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Wusterhausen Gas-Alarm: Die Bilanz nach sechs Stunden Ausnahmezustand
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Gas-Alarm: Die Bilanz nach sechs Stunden Ausnahmezustand
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00:23 29.03.2019
Feuerwehren aus der gesamten Region waren zum Einsatz nach Wusterhausen geeilt. Dort trat an einer Tankstelle Autogas aus.
Feuerwehren aus der gesamten Region waren zum Einsatz nach Wusterhausen geeilt. Dort trat an einer Tankstelle Autogas aus. Quelle: Alexander Beckmann
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Wusterhausen

Am Tag nach dem Gas-Großalarm in Wusterhausen, wo an einer Tankstelle unmittelbar an der B 5 Autogas ausgeströmt war, hat sich alles wieder normalisiert. Die Tankstelle nahm bereits am Montagabend wieder ihren Betrieb auf.

„Der Schrecken ist überstanden“, sagt Jens Bachmann. Nur Autogas gebe es vorerst natürlich keines. „Ansonsten läuft aber alles.“

Am Dienstag war der Einsatz in der Tankstelle das Tagesgespräch und nicht nur dort. Kein Wunder: Der fast sechs Stunden lange Ausnahmezustand ging an Wusterhausen nicht spurlos vorbei – wurde der gesamte Verkehr der gesperrten Bundesstraße 5 für diesen Zeitraum doch quer durch die Dossestadt umgeleitet.

Einsatzleiter zählte insgesamt rund 80 Feuerwehrleute

„Das hatten wir in dem Ausmaß lange nicht“, resümiert Gemeindebrandmeister Ralf Hohmann, ohne sich auf Anhieb an ein vergleichbares Drama erinnern zu können.

Hohmann leitete den Einsatz, an dem rund 80 Feuerwehrleute aus dem halben Landkreis Ostprignitz-Ruppin beteiligt waren. Darunter befanden sich auch zwei „vorformierte“ Gefahrgutzüge.

Hinzu kamen mehrere Polizeibeamte und die Rettungssanitäter. Auch der Katastrophenschutz des Landkreises war nach Wusterhausen geeilt.

Wohnbebauung in der Nähe hätte Lage problematischer gemacht

„Wäre die Lage doch noch brenzliger geworden, so dass wir als Gemeinde damit überfordert gewesen wären, hätte eine nächste Entscheidung getroffen werden müssen“, sagt Hohmann. Dann hätte der Landrat eine Katastrophe ausgerufen und damit der Landkreis das Kommando übernommen und den Einsatz geführt.

Die an der Tankstelle in Wusterhausen vorbeiführende Bundesstraße 5 war vom Bahnhof bis zum nördlichen Stadtausgang gesperrt. Quelle: Alexander Beckmann

Doch die Situation blieb überschaubar. „Wenn richtig viel Wohnbebauung betroffen gewesen wäre, hätte das schon ganz anders ausgesehen.“ So aber mussten nicht besonders viele Menschen aus dem Sperrkreis gebracht werden.

„Da standen auf einmal Feuerwehrleute in der Tür und sagten, wir müssen raus. Wir hätten nicht mal was zusammenpacken können“, berichtet eine Beschäftigte des benachbarten Autohauses samt Werkstatt. Die nachfolgende Zeit habe man sich bei einem Bäcker vertrieben.

Zufahrtsstraße zum Gewerbegebiet abgeriegelt

Jene Leute, die sich im Gewerbegebiet gegenüber der Tankstelle befanden, durften dieses allerdings nicht mehr verlassen. Schließlich war die Zufahrtsstraße dorthin ebenso abgeriegelt.

Aus dem Tank entwichen 1500 Liter Flüssiggas

Tankstellenbeschäftigte hatten das ausströmende Gas gegen Mittag bemerkt. Bis zur Wiederfreigabe der Bundesstraße 5 um kurz vor 18 Uhr vergingen damit also nahezu sechs Stunden.

Diese Zeit verstrich auch, weil erst Fachleute anrückten mussten, um den Gastank zu überprüfen. Sie entdeckten dann ein fehlerhaftes Ventil an der unterirdischen Anlage. Die Rede war von einem „defekten Magnetventil“.

Laut Polizei entwichen deshalb aus dem fünf Kubikmeter fassenden Tank etwa 1 500 Liter Flüssiggas.

Das Wetter während des Gas-Alarms war günstig

Feuerwehrleute bemühten sich derweil, sämtliche Einläufe in die Kanalisation der Umgebung abzudichten. Das schwere Gas sollte daran gehindert werden, dort einzuströmen. Zudem wurden explosionssichere Lüfter besorgt und eingesetzt.

Feuerwehrleute unter Atemschutz dichteten Kanalisationseinläufe ab. Quelle: Alexander Beckmann

„Das Wetter und der Wind waren dabei auch hilfreich“, erklärt Ralf Hohmann: „Sonne und drückende Luft wären schlimmer gewesen.“ Und auch, dass der Einsatz bei Tage und nicht in der Nacht erfolgen musste, sei den Feuerwehren zugute gekommen.

Bürgermeister dankt allen Einsatzkräften

Dennoch: „Das war wirklich kein schöner Wochenauftakt“, sagt Wusterhausens Bürgermeister Philipp Schulz: „Großer Dank an alle Einsatzkräfte, die alles dafür taten, um drohenden Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.“

Von Matthias Anke