Bau eines Einfamilienhauses am großen Burgwall in Wusterhausen fanden dort archäologische Ausgrabungen statt. Quelle: André Reichel
Wusterhausen

Der Boden in der Dossestadt Wusterhausen ist enorm geschichtsträchtig. Jedes Mal, wenn dort in den Boden eingegriffen wird, sind zumeist auch Archäologen und Bodendenkmalpfleger zur Stelle – so will es das Bodendenkmalschutzgesetz des Landes Brandenburg.

Auch jüngst wieder, als in der Straße „Am Burgwall“ die Baugrube für ein neues Einfamilienhaus ausgebaggert wurde, waren archäologische Funde zu erwarten und somit ein Archäologenteam zur Stelle.

Kleines Fenster erlaubt Blick in die Geschichte

Eine Woche lang gruben sich die Berliner Spezialisten Hartmut Lettow, Olaf Brauer und Uli Bauer auf dem einstigen Burgwall Schicht für Schicht in die Geschichte hinein. Zwar stellt eine nur 13 mal 10 Meter große und knapp einen Meter tiefe Baugrube nur ein verhältnismäßig kleines Fenster in die Vergangenheit dar, dennoch konnten die Archäologen dem längst noch nicht vollständigen Puzzle dadurch wieder einige Stücken hinzu fügen.

Archäologe Hartmut Lettow beim Freilegen der Tierknochengrube. Quelle: André Reichel

Der Straßenname „Am Burgwall“ kommt nicht von ungefähr. Im 11. bis Mitte des 12. Jahrhundert stand genau dort ein slawischer Burgwall, wohl Sitz eines Regionalfürsten und zugleich kulturelles Zentrum des slawischen Stammes der Dossanen, die entlang des ebenfalls namensgebenden Flusses Dosse ihr Siedlungsgebiet hatten.

Wie regional bedeutend Wusterhausen in jener Zeit gewesen sein muss, bezeugen mehrere Gräber mit Schwertbeigabe aus spätslawischen Epoche, die nicht weit entfernt an der Stadtkirche. „Nur hochrangige Personen, beispielsweise Krieger, wurden damals mit einem Schwert beigesetzt“, berichtete Bodendenkmalpfleger Manfred Teske. Der 80-jährige Wusterhausener hat mehr als 50 Jahre lang intensiv die Ur- und Frühgeschichte von Wusterhausen erforscht.

Überall in Wusterhausen slawische Spuren

Funde speziell aus der Slawenzeit kamen dabei an vielen Stellen zu Tage. So konnte sich Teske irgendwann ein recht genaues Bild dieser Epoche machen. Hierbei spielten jede einzelne der von ihm entdeckten Siedlungen, etwa auf dem Gebiet des heutigen Marktplatzes, eine wichtige Rolle.

Großes Augenmerk richtete der Bodendenkmalpfleger auch auf den bereits in alten Karten vermerkten Burgwall unmittelbar nordöstlich der Stadt. Über Form, Größe und genaue Lage der Burg gaben diese aber keinerlei Auskunft. Das Areal ist jedoch seit der Zeit um 1900 bebaut, was die Forschung dort nicht gerade erleichtert.

Zwar wurden schon beim Bau der alten Schule im Jahr 1904 zahlreiche Keramikscherben aus der Slawenzeit, aber auch aus der darauffolgenden frühdeutschen Epoche entdeckt, doch diese stammten nicht vom Burgwall selbst, sondern von einer sich unmittelbar westlich daneben bis zum heutigen Mühlenhof ausbreitenden so genannten Vorburgsiedlung.

Bei der aktuellen Ausgrabung kamen viele slawische Keramikscherben zu Tage. Quelle: André Reichel

Erst Karl Jahn, der 1966 in Wusterhausen die Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichte ins Leben rief, sammelte mit den AG-Mitgliedern auf dem Burgwallareal in ausgeschachteten Leitungsgräben zahlreiche slawische Keramikscherben ein. Nachdem Jahn 1969 starb, führte Teske die AG weiter.

Manfred Teske gelang der archäologische Beweis des Burgwalls

Den ersten archäologischen Beweis für die tatsächliche Existenz dieses Burgwalls gelang Manfred Teske schließlich im Jahr 1993, als dort eine Gemeinschaftszahnarztpraxis auf einstigem Gartengelände gebaut wurde. In der Baugrube stellten er und Lutz Heine zwei vorgelagerte Wassergräben fest. Beide waren rund vier Meter breit. Dahinter kam dann der einstige Wall, der aus einer mit Erde verfüllten Holzkastenkonstruktion bestand.

Manfred Teske konnte auch an anderen Stellen an Hand von Funden und besonders durch die Beobachtung des Geländereliefs Lage und Größe des „Großen Burgwalls“ rekonstruieren. „Es handelte sich um einen Rundwall von etwa 100 Metern Durchmesser“, so Teske.

Manfred Teske konnte an Hand von Grabungsergebnissen den Burgwall rekonstruieren. Quelle: André Reichel

Die aktuelle Baustelle befindet sich ziemlich genau in der Mitte der einstigen Wallanlage. Die Archäologen fanden dementsprechend als Rest der ehemaligen Wohnbebauung eine slawische Hausgrube mit viel Keramikscherben dieser Zeit. Aber auch eine Feuerstelle und eine Grube mit zahlreichen Tierknochen darin, stellten sie fest.

Deutsche Nachnutzung des slawischen Burgwalls archäologisch belegt

Spannender war da ein ganz anderer Befund. Ganz am Rande der Baugrube entdeckten die Forscher die Reste einer Kellerwand aus frühdeutscher Zeit. „Das ist interessant, denn dies beweist, dass der Burgwall von den deutschen Eroberern gleich weitergenutzt wurde, vielleicht vom Lokator, der die Aufgabe hatte, die Strukturen für die neue Herrschaft zu schaffen“, so Archäologe Uli Bauer.

Von André Reichel

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