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Wusterhausen Freilaufende Hausschweine in Tornow sorgen für Wirbel
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Freilaufende Hausschweine in Tornow sorgen für Wirbel
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15:29 15.08.2019
Dürfen Hausschweine einfach so durch die Landschaft spazieren? In Tornow (Wusterhausen/Dosse) machen sie das wohl schon seit längerem. Die Halter weisen die Vorwürfe zurück. Quelle: privat
Tornow

Wildschweine am Straßenrand haben viele schon gesehen. Aber Hausschweine? Die gibt es in dem zur Gemeinde Wusterhausen gehörenden Dorf Tornow zu erleben. Dort sorgen sie aktuell für jede Menge Wirbel – aus vielerlei Gründen.

Das Ordnungsamt prüft jetzt den Fall

Dass Kraftfahrer zwischen Tornow und Bantikow wachsam unterwegs sein sollten, zeigen offenbar erst kürzlich entstandene Fotos. Sie sind auch dem Wusterhausener Ordnungsamt bekannt. Leiterin Martina Vogel sagt: „Wir prüfen das.“ Mehr sagt sie mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht.

„Die Gefahr der sich aktuell ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest stellt nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem dar. Diese Tiere behindern im Übrigen jeden Tag aufs Neue den Verkehr“, hatte der Augenzeuge zu seinen Bildern angemerkt.

Die Schweine stammen vom Gut Tornow

Wer die Privatleute sind, ist allerdings spätestens seit der jüngsten Gemeindevertretertagung in Wusterhausen nicht mehr länger nur in Tornow bekannt, sondern auch darüber hinaus: Burkhard Theiselman und dessen Frau Birgit Theiselmann von Dallwitz. Sie führen das Gut Tornow seit Jahren als Ferienanlage.

Diverse Tiere erfreuen die Gutsgäste. Doch die Pläne für ein neues Feriendorf im Zusammenhang mit dem Gut sorgen für Widerstand. Den erläuterte Ortsvorsteher Uwe Tackmann in der Sitzung. Unmut aller Art seitens der Dorfbevölkerung kam zur Sprache, auch über freilaufende Tiere.

Betroffener sieht sich „an den Pranger gestellt“

Dürfen Hausschweine einfach so durch die Landschaft spazieren? In Tornow (Gemeinde Wusterhausen/Dosse) machen sie das wohl schon seit längerem. Quelle: privat

Im Nachgang zur Sitzung und mit Blick auf die Fotos freilaufender Hausschweine erklärt Theiselmann der MAZ auf Nachfrage: „Das ist alles übertrieben. Es ist keinem ein Schaden entstanden. Ich aber bin öffentlich an den Pranger gestellt worden.“

Kein Schwein wird vermisst

Das Gut Tornow und mancher Feriengast seien schon oft für etliche Dinge zu Unrecht verantwortlich gemacht worden. „Immer sind wir es. Die Katzen vermehren sich unkontrolliert? Dabei können wir unsere an einer Hand abzählen. Es gibt wegen uns im Dorf freilaufende Hunde? Wir haben gar keinen Hund.“

Und die Hausschweine am Straßenrand? „Ja, das darf nicht passieren“, sagt Birgit Theiselmann von Dallwitz. Es handele sich um Ferkel. Die seien „nur mal ausgebüxt“. Das passiere nicht regelmäßig. „Und wenn, kommen sie immer wieder zurück. Wir vermissen kein einziges Schwein.“

Ställe müssen ausbruchsicher sein

In Neuruppin indes ist der Fall schon länger bekannt. Das bestätigt Eileen Rosendräger, stellvertretende Ostprignitz Ruppiner Amtstierärztin und im Landwirtschaftsamt zuständig für Tiergesundheit, Tierschutz und Jagd.

Wegen des „offenen Verwaltungsverfahrens“ könne sie nicht mehr sagen. Nur so viel: „Das Tierschutzgesetz und die Schweinehaltungs-Hygieneverordnung gelten auch für kleinere Halter.“ Demnach müssen Stallungen ausbruchssicher sein.

Paarung mit Wildschweinen möglich

Das gelte im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest umso mehr, wenngleich die Krankheit hierzulande noch nicht angekommen ist. Und zudem bestehe die Möglichkeit der Paarung von Haus- und Wildschwein. Die Einkreuzung sei „in beide Richtungen“ möglich.

Vor Jahrhunderten eingekreuzte Hausschweine sind unter Jägern als sogenannte „weiß-bunte“ Stücke bekannt, erklärt auch Tobias Wagner, der Kreisjagdverbandsvorsitzende. Er macht zugleich klar: „Wildschwein soll aber Wildschwein bleiben und ein Hausschwein eben ein Hausschwein.“

Sollten sich die Tornower Hausschweine zudem tatsächlich in den angrenzenden Maisflächen satt fressen, entstehe laut Wagner ein Schaden, der nicht mehr dem örtlichen Jäger zugeschrieben werden könne.

Ein offenes Gelände

Ein Problem in Tornow ist das offene Gutsgelände samt Park. Und dass man es dort mit der Stallung wohl doch nicht ganz so genau nimmt, steht selbst auf der eigenen Internetseite: „Sie (die Schweine) wieseln über das Gutsgelände, schnüffeln hier und da herum. Und wenn einer Buh ruft, ergreifen sie blitzschnell die Flucht.“

Auch in einem im Internet veröffentlichten Reisebericht von Berliner Schülern vom September 2014 heißt es: Sie verbrachten ihre Tage mit „völlig neuen Beschäftigungen wie dem Ausmisten von Stallungen, Einfangen von ausgerissenen Schweinen“.

Betreiber kündigen Verbesserungen an

„Unser Betrieb ist mit der Zeit immer größer geworden, wir werden uns Hilfe suchen müssen, um künftig alles besser unter Kontrolle zu bekommen“, sagt Birgit Theiselmann von Dallwitz. Die Schweinehaltung werde sogar nach und nach abgebaut, der Pferdebetrieb ausgegliedert. „Wir hatten und haben hier keine Intensivhaltung und keinen Mastbetrieb“, betont Burkhard Theiselmann.

Zu einem konfliktlösenden Gespräch könnte es diesen Freitagabend ab 19 Uhr kommen. Im Festzelt steht dann die traditionelle Dorfversammlung an wie vor jedem Dorffest.

„In der Hoffnung, dass wir überhaupt noch gehört werden“, sagt Theiselmann einschränkend. Die Umfrage im Ort über das Feriendorfprojekt sei ihm schließlich wie eine „überfallartige Kampagne“ vorgekommen.

Von Matthias Anke

Der Wusterhausener Bau- und Ordnungsausschuss verweigerte dem Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Feriendorf Landleben Gut Tornow“ mehrheitlich seine Zustimmung. Ob das Ferienprojekt, zu dem 35 Kleinhäuser zählen, umgesetzt werden kann, bleibt damit aber weiter offen.

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