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Wusterhausen St. Peter und Paul in Wusterhausen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen St. Peter und Paul in Wusterhausen
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07:58 04.08.2019
Mächtige Kirchenhalle, gedrungener Turm: St. Peter und Paul in Wusterhausen. Quelle: Robert Rauh
Wusterhausen

Eine Stunde Zeit hat Katharina Zimmermann. Die agile Leiterin des Wegemuseums stürmt voran, um uns das zu zeigen, was Fontane in Wusterhausen gesehen hat. Mehr Zeit nahm sich der Wanderer auch nicht: „In einer Stunde hoff ich mit den Sehenswürdigkeiten fertig zu sein“, schrieb er an seine Frau. Dank seines Briefes an Emilie ist Fontanes Besuch in Wusterhausen detailliert belegt.

Der Wanderer fuhr am 16. September 1873 mit dem Pferdeomnibus nach Wusterhausen, wo er abends im Hotel „Zum schwarzen Adler“ für eine Nacht abstieg und am nächsten Morgen einen Stadtspaziergang unternahm. Das Hotel existiert nicht mehr. Und von den „Sehenswürdigkeiten“ ist nur noch die Stadtkirche St. Peter und Paul erhalten.

St. Peter und Paul „überrascht“

Unspektakulär erhebt sich der 1479 geweihte Backsteinbau hinter den niedrigen Dächern der restaurierten Bürgerhäuser „Am Markt“, wo sich auch das Wegemuseum befindet. Die frisch gedeckten Biberschwanzdächer des gedrungenen Kirchturms und der wuchtigen Kirchenhalle sind die markante Silhouette von Wusterhausen.

Das Hotel „Zum Schwarzen Adler“ (links neben der „Conditorei Büttner“), in dem Fontane am 16./17. September 1873 übernachtet hat, existiert nicht mehr, Postkarte um 1900. Quelle: Regionalverlag Ruppin

Das Dach des Kirchenschiffs reicht fast an die Spitze des kleinen Turmes mit flachem Pyramidenhelm heran. Der alte, 70 Meter hohe Turm war 1764 aufgrund eines Blitzschlags eingestürzt. Für einen originalen Wiederaufbau reichte das Geld nicht und ein Bittbrief an den König wurde abschlägig beantwortet, sodass die Bürger die Billigvariante wählen mussten.

Dennoch hält die Kirche dem kritischen Blick Fontanes stand: „Wie die Kirche gegenwärtig sich präsentiert, überrascht sie – nach Art aller ähnlichen Bauten, die wir in kleinen märkischen Städten finden – durch ihre vergleichsweise Bedeutung.“ Im Gegensatz zu den Berliner Gemeinden, die es nur mühevoll zu einer Kapelle bringen, schufen damals allerkleinste Städte Kirchen wie diese, Kirchen, die uns auch heute noch, aller Verstümmelungen und Beraubungen unerachtet, durch ein gewisses Maß von Schönheit und Reichtum imponieren“.

Im Notizbuch dokumentiert

Im Gegensatz zur Kreuzkirche in Neustadt/Dosse, in die Fontane seine Schwester Elise schickte, hat der Wanderer die Stadtkirche in Wusterhausen tatsächlich betreten – auch wenn er im Innern „nur Reste früheren Glanzes“ vorfand. Was Fontane für erwähnenswert hielt, dokumentierte er in seinem Notizbuch: „zwei vergoldete Kelche“, „Figuren“, „Stadtwappen“ und „8 Chorstühle“. Die „Taufkappelle“ stufte er dagegen für „unbedeutend“ ein; in den „Wanderungen“ wird sie daher nicht beschrieben.

Wir gelangen ins Innere, weil Katharina Zimmermann heute die Schlüsselgewalt über St. Peter und Paul hat. Fontanes Urteil ist nur schwer nachzuvollziehen. Hier und da bedürfte es zwar eines neuen Anstrichs, aber die Kirchenausstattung beeindruckt. Und der Bilderzyklus zur Heilsgeschichte des Neuen Testaments an der Nordempore lädt zu einer biblischen Entdeckungsreise ein.

„Rühren nicht von derselben Hand her“: Beeindruckender Bilderzyklus zur Heilsgeschichte in der Stadtkirche St. Peter und Paul. Quelle: Robert Rauh
„Links Anno Domini“ – Aus Fontanes Vermerk über die Ausstattung der Wusterhausener Stadtkirche im Notizbuch von 1873. Quelle: Digitale Notizbuchedition

Dass die 21 Tafelbilder – von der Verkündigung bis zum Jüngsten Gericht – „nicht von derselben Hand“ herrühren, wie Fontane in den „Wanderungen“ bemerkt, führt in modernen Kunstführern zu unterschiedlichen Bewertungen. Es möge hier die des Wanderers genügen: Einige Bilder seien „außerordentlich gut konserviert, frisch im Kolorit und nicht ganz ohne Wert.“

Man möchte hier verweilen, aber die Museumschefin drängt zur Eile. An der Kirchentür hängt ein Zettel – mit der freundlichen Frage: „Wünschen Sie eine Kirchenführung?“ Ein Anruf genügt.

Wandern wie Fontane: Seine Tour vom 17.9.1873

Zu einer exklusiven Wanderung laden Gabriele Radecke und Robert Rauh am 17. September 2019 ein: für eine Tour, die Fontane am selben Tag vor 146 Jahren unternommen hat: Von Wusterhausen über Brunn nach Tramnitz.Die Leiterin des Wegemuseums Katharina Zimmermann führt in Wusterhausen, die Fontane-Forscherin Gabriele Radecke in Brunn und der Verleger Günter Rieger in Tramnitz. An allen drei Stationen wird der Schauspieler Alexander Bandilla aus den „Wanderungen“ rezitieren.

Die „Wanderung“ startet um 10.30 Uhr vor dem Wegemuseum in Wusterhausen; Mittagstisch gibt es im Gasthaus „Mühlenhof“. Anschließend geht es nach Brunn und Tramnitz.

Kosten entstehen nur für das Mittagessen. Um Spenden wird gebeten. Anmeldungen bitte unter: gabriele.radecke@gmx.de.

Lesen Sie dazu auch:

Fontanes Wanderungen müssen neu bewertet werden

Lesen Sie dazu aus unserer Reihe „Wandern nach Fontanes Notizen“:

Meseberg in Fontanes Notizbüchern

Gentzrode – ein ungewöhnliches Gut

Brunn – Die fehlende Stufe

Garz – Ein Unikat

Gransee – Fontanes Zwangsaufenthalt

Köpernitz – Fontanes märkische Prinzessin Goldhaar

Ganzer – Die „Zweiteilung“ eines Ortes

Molchow – Der groteske Glockenturm

Neustadt – Die „langweilige“ Kirche

Ebenfalls finden Sie hier auch unsere Reihe „Fontanes vergessene Orte“:

Wulkow – ersatzlos gestrichen

Wildberg – das Dorf mit dem höchsten Kirchturm

Wie Bechlin in den Bann geriet

Buskow Trauma des Husarengenerals Zieten

Kampehl – Ritter Kahlbutz spukte auch bei Fontane

Wuthenow – Fontanes Dichtung und Wahrheit

Barsikow – Der Streit um das Luch

Binenwalde – Der Dichter und die schöne Sabine

Die Autoren: Gabriele Radecke & Robert Rauh

Gabriele Radecke, geboren 1967, studierte Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaft und promovierte zu Fontane. Sie ist Trägerin des Preises des Stiftungsrates der Universität Göttingen. Seit 2010 leitet sie die von ihr gegründete Fontane-Arbeitsstelle der dortigen Universität. Seit 2010 ist sie Mitherausgeberin der „Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe“ und hat gerade sämtliche Notizbücher Fontanes digital ediert. Die digitalen Notizbücher kann man hier einsehen.

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Fontanes Fünf Schlösser“, 2018 „Fontanes Frauen“, in denen er die Werke Fontanes unter die heutige Lupe nimmt. Gerade ist sein neues Buch „Fontanes Ruppiner Land“ erschienen. Weitere Rechercheergebnisse und Ausflugstipps gibt es hier.

Von Gabriele Radecke und Robert Rauh

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