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Wusterhausen Mehr Natur auf dem Dorfanger
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11:06 29.07.2019
Ortsvorsteher Willem Schoeber gehört in Barsikow zu denen, die sich mehr biologische Vielfalt auf dem Dorfanger wünschen. An einigen Stelle gelingt das schon. Quelle: Alexander Beckmann
Barsikow

Der Ausspruch „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ wird dem griechischen Historiker Thukydides aus dem 5. Jahrhundert vor Christus zugeschrieben. Die Erkenntnis ist also ungefähr so alt wie die Geschichtsschreibung.

In Barsikow ist sie dieser Tage mal wieder ganz aktuell. Es geht um die Grünflächen im Dorf. Die sind ein Thema der sporadisch tagenden Barsikower Arbeitsgruppe Dorfgestaltung. „Wir haben uns gesagt, das auch uns hier im Dorf die globalen Probleme etwas angehen“, berichtet Anna Funke aus dieser Arbeitsgruppe.

Mehr Vielfalt für mehr Insekten

Für eines dieser globalen Probleme hält die Gruppe das Insektensterben. Forscher gehen nämlich davon aus, das allein seit Beginn der 1990er Jahre bis zu Dreiviertel der natürlichen Insektenpopulation einfach verschwunden ist. Als ein wichtiger Grund wird der seit Jahrzehnten anhaltende Rückgang an landschaftlicher Vielfalt und damit an Lebensräumen für Insekten vermutet.

In Barsikow will man zumindest einen kleinen Betrag gegen diesen Trend leisten. Die Idee: ein Beispiel geben – mit mehr blühenden Pflanzen vor allem einheimischer Art im Dorfbild.

Vom Kräuterbeet bis zum Bepflanzungsplan

Mit seinem Kräuterbeet auf dem östlichen Dorfanger gewann das Dorf 2017 sogar einen Sonderpreis im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Die altersbedingt recht heruntergekommene Thujahecke am Friedhof wurde durch Rotbuchen ersetzt, die angesichts der trockenen Jahre allerdings keinen leichten Start haben.

Das Preisgeld aus dem Dorfwettbewerb investiert man in einen Bepflanzungsplan für die Spiel- und Festwiese. Der soll die weite Rasenfläche auch für Menschen zu einem angenehmeren Ort machen.

Idee: Mehr Farbe mit weniger Aufwand

Und dann sind da noch die anderen Grünflächen auf dem Dorfanger: Büsche, Bäume und vor allem viel Rasen. Eine Wiese mit vielen Wildblumen wäre deutlich besser, dachten sich die Barsikower Insektenschützer. „Der kurzgeschorene Rasen sieht in Sommern wie diesem einfach trist aus“, findet Anna Funke. Leben gebe es in dem verbrannten Gras kaum noch.

Eine Wiese fachgerecht und überlebensfähig anzulegen, bedeutet aber großen Aufwand. Vielleicht, so überlegte man im Dorf, hilft es ja schon, wenn die Grünflächen nicht mehr ganz so oft gemäht werden, nur noch zwei-, dreimal im Jahr.

„Wir müssen mal sehen, was da wächst“, sagte Ortsvorsteher Willem Schoeber. Das Experiment laufe ja erst seit ein paar Monaten. „Ich hab schon den Eindruck, dass da jetzt etwas mehr Insekten unterwegs sind – vor allem Schmetterlinge.“

An den Kräuterbeeten auf dem Barsikower Dorfanger herrscht reges Leben. Quelle: Alexander Beckmann

„Wir wollen noch ein Schild aufstellen, dass da ein Experiment stattfindet“, ergänzt Anna Funke. Außerdem soll jeweils ein Randstreifen wie bisher regelmäßig gemäht werden. „Damit es nicht vernachlässigt aussieht.“ Auf jeden Fall sei der Versuch mit der Gemeindeverwaltung in Wusterhausen abgesprochen.

Widerspruch und Zustimmung

Doch ganz ohne Widerspruch bleibt das Vorhaben nicht. Denn da kommt die Sache mit der Schönheit ins Spiel. Sollte man Grünflächen im Ort einfach so wachsen lassen?

Eindeutig nicht, befand eine ehemalige Barsikowerin am MAZ-Lesertelefon. „Ich komme in mein Heimatdorf und es sieht ungepflegt aus“, beklagte sie. Blühstreifen solle man lieber anderswo anlegen als mitten im Ort.

Für den Ortsvorsteher sind solche Äußerungen nichts Neues. Drei Varianten von Reaktionen erlebe er, sagt Willem Schoeber: a) „Das sieht unordentlich aus.“ b) „Mann, ist das toll. Das sieht echt schön aus.“ „Die dritte Gruppe sagt nichts und die ist nicht klein. Da hält sich die Begeisterung wohl auch in Grenzen.“ Allerdings: „Mir hat eine Dame aus dem Dorf gesagt: Man muss sich dran gewöhnen.“

Wer das eine wolle, müsse das andere mögen, meint auch Anna Funke. „Natur ist nicht ordentlich.“ Und warum überhaupt sollte nur Ordnung schön sein? „Ich denke, dass man auch hier bei uns über diese Themen nachdenken muss.“

Ganz von allein kommt die Natur nicht zurück

Das Experiment mit dem ungemähten Angerrasen hat man in Barsikow trotzdem vorerst abgebrochen. Es habe die Erwartungen nicht erfüllt, schätzt der Ortsvorsteher inzwischen ein. „Das einzige, was da wächst, ist übles Unkraut.“ Von Blüten sei kaum etwas zu sehen. „Wir müssen überlegen, was wir da unternehmen. Vielleicht liegt es an der Trockenheit. Vielleicht müssen wir gezielt etwas aussähen. Es war ein Experiment. Das kann auch scheitern.“ Die Idee ganz aufgeben will er noch nicht.

Willem Schoeber hofft auf mehr Unterstützung – gern an weiteren Orten und auch in den privaten Gärten: „Dass mehr Leute sagen: Wir wollen da mitmachen.“ Natürlich könne Barsikow nicht die Welt retten. Aber: „Die ganze Welt ist eine Ansammlung von kleinen Orten. Alle müssen etwas machen.“

Anna Funke fügt hinzu: „Ich denke, dass ein Umdenken möglich ist.“ Das Rauchverbot in Gaststätten sei das beste Beispiel: „Da hätte ich früher auch nie gedacht, dass es dazu mal kommt.“

Von Alexander Beckmann

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