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Wusterhausen Die Trinität von Trieplatz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Die Trinität von Trieplatz
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10:31 10.08.2019
Tradierte Trinität: Ehemaliges Gutshaus in Trieplatz. Quelle: Robert Rauh
Trieplatz

„Ich bin die Mark durchzogen und habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt habe“, schreibt Fontane im Vorwort seiner „Wanderungen“. Die kleinen Dörfer am Dosse-Ufer kann er nicht gemeint haben. „Die ganze Gegend“ sei „witwenhaft traurig und mit keinem andern Reize ausgestattet als dem einen, den ihr ebendies Witwenkleid leiht.“ Diese Beschreibung findet sich im Kapitel über Trieplatz, sieben Kilometer nördlich von Wusterhausen gelegen.

In Fontanes Notizbuch wird der poetische Schleier gelüftet und Klartext geschrieben: „Die Gegend höchst trübselig.“ Die Häuser seien „ärmlich und aus den Linden- und Kastanienreihen, die sich – zum Segen für unsre Dörfer – auch hier meist durch die Dorfstraße hinziehn, geben dem ganzen einen leidlichen malerischen Reiz.“ Für einen Ausflug nach Trieplatz muss der Interessierte also ganz besonders viel „Liebe zu Land und Leuten mitbringen“. Auch 150 Jahre später.

„Witwenhafte Traurigkeit“? – Weg zum Trieplatzer Friedhof. Quelle: Robert Rauh

Die Straße von Brunn nach Trieplatz ist offenbar eine autofreie Zone. Dafür ist die Natur in Bewegung. Über dem Asphalt flimmert an diesem heißen Augusttag die Luft, auf den abgeernteten Feldern tanzen die Staubwolken. Hier und da ein paar dichte Baumreihen. „So hinter Wipfeln vergraben liegt auch Trieplatz“, schreibt Fontane in den „Wanderungen“, der dem Dorf – aus Wusterhausen über Brunn kommend – am 17. September 1873 einen Besuch abstattete. Die Örtlichkeit wird nur im Notizbuch beschrieben: der „alte Hof“, dessen Grundriss noch heute zu erkennen ist, und das „neue [Guts-]Haus“, das noch existiert.

In den „Wanderungen“ spielt der Ort dagegen keine Rolle. Trieplatz interessierte Fontane nur als Rohrsche Lokalität. Denn hier war seine langjährige Vertraute Mathilde von Rohr aufgewachsen. Das Kapitel sollte ihrer Familie gewidmet sein und erhielt später sogar einen entsprechenden Untertitel: „Ein Kapitel von den Rohrs.“

„Althaus“ und zwei „Anbauten“: Gutshaus derer von Rohr in Trieplatz, Fontane-Skizze von 1873. Quelle: Digitale Notizbuch-Edition

Die Hauptrolle spielt Georg Moritz von Rohr, „eine halb-komische Figur“, schrieb Fontane an Mathilde – dessen Enkelin. Dieser Rohr war ein Original nach Fontanes Geschmack. Und so schmückt der Dichter die beliebte Anekdote genüsslich aus: Immer wenn Georgs Ehefrau verstorben war (das passierte drei Mal), veranstaltete er eine „Brautwerbung“. Zu diesem Ritual gehörte auch der Besuch im benachbarten Tornow, wo „drei nicht mehr junge Cousinen“ lebten.

In Trieplatz galten sie „bloß als eine dreigegliederte Einheit“. Ihr Unterschied lief auf „einen einzigen Buchstaben hinaus: Jettchen, Nettchen und Bettchen.“ Drei Mal hielt Georg nacheinander um die Hand der Cousinen an. Drei Mal gaben sie ihm einen Korb.

Die Autoren: Gabriele Radecke & Robert Rauh

Gabriele Radecke, geboren 1967, studierte Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaft und promovierte zu Fontane. Sie ist Trägerin des Preises des Stiftungsrates der Universität Göttingen. Seit 2010 leitet sie die von ihr gegründete Fontane-Arbeitsstelle der dortigen Universität. Seit 2010 ist sie Mitherausgeberin der „Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe“ und hat gerade sämtliche Notizbücher Fontanes digital ediert. Die digitalen Notizbücher kann man hier einsehen.

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Fontanes Fünf Schlösser“, 2018 „Fontanes Frauen“, in denen er die Werke Fontanes unter die heutige Lupe nimmt. Gerade ist sein neues Buch „Fontanes Ruppiner Land“ erschienen. Weitere Rechercheergebnisse und Ausflugstipps gibt es hier.

Kurioserweise manifestiert sich diese Dreiteilung auch im Trieplatzer Gutshaus. Fontane hat es in seinem Notizbuch skizziert und vermerkt: An das ursprünglich kleine Haus habe „Hr. v. R[ohr] zwei Häuschen“ angebaut, „aber so, daß die Giebel in die Front kamen“. Das „Alt-Haus und die beiden Anbauten“ sind noch klar zu erkennen. Das ehemalige Gutshaus wird von drei Parteien bewohnt. Zwar stimmt die heutige besitzrechtliche Dreiteilung mit Fontanes historischer Baubeschreibung nicht überein, aber die tradierte Trinität ist erstaunlich.

Lesen Sie dazu auch:

Fontanes Wanderungen müssen neu bewertet werden

Lesen Sie dazu aus unserer Reihe „Wandern nach Fontanes Notizen“:

Meseberg in Fontanes Notizbüchern

Gentzrode – ein ungewöhnliches Gut

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Garz – Ein Unikat

Gransee – Fontanes Zwangsaufenthalt

Köpernitz – Fontanes märkische Prinzessin Goldhaar

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Neustadt – Die „langweilige“ Kirche

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Ebenfalls finden Sie hier auch unsere Reihe „Fontanes vergessene Orte“:

Wulkow – ersatzlos gestrichen

Wildberg – das Dorf mit dem höchsten Kirchturm

Wie Bechlin in den Bann geriet

Buskow Trauma des Husarengenerals Zieten

Kampehl – Ritter Kahlbutz spukte auch bei Fontane

Wuthenow – Fontanes Dichtung und Wahrheit

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Binenwalde – Der Dichter und die schöne Sabine

Von Gabriele Radecke und Robert Rauh

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