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Wusterhausen Campingplatz: Dauerbewohner kämpfen um ihr Zuhause
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Campingplatz: Dauerbewohner kämpfen um ihr Zuhause
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09:26 25.09.2019
Ein Großteil der 60 von der Kündigung am dem Campingplatz Betroffenen suchte bei der Sitzung die Unterstützung der Gemeindevertreter. Quelle: Wolfgang Hörmann
Wusterhausen

Das hat es in Wusterhausen lange nicht gegeben. Damit alle Zuhörer bei der Gemeindevertretersitzung am Dienstag in „Ribbes Partyhaus“ Platz nehmen konnten, mussten zusätzlich Stühle herangeholt werden.

Dafür sorgten vor allem Frauen und Männer vom Campingplatz in der Seestraße. Das Problem dieser Bewohner von sogenannten Mobilheimen ist mittlerweile mindestens brandenburgweit bekannt, seit zunächst die MAZ, dann am vergangenen Wochenende auch das RBB-Fernsehen darüber berichtete. Rund 60 Menschen, fast alles Rentner, haben ihre Meldeadresse in der Seestraße 42.

Die Bewohner fühlen sich dort zu Hause

Die Mehrzahl fühlt sich schon Jahrzehnte hier zu Hause. Ein anderes besitzen sie nicht, will auch keiner. Die meisten haben ihr gesamtes Geld in die Idylle am Ufer des Klempowsees gesteckt.

Was bisher auf Grundlage des Meldegesetzes durchging, lässt das Baugesetz aber nicht zu. Es sagt aus, dass dauerhaftes Wohnen auf Campingplätzen verboten ist. Der Landkreis schickt sich nun erneut an, nach einem abgebrochenen Versuch 2011, Unvermeidliches durchzusetzen. Über das „Wie?“ ist Streit entbrannt.

Die Ungewissheit macht manche krank

„Ich wusste bis vor kurzem nicht, dass ich hier seit vielen Jahren illegal wohne“, sagte Monika Katzmann am Dienstagabend. Sie steht an der Spitze des Widerstandes Gleichgesinnter gegen das, was sie Vertreibung nennen. Der Zustand, in dem sie leben, heißt Ungewissheit. Und dieses Nichtwissen darüber, was sie an ihrem Lebensabend noch erwartet, lässt sie schlecht schlafen und macht manche krank. Das alles legte Monika Katzmann in der ersten Einwohnerfragestunde dar.

„Ich würde daraus gern eine Sagestunde machen“, hatte die zierliche Frau angekündigt, „denn ich habe erst einmal was zu sagen“. Diese Botschaft veranlasste den Vorsitzenden der Gemeindevertretung Oliver Grube sogleich dazu, einen Zeitrahmen zu ziehen. Die Frau vom Campingplatz gab sich alle Mühe, ihre Gefühle im Griff zu behalten, als sie dann doch ein wenig ausholte.

Ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt

Erst als Grube sie an die Uhr erinnerte, kam sie auf den Punkt. „Wieso geht in Wusterhausen nicht, was anderswo klappt? Zum Beispiel im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es eine ähnliche Situation, aber mit einer Stichtagsregelung.“ Sie lässt das dauerhaftes Wohnen für jene zu, die zu einem bestimmten Zeitpunkt da waren, für andere nicht. Das umstrittene Modell kann so „ausschleichen“, was allerdings dauert.

Monika Katzmann sprach für alle Betroffenen. Sie will sogar die Landes- und Bundespolitik um Hilfe bitten. Quelle: Wolfgang Hörmann

„Das geht nicht, weil es rechtswidrig ist“, belehrte sie Bürgermeister Philipp Schulz, was für erhebliche Proteste auf den Besucherstühlen sorgte. „Sie vertreten hier nicht die Bürger von Wusterhausen, zu denen wir ja auch gehören. Sie wollen ihre leeren Wohnungen loswerden“, hielt ihm Monika Katzmann entgegen“, was Schulz umgehend zurückwies. Wie Oliver Grube argumentierte er mit geltenden Gesetzen und den Entscheidern, die beim Landkreis säßen.

Barbara Linke (UWG) wagte einen Vorstoß

Das wiederum provozierte die Entgegnung, um die es den Zuhörern aus der Seestraße eigentlich ging: „Wir wissen ja, dass sie hier nicht entscheiden können. Aber die Gemeindevertretung könnte doch wenigstens offiziell befürworten, was wir wollen und uns so helfen.“

Dazu kam es nicht. Lediglich Barbara Linke (UWG) wagte wenig später einen Vorstoß, der ihr aber nur den Beifall der Leidgeplagten einbrachte. Sie schlug einen Protokollvermerk vor. Danach sollte die Gemeindevertretung die Camper mit fester Wohnadresse in ihrem Bemühen unterstützen, die jetzigen Möglichkeiten beizubehalten. Landkreis und Landesregierung sollten außerdem aufgefordert werden, „klare rechtliche Regelungen zu schaffen“.

Mit dem Verweis darauf, dass das Thema nicht auf der Tagesordnung stand und erst in den Ausschüssen beraten werden müsste, blieb die vermeintliche Hilfestellung an diesem Abend aus.

Schule wird saniert

Der umfassenden Sanierung der Astrid-Lindgren-Grundstelle, einschließlich dafür notwendiger Baumaßnahmen am Bildungscampus steht nichts mehr im Weg. Die Gemeindevertreter beschlossen das Bauprojekt einstimmig.

Ohne Gegenstimmeblieb auch der Beschlussvorschlag, frühestens zum 1. Januar 2020 gemeinsam mit der Stadt Cottbus und anderen Städten Brandenburgs, einen „digitalen Zweckverband“ zu bilden. Ziel ist eine höhere Effizienz bei der Lösung der Verwaltungsaufgaben. Die Stadt Kyritz und das Amt Neustadt sind ebenfalls Mitglieder.

Bei zwei Enthaltungenwurde der Aufsichtsrat der Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft bestimmt. Er hat sieben Mitglieder, zwei mehr als in der vergangenen Wahlperiode. Es sind Bürgermeister Philipp Schulz, Kämmerer Tobias Kaminski, Holger Münn, Bastian Knaak, Ingolf Berber, Dirk Blume und Axel Herrmann.

Die Fachausschüssekönnen weiterhin auf die Mitarbeit sachkundiger Einwohner rechnen. Das sind im Bau und Ordnungsausschuss: Wilfried Hegermann, Kai Jahnke, Lutz Lübeck und Torsten Wacker, im Kultur- und Sozialausschuss: Jana Kuska, Jörg Mertens, Jaqueline Salih und Manuela Wlodarski, im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus: Nico Alwin, Gerd Schütte, Christian Wernitz und Holger Zepuntke.

Von Wolfgang Hörmann

Der Besitzer dieses verlassenen Fahrrades am Wusterhausener Bahnhof wird gesucht. Die Verwaltung wünscht sich, dass er oder sie es abholen und entsorgen.

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