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Wusterhausen Ehemalige Schüler treffen sich nach 50 Jahren wieder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Ehemalige Schüler treffen sich nach 50 Jahren wieder
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09:19 15.10.2019
Ein Erinnerungsfoto durfte natürlich nicht fehlen. Quelle: Privat
Dessow

Ein bisschen verwaschen sieht es aus – das Einschulungsbild der Klassen 1a und 1b, auf dem Stoppelhopser beiderlei Geschlechts stolz ihre Schultüten in die Linse halten. Entstanden ist das Foto 1959 auf der Treppe des ehemaligen Gutshauses in Dessow. Erwachsene sucht man auf der Postkarte vergeblich. Es war so schon eng genug.

Dabei hätte sich hier sogar eine Lehrerin mit Zuckertüte einreihen können. Erika Lugauer, gerade mal 19 Jahre alt, stand vor ihrem Sprung ins kalte Wasser. Ende der 50er Jahre waren im Kreis Kyritz Lehrer knapp, auch für die Unterstufe. Deshalb musste die junge Frau vom Institut für Lehrerbildung in Kyritz vorzeitig in die Praxis wechseln. Sie übernahm die 1b und setzte nebenbei ihre Ausbildung bis zum guten Ende fort.

Das sind die beiden 1. Klassen, die 1959 in Dessow eingeschult wurden. Quelle: Wolfgang Hörmann (Repro)

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte sollten bei ihr noch ganze Scharen von Hosenmätzen Lesen und Rechnen lernen. Ähnlich verhielt es sich bei Ehemann Dieter. Er kam 1960 an die „Polytechnische Oberschule Dessow“.

Der 59er Jahrgang blieb weitestgehend aufgeteilt. Von der 8. bis zur „Zehnten“ lernten dann alle in einer Klasse. Das Kollegium um Direktor Rudolf Pichotta musste sich in der Unterstufe als Allrounder beweisen. „Ich unterrichtete Deutsch, Mathematik, Heimatkunde und Turnen“, erinnert sich die 79-Jährige. „Der Sport spielte sich, wenn es irgendwie ging, im Freien ab. Im Winter und bei schlechtem Wetter ging es in den kleinen oder den großen Turnraum, Mädchen und Jungen getrennt.“

An der Kaffeetafel begann am Sonnabend im Wusterhausener „Novel-Hotel" das Klassentreffen. Von rechts. Erika und Dieter Lugauer. Quelle: Privat

„Wir hatten eine schöne Schule, obwohl am ‚Schloss’ hier und da der Putz bröckelte. Ich fühlte mich immer wohl hier. Wir haben viel gelernt.“ Christel Krause aus Trieplatz hat am vergangenen Sonnabend einmal mehr erfahren, dass sie nicht alleine so denkt. Das Klassentreffen anlässlich der Schulentlassung vor 50 Jahren bot ausreichend Gelegenheit, sich zu erinnern.

Nächstes Treffen in drei Jahren

Die meistender ehemaligen Dessower Schüler sind ihrer Heimat treu geblieben. Christel Krause studierte Agrochemie, war in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) im Pflanzenschutz tätig und danach viele Jahre als Abfallwirtschaftsberaterin beim Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Gerlinde Reineke arbeitete 46 Jahre als Krankenschwester.

Ihre frühere Lehrerin Erika Lugauer macht schon seit Jahren ehrenamtlich Mädchen und Jungen Im Vorschulalter Lust auf Bücher. Als Lesepatin unterstützt sie die Bibliothek im Herbst’schen Haus in Wusterhausen.

Das nächste Klassentreffender „59er“ soll in drei Jahren stattfinden.

Wer konnte und wollte war angereist, das einstige Gartower Schulkind Sieglinde Dieck, heute Haßmann, mehr als 300 Kilometer sogar aus dem Vogtland. Christel Krause, geborgene Florczak, hielt im Wusterhausener „Novel-Hotel“ vom Nachmittag bis zum späten Abend die Gesprächsfäden locker in der Hand. Und was gab es da nicht alles zu erzählen – von Klassenfahrten, Theaterbesuchen und Ausflügen in die Natur, von Streichen, Erfolgen und Misserfolgen, von den Jahren, die nach der Schulzeit folgten. Zeugnisse kamen natürlich auch zur Sprache, gern kommentiert von Elke und Jürgen Jagst sowie dem Ehepaar Lugauer.

Schöne Erinnerungen an das Schloss

Gerlinde Reineke, als Schulkind Gerlinde Schoeps in Blankenberg beheimatet, hatte sich um die Einladungen gekümmert und dabei auch die Lehrerehepaare nicht vergessen. Das unrühmliche Ende des Gutshauses, wie üblich gern auch „Schloss“ genannt, kam natürlich ebenfalls zur Sprache. Das erlebte der Jahrgang, der 1959 hier eingeschult worden war, schon als Beobachter aus einiger Entfernung.

Der Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete Bau gehörte einst zu den repräsentativsten Herrenhäusern der Region. Nachdem 1976 die neue Schule in Wusterhausen eingeweiht worden war, zogen auch die Dessower Jahrgänge in die Stadt um. Das „Schloss“ verfiel zusehends und wurde 1989 gesprengt. „Schade“ hörte man beim Jubiläumstreffen ein ums andere Mal. „Wir haben uns hier wohlgefühlt.“

Von Wolfgang Hörmann

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