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Wusterhausen Computer steuern Bus durch die Wusterhausener Innenstadt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Computer steuern Bus durch die Wusterhausener Innenstadt
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18:38 11.07.2019
In Wusterhausen fiel am Donnerstag der offizielle Startschuss für den Probebetrieb eines autonomen Busses. Der Linienverkehr beginnt am Montag. Quelle: Alexander Beckmann
Wusterhausen

Das leise „Pling“ gehört dazu. Vorher setzt sich der neue Wusterhausener Robobus nicht in Bewegung. Dann aber findet er große Teile seines Wegs durchs Stadtzentrum schon selbstständig. Nur an der Ecke am Rathaus hält der Bus – wegen der Vorfahrt. „Da muss ich jetzt wieder Start drücken“, sagt „Operator“ Kay Stilt von der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft ORP. Auch Engstellen und am Straßenrand parkende Autos lassen die Computersteuerung derzeit noch innehalten.

Stilt und drei seiner ebenfalls speziell geschulten Kollegen werden dem Fahrzeug in den nächsten Monaten weiterhin Hilfestellung leisten. Es geht um die Sicherheit. Und außerdem handelt es sich ja nun einmal um einen Probebetrieb.

Großer Bahnhof für den Bus

Dessen offizieller Start stieß am Donnerstagvormittag auf großes Interesse bei den Wusterhausenern und zahlreichen Medienvertretern. Autonome Busse auf öffentlichen Straßen gab es in Deutschland bisher nur in einem Ort: im pfälzischen Bad Birnbach. Der Einsatz der fahrerlosen Fahrzeuge ist zum größten Teil noch absolutes Neuland – technisch genauso wie verkehrsrechtlich.

Ab Montag fährt der autonome Bus im Linienverkehr durchs Stadtzentrum –kostenlos für jedermann. Quelle: Alexander Beckmann

„Es sind von der Idee bis zum heutigen Tag zwei Jahre vergangen“, berichtete Christian Fahner von der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg. Sie ist zusammen mit dem Verkehrsunternehmen ORP sowie den Technischen Universitäten Berlin und Dresden Hauptakteur des Forschungsprojektes.

Test unter alltäglichen Bedingungen

Thomas Richter von der TU Berlin nannte die Fragen, die man mit dem Versuch beantworten möchte: „Welche Voraussetzungen sind im ländlichen Raum erforderlich, damit so ein Fahrzeug fahren kann? Wie wird so ein Angebot genutzt? Wie kann es in anderen Regionen weitergeführt werden?“ Zudem gehe es natürlich auch um finanzielle und organisatorische Aspekte.

Drei Ausbaustufen stelle man sich für den autonomen Busverkehr in Wusterhausen vor. Ab kommenden Montag, den 15. Juli, soll das Fahrzeug regelmäßig zwischen der Schule und dem Bahnhof verkehren.

Kay Stilt und seine Kollegen von der Busgesellschaft sorgen dafür, dass die Fahrten sicher sind. Quelle: Alexander Beckmann

„In zwei, drei Wochen sind wir so weit, dass wir die zweite Stufe nehmen können“, kündigt Richter an. Dann wolle man auf der Berliner Straße bis zum Netto-Markt testen, wie das Fahrzeug mit Holperpflaster zurechtkommt. Zwölf Haltestellen in der Stadt würden dann bedient. „Damit hätten wir schon das längste autonome Shuttle in der ganzen Republik“, sagt der Universitätsprofessor. Und schließlich sei noch die Erweiterung bis in die Seestraße und zum Horstberg geplant, um auch das Fahren im eher ländlichen Bereich zu testen.

Eine Lösung für die „letzte Meile“?

Brandenburgs Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse sieht in all dem vor allem einen Beitrag zu „bezahlbarer, zukunftsfester und umweltgerechter Mobilität“ auf dem Land. „Meistens ist doch die letzte Meile das Problem.“ Also das Stück vom Bahnhof oder von der Bushaltestelle bis nach Hause. Vielleicht können die Robobusse dafür eine Lösung bieten.

Ein Roboterbus fährt seit Donnerstag die ersten Passagiere durch die Wusterhausener Innenstadt. Noch geht es gemächlich zu und nur unter menschlicher Aufsicht. Der Testbetrieb soll bis Mitte nächsten Jahres andauern.

„Ich wünsche diesem Projekt, dass die Bürgerinnen und Bürger es annehmen“, sagte Ines Jesse. Diesem Wunsch schloss sich am Donnerstag OPR-Landrat Ralf Reinhardt an. Wusterhausens Bürgermeister Philipp Schulz hofft auf den technischen Fortschritt: „Je weniger das Fahrzeug den Verkehr negativ beeinflusst, umso größer wird seine Akzeptanz.“

Hoffnung auf eine Fortsetzung

Denn noch tastet sich der Robobus äußerst verhalten über die Wusterhausener Straßen. Stopps mitten auf der Strecke scheinen eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Mehr als Tempo 15 ist derzeit sowieso nicht drin. Dafür gibt’s die Mitfahrt aber kostenlos für jedermann.

Der Versuch soll bis Mitte 2020 fortgesetzt werden. „Je nachdem, wie gut wir werden, haben wir vielleicht eine Chance, das zu verlängern“, sagt ORP-Chef Ulrich Steffen.

Von Alexander Beckmann

Nach den Startschwierigkeiten wegen vieler morscher Hölzer geht es auf der Wusterhausener Rathaus-Baustelle jetzt planmäßig voran. Das historische Gebäude wird umfassend saniert. Im Sommer 2020 soll darin die Verwaltung wieder ihre Arbeit aufnehmen können.

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