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Wusterhausen Drei Jahrzehnte Jugendarbeit: Die Wünsche der Kinder blieben gleich
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08:46 30.10.2019
Renita Schulz und Kinder aus dem Nachwuchsklub beim Spiel mit Tuch und Ball. Quelle: Wolfgang Hörmann
Wusterhausen

Seit dem 1. Januar ist die 63-jährige Renita Schulz Rentnerin. Trotzdem bleibt sie weiter aktiv und kümmert sich nun ehrenamtlich im „Nachwuchsclub“ um Kinder in Wusterhausen.

Sie könnten jetzt verreisen, sich mit einem guten Buch zurücklehnen oder stricken, dass die Nadeln klappern. Stattdessen machen Sie da weiter, wo sie eigentlich schon mal aufgehört haben, Warum?

Renita Schulz: Weil ich gern mit Kindern zusammen bin und immer Spaß an meiner Arbeit hatte. Ich kann nicht einfach nur Däumchen drehen. Und pures Hausfrauendasein ist mir zu langweilig. Ich brauche eine sinnvolle Beschäftigung. Außerdem bekomme ich ja was dafür.

Eine Aufbesserung der Rente?

Wenn sie die Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Woche meinen, dann erübrigt sich die Frage eigentlich. Darum geht es mir aber auch gar nicht. Viel mehr wert ist, was ich von den Steppkes zurückkriege. Es sind Spaß und Dankbarkeit. Das Zusammensein mit der Gruppe hält mich außerdem fit. Ich spüre, dass ich noch gebraucht werde. Der Kontakt zu den Eltern ist intakt. Sie sind froh, dass ihre Kinder im Nachwuchsclub gut aufgehoben sind. Unser Treffpunkt an der Promenade ist der ehemalige Schulgarten. Gegärtnert wird hier aber schon lange nicht mehr.

Sondern?

Das hängt davon ab, was die Kinder möchten. Ich bin Dienstag und Donnerstag nachmittags zwei Stunden für sie da. Wir haben uns für diese Tage gemeinsam einen Plan gemacht. Viel passiert natürlich auch spontan.

Machen Sie das alles eine?

Nein, Renate Woog unterstützt mich. Sie macht das auch schon seit Jahren. Und natürlich im Ehrenamt.

Sie waren mehr als drei Jahrzehnte mit unterschiedlichen Partnern in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Hat sich in dem Bereich was verändert?

Was die Wünsche der Kinder in dieser Altersklasse betrifft, eigentlich nicht. Sie wollen spielen, basteln, etwas erleben, kleine Freiheiten ausleben, die sie zu Hause nicht haben. Nur: Es sind dafür allgemein deutlich weniger Möglichkeiten geworden.

Wie meinen Sie das?

Als ich 2006 zur Berlin-Brandenburgischen Landjugend kam, hatten wir in der Großgemeinde Wusterhausen mit seinen 22 Ortsteilen 15 Jugendklubs. Jetzt sind es noch vier. Natürlich liegt das im Wesentlichen daran, wie sich die Bevölkerung entwickelte. Viele Familien sind weggezogen. Wo keine Kinder mehr da sind, machen sich die Klubs selber überflüssig. Ich meine aber, man sollte ab und zu mal schauen, ob sich die Situation nicht wieder in die andere Richtung verändert. Ich habe damals Spielplätze und Bushaltestellen abgeklappert und das Beisammensein beworben.

Und das hatte Erfolg?

Mal mehr, mal weniger. Aber mit denen, die schließlich immer wieder kamen, haben wir interessante Sachen gemacht, auch Fahrten, Fußballturniere, viel Kreatives. Ich habe immer versucht, mir etwas Neues einfallen zu lassen. Dazu gehört meiner Meinung nach auch Wissensvermittlung von ganz praktischen Dingen.

Das klingt aber sehr nach Unterricht und Schulalltag ...

... ist es aber nicht. Vielmehr sollen sich die Mädchen und Jungen auch mit ihrem sozialen Umfeld befassen. Kürzlich hat uns Bürgermeister Philipp Schulz besucht. Er wollte wissen, wie es uns so geht in unserem Klub, beantwortete aber auch gern Fragen der Kinder. Davon ausgehend haben wir die Gemeinde zu einem Langzeitthema gemacht. Es kann doch nicht schaden, wenn man weiß, welche Ortsteile sie hat, mit einer Verwaltung für das Ganze, dass es gewählte Abgeordnete gibt und was deren Aufgaben sind. Oft begleiten Eltern ihre Kinder zu uns. Die hören dann auch gleich manche Sachen zum ersten Mal.

Und was ist sonst noch so im Angebot?

Wir machen zum Beispiel Lesenächte im Klubgebäude, für die wir uns vorher die passenden Bücher aussuchen. Wir basteln, reden miteinander, sind viel draußen und auch mal in der Stadt unterwegs, zum Beispiel zur Bibliothek. Es gibt Sport- und Spieltage. Gerade erst haben wir gemeinsam unsere Halloween-Party vorbereitet. Dass neben unserem Grundstück der Spielplatz ist, macht sich gut. Den haben wir übrigens bei der jüngsten 48-Stunden-Aktion sauber gemacht, was uns 150 Euro einbrachte. Dafür gab’s ein Radio und eine Grillfete.

Ihre Zeit mit den Lütten ist von 15 bis 17 Uhr. Und danach?

Dann sind die Jugendlichen dran. Sie sind derzeit dabei, im Projekt „Raumpioniere“ Bänke zu zimmern, die an der Feuerstelle auf unserem Gelände aufgestellt werden sollen. Aber das ist nicht meine Wiese. Darum kümmert sich Jugendkoordinator Marcel Schulze.

Was ließe sich denn in Wusterhausen in puncto Jugendarbeit verbessern?

Ich finde, die Großen sollten ihren eigenen Klub haben. Die frühere Wohnung in der Dosse-Halle wird derzeit als Depot genutzt. Ein Umzug der Älteren dorthin wäre meiner Meinung nach perfekt für alle. Für unseren Nachwuchsklub jedenfalls würde ich das begrüßen.

Zur Person

Es ist jetzt 35 Jahre her, dass Renita Schulz beschloss, beruflich das Metier zu wechseln. Die Arbeiterin aus dem Wusterhausener Geflügelschlachtbetrieb war als verheiratete Mutter von damals vier Sprösslingen (Nr. 5 kam später hinzu) im Umgang mit dem Nachwuchs geübt. Daraus machte sie eine Profession. Sie nahm sich alltäglich der Kinder anderer Leute an.

Zuerst tat sie es als Teilerzieherin im Kindergarten Brunn, später im Schülerfreizeitzentrum „Plus“. Das hatte bis 2003 seinen Sitz im Kyritzer Mehrgenerationenhaus. Nach dem „Plussi“ wurde die Kindertagesstätte Wusterhausen der Arbeitsplatz von Renita Schulz. Sie qualifizierte sich zur sozialpädagogischen Jugend- und Familienberaterin, um ab 2006 das Team der Berlin-Brandenburgischen Landjugend zu verstärken.

Seit dem 1. Januarist die 63-Jährige nun Rentnerin – und umgibt sich weiterhin mit Heranwachsenden aus ihrem NWC. Die Großbuchstaben stehen für „Nachwuchsclub“. Er besteht aus den Sechs- bis Zwölfjährigen im Wusterhausener Jugenddomizil.

Von Wolfgang Hörmann

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