Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wusterhausen Dieses Dorf träumt von einem Gemeinschafts-Elektroauto
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Dieses Dorf träumt von einem Gemeinschafts-Elektroauto
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 04.04.2019
Barbara Linke (l.) hat 2009 den Barsikower Dorfverein mitbegründet. Anna Funke (r.) ist aktuell die Vorsitzende. Editha Meister steht der Arbeitsgruppe „Junge Eltern“ vor.
Barbara Linke (l.) hat 2009 den Barsikower Dorfverein mitbegründet. Anna Funke (r.) ist aktuell die Vorsitzende. Editha Meister steht der Arbeitsgruppe „Junge Eltern“ vor. Quelle: Wolfgang Hörmann
Anzeige
Barsikow

Manche Preise bleiben nicht nur ein Fall für Wand oder Vitrine, sondern sie ziehen noch so einiges nach sich. Und so fußen auch die bemerkenswerten Entwicklungen, die sich jetzt im Wusterhausener Dorf Barsikow abzeichnen, auf zwei zuletzt erhaltene Auszeichnungen.

Die eine heimsten sie bei „Unser Dorf hat Zukunft“ ein. So heißt der bundesweit geführte Wettbewerb der kleinen Orte, bei dem es Barsikow 2017 im Landkreis OPR aufs oberste Treppchen schaffte. Das brachte nicht nur 1500 Euro Preisgeld ein. Es qualifizierte das Dorf auch, sich im Jahr darauf im Landeswettstreit mit anderen Kreissiegern zu messen. Hier sprang ein Sonderpreis heraus, veredelt mit weiteren 1000 Euro.

Ortsvorsteher: „So ein Preis verpflichtet“

„Wir haben ihn für den Umgang mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters bekommen“, sagt Anna Funke, die Vorsitzende des Dorfvereins. Sie zählt auf, was die Jury überzeugt haben muss: freier WLAN-Zugang für alle in der Begegnungsstätte „Alter Konsum“, die Vernetzung mit Hilfe verschiedener Whatsapp-Gruppen, die Internetseiten „inbarsikow.de“ und „alterkonsum.de“, das Teilen von Fotos im Internet.

„So ein Preis verpflichtet“, findet Willem Schoeber. „Wir wollen die Idee weiterleben“, schreibt der Ortsvorsteher in der aktuellen Ausgabe des „Barsikower Landboten“. Trotz Kommunikation im blitzschnellen Datennetz hat auch das Infoblättchen im Schulheft-Format nach wie vor seine Leser. Gestaltet wird es von Schoebers Vorgängerin Barbara Linke und von Carola Ludwig mit Hilfe von Autoren. Regelmäßig findet es sich in Barsikower Hausbriefkästen oder liegt im „Konsum“ aus.

Computer, Beamer und Leinwand auf der Einkaufsliste

Die Ausgabe für März und April nennt die nächsten Ziele. So sollen in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Neuruppin Computerkurse angeboten werden. Der Tausender Sonderpreis-Geld ist verplant für passende Medien, die bei Kursen und Workshops unerlässlich sind. Ein Computer, Beamer und Leinwand stehen auf der Einkaufsliste.

Elektroauto für das ganze Dorf

Und dann verfolgen die Barsikower noch einen Plan, der Mobilität und Umweltschutz gleichermaßen bedienen würde. „Mit etwas Glück könnten wir ein Dorfmobil bekommen. Wir haben uns drum beworben“, verrät Anna Funke. Die Sache wäre in der Region bisher einmalig: Ein Elektroauto, finanziert vom Landkreis OPR, soll jedermann nutzen können.

Eine Umfrage im Dorf hat ergeben, dass Interesse und Bedarf bestehen. Das Fahrzeug könnte geleast oder gegen einen Obolus mit Fahrer geordert werden. „Hier auf dem flachen Land haben Familien häufig zwei Benziner oder Diesel in der Garage. Ein Auto davon bliebe stehen, wenn man mit alternativer Energie von A nach B kommt“, sagt Anna Funke. Am „Alten Konsum“ wäre der Platz für die „Strom-Tankstelle“. Das notwendige Kabel liegt vorinstalliert schon in der Erde.

Chancen auf das Fahrzeug laut Vize-Landrat realistisch

Die Chancen, dass Car-Sharing im Dorf mit Pilgerherberge Wirklichkeit wird, sind realistisch. „Der Kreistag hat im Haushaltsplan 2019 insgesamt 50 000 Euro für innovative Mobilitätsprojekte bereitgestellt. Daraus resultiert die Möglichkeit, auch eine Dorfauto-Lösung zu fördern“, erklärt Vize-Landrat Werner Nüse auf MAZ-Nachfrage: „Bisher liegt ein Antrag vor. Eine Entscheidung ist bis Mai zu erwarten.“

Wo die Barsikower ihr E-Schätzchen parken würden, darüber denken sie noch nach. Vielleicht dicht an der einstigen Verkaufsstelle. Die würde so noch zusätzlich an Bedeutung gewinnen. Komplett saniert und gemütlich eingerichtet, ist sie jetzt schon das kulturelle Zentrum des Ortes. Hier finden Workshops, Lesungen und Ausstellungen statt.

Der „Konsum“ ist für die Einheimischen freitags und samstags gleichzeitig Gaststätte mit kleiner Speisekarte und Ausschank. Für Kinder gibt es eine Spielecke, die Erwachsenen haben einen Platz, an dem sie drüber klönen, wie es weiter geht in der Nachbarschaft und mit ihrem Ort. Zukunft ist schließlich immer.

Von Wolfgang Hörmann