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Wusterhausen Freiluft-Kunst ist nur noch zwei Wochen zu sehen
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16:56 27.10.2019
Der Tunnel hat sich besonders stark verändert. Bis zum 6. November sind die Kunstwerke der Bildhauereistudenten aus Berlin noch in Ganzer zu sehen. Sie entstanden innerhalb eines Fontane-Projektes. Quelle: Sandra Bels
Ganzer

Von den 13 bunten Fontane-Köpfen sind nicht mehr alle da. Aber die, die noch in der Kirchenruine von Ganzer stehen, findet Katrin Mason Brown immer wieder an anderen Stellen. Sie gehören zu einer Installation der Studentin Jin Choi. Die Koreanerin hat die Köpfe aus Wachs gegossen. Sie sollen an Buddha erinnern und miteinander verschmelzen und somit ein neues Bild ergeben. Die junge Frau hat ihre Installation wie einen Gedenktisch gestaltet, der einem koreanischen Hausaltar ähnelt.

Die Fontaneköpfe sollen an Buddha erinnern. Quelle: Sandra Bels

Eine Reihe von Installationen

Das Kunstwerk gehört zu einer Reihe Installationen, die noch bis zum 6. November in der Kirchenruine von Ganzer und drumherum zu sehen sind. Sie entstanden innerhalb des Fontane-Projektes „Glücklich unterwegs… und frei“ vom Verein Kinder-und Jugendkunstakademie Gutshof Ganzer in Kooperation mit der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Studierende der Fachrichtung Bildhauerei haben sich von Fontane inspirieren lassen und die Installationen – oder Interventionen für den öffentlichen Raum, wie Projektleiterin Katrin Mason Brown vom Verein, die Arbeiten nennt – innerhalb einer Workshop-Woche Mitte Juni in Ganzer gebaut.

Henner Witt schrieb Tagebuch

Dabei wurden sie auch vom passionierten Briefeschreiber Henner Witt aus Berlin begleitet. Er schrieb Tagebuchnotizen in der Workshopwoche. Witt hatte unter anderem beobachtet, dass die Stimmung zu Anfang nicht immer gut war. Das habe in der Natur des Projektes und an der Studentengruppe gelegen, die noch nie an etwas gemeinsam gearbeitet hatte. Alle seien heterogen und Individualisten gewesen.

Lange Liste für den Baumarkt

Witt schrieb: „Am frühen Morgen, wenn die Baufirmen beim Baumarkt ihr Material für den Tag besorgten, stand Professor Hannes Brunner (der Dozent der Studenten) mit Zollstock und einer langen Bedarfsliste in ihrer Reihe. Er schaffte ran, tauschte hin und wieder um und vermittelte mit sicherem Gespür Sicherheit. Für mich als Beobachter war das fühlbar.“

Die Stimmung wandelte sich erst am dritten Tag. Witt hatte beobachtet, dass sich die Gruppe veränderte. „Aus heterogen wurde homogen. Der Umgang wurde lockerer, die Blicke offener, man hatte mehr Zeit füreinander, das Zeitgefühl, die Abende wurden länger. Aus Grüppchen wurden Gruppen“, schrieb er.

Interviews mit Studenten

Witt interviewte einige Studenten. Dazu gehörte Florentina Abendstein. Sie hatte am dritten Tag ihre Arbeit am Kunstwerk „Ganzer Fisch“ abgeschlossen und wartete nun auf unerwartete Einfälle. Der Fisch hatte nach der Ausstellungseröffnung im Dorf für Aufsehen gesorgt. Ursprünglich hatte ihm die Künstlerin seinen Platz auf einem Baumstumpf gegeben. Von dort wollte er die Wiese sehen. Das heißt, Besucher der Freiluft-Ausstellung sollten ihn mal hierhin und mal dahin legen. „Das klappte die ganze Zeit auch wunderbar“, erzählt Katrin Mason Brown, die die Ausstellung betreut und täglich nach dem Rechten schaut.

Fisch ohne Flosse

Nur einmal sei der Fisch einige Tage komplett verschwunden gewesen. Nach drei Tagen tauchte er plötzlich wieder auf, aber ihm fehlte eine Flosse. Florentina Abendstein hatte den Glasfisch selbst geblasen. Darüber hinaus schrieb sie 75 Briefe mit der Hand und steckte sie den Bewohnern Ganzers in die Briefkästen. Es war immer derselbe Text. Er erklärte, was es mit dem Fisch auf sich hat.

14 Kunstwerke sind entstanden. Sie werden immer wieder gern angeschaut. Katrin Mason Brown kennt nicht jeden Betrachter, aber sie sieht das Interesse an den fehlenden Flyern, die die Ausstellung erklären und regengeschützt zum Mitnehmen auf der Wiese stehen. „Ich muss immer wieder neue nachlegen“, sagt sie.

Bis zum 6. November sind die Kunstwerke, wie die Installation mit dem Traumfänger und der große Stuhl im Hintergrund, der Bildhauereistudenten aus Berlin noch in Ganzer zu sehen. Quelle: Sandra Bels

Tunnel ist nicht mehr zu erkennen

Auch sonst kümmert sie sich um die Kunstwerke, die mittlerweile eine Metamorphose durchgemacht haben. Besonders stark zu sehen ist sie am Tunnel. Der ist als solcher mittlerweile nicht mehr zu erkennen. Ursprünglich reichte er von der einen Seite der Kirchenruine zur anderen. Wind und Wetter haben mitgeholfen, dass die Metamorphose gelang. „Die Künstlerin Marié Nobematsu-Le Gassic wollte einen vom einen Ende zum anderen gewachsenen Körper darstellen.

„Aber auch die Studenten waren oft hier und haben sich um ihre Werke gekümmert“, sagt Katrin Mason Brown. Sie freut sich darüber, dass die Ausstellung von den Besuchern in den vergangenen Wochen so gut angenommen wurde und hofft, dass noch ein paar mehr kommen bis zum 6. November.

Die Studenten wollen ihre Werke dann selbst abbauen. „Jeder kann selbst entscheiden, was anschließend damit passiert“, so Katrin Mason Brown.

Katrin Mason Brown kümmert sich um die Objekte. Von den Werkzeugkoffern mit Briefen an Effi Briest sind nicht mehr alle da. Quelle: Sandra Bels

Von Sandra Bels

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