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Wusterhausen Warum Bundespräsident Steinmeier zwei Wusterhausener Babys Autogrammkarten schickt
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15:52 23.10.2019
Bei der Urkundenübergabe im Familienzentrum: die Mütter Sandra Gehrke (3.v.l.) und Sabrina Kranich (2.v.r.) mit ihren Kindern. Quelle: Matthias Anke
Wusterhausen

Die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen im Märchen von Schneewittchen werden Jean Luca Kranich und Yven Loki Cayden Gehrke in wenigen Jahren ganz bestimmt kennenlernen. Später werden sie auch von den sieben Weltwundern erfahren. Wissen, was es mit den sieben Tagen einer Woche und der Erschaffung der Welt binnen sieben Tagen auf sich hat. Jetzt steht für die beiden im Mai dieses Jahres geborenen Babys aus der Gemeinde Wusterhausen aber erstmal jeweils ihre Mama ganz oben auf der Prioritätenliste. Und die Welt drumherum will erforscht werden.

Ihren ersten großen öffentlichen Auftritt haben sie schon gemeistert. Denn sie sind in ihren Familien das jeweils siebte Kind, für das der Bundespräsident traditionell die Patenschaft übernimmt.

Urkunden, Autogrammkarten und Geldgeschenke

Die Mütter Sabrina Kranich und Sandra Gehrke erhielten dazu jetzt im Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Wusterhausen die entsprechenden Urkunden plus Steinmeier-Autogrammkarte und einen Umschlag mit einem Geldgeschenk. Im Auftrag Frank-Walter Steinmeiers überreichten das Bürgermeister Philipp Schulz und Petra Buschke als Vize-Vorsitzende der Gemeindevertretung.

Schulz: „Ich habe aktuell nur eine Tochter, doch schon bei uns ist es ja eine Herausforderung, beruflich und familiär alles zu vereinbaren.“ Folglich wollte er wissen, wie es sich lebt in derart großen Familien, wie sie ihren Alltag gerade auf dem Land meistern – und erhielt mitunter bedrückende Antworten.

Als kinderreiche Mütter schnell abgestempelt

Bürgermeister Philipp Schulz (l.) überreichte im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Urkunde, Autogrammkarte und Geldgeschenk. Quelle: Matthias Anke

Wegen des früheren Partners kam sie einst dorthin. „Da habe ich meine Ruhe. In einem Neubau müsste ich ja dauernd umziehen.“ Da lachten sie im Familienzentrum. „Viele Menschen, das ist nicht so meins“, sagte die Mutter eines Mädchens und von jetzt sechs Jungs.

Einkaufen lieber ohne die Knirpse

Mit ihnen einkaufen zu gehen, vor allem mit den jüngeren Kindern, vermeide sie wie auch Sabrina Kranich, bei der das erste, vierte und nun siebente Kind Jungs sind. „Ich selbst war übrigens Einzelkind“, sagte Sabrina Kranich.

Seit 2014 ist sie verheiratet. Und doch: „Es ist alles nicht einfach“, sagte ihr 38 Jahre alter Mann Samuel, mit dem sie vier der Kinder gemeinsam hat. „Ich bin Schichtarbeiter und bei der Feuerwehr, aber man versucht ja doch alles unter einen Hut zu bekommen. “

Wie wichtig die Hilfe anderer ist

Den Frauen sei es dennoch unmöglich, Berufen nachzugehen. „Du stehst mit den Kindern auf, machst alles, was möglich ist im Haushalt, und gehst mit ihnen wieder ins Bett“, erklärte Sandra Gehrke. Gold wert sei daher jede Hilfe.

Bei Kranichs seien es vor allem die Großeltern. Und so gingen sie auch während des „Bürgermeistertermins für die Bundespräsidenten-Ehrenpatenschaft“ mit den anderen Kindern auf einen Spielplatz.

Gängeleien durch Behörden

Die Autogrammkarte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Quelle: Matthias Anke

Samuel Kranich berichtete von ähnlichen Gängeleien durch Behörden wohl aus einer grundlegenden Skepsis heraus, „nur weil wir so viele Kinder haben“. Er sagte: „Als wir umgezogen waren, stand keine vier Wochen später das Jugendamt in der Tür.“ Dabei gebe es anderswo wirkliche Problemfälle. Sie seien nicht automatisch immer mit einer hohen Kinderanzahl verbunden.

„Und es ist doch unser Ding, was wir machen. Jeder lebt sein Leben“, sagte Sandra Gehrke, für die sich schlichtweg zu viele Menschen ins Leben anderer einmischen.

Auch Bettina Archut vom Familienzentrum staunte. Von zwei Familien mit je fünf Kindern weiß sie, die ähnliches berichten, etwa beim Familienfrühstück, das die Awo regelmäßig anbietet.

Ehrenpatenschaften müssen beantragt werden

In Wusterhausen kam es laut Bürgermeister Schulz bereits 2001 und 2006 zu solchen Ehrenpatenschaften. Was kein Beleg dafür sei, dass es in der Zeit nicht noch mehr Familien mit sieben Kindern gab. Denn die Ehrenpatenschaft ist kein Automatismus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernimmt die Ehrenpatenschaft - wenn sie beantragt wird. Quelle: Matthias Anke

Die Eltern müssen sie beantragen: Kranichs erfuhren von Samuels Eltern aus Königs Wusterhausen davon und informierten sich via Internet weiter. Sandra Gehrke bekam den Tipp aus der Gemeindeverwaltung.

Symbolischer Akt, um das „Sozialprestige“ zu stärken

Die Ehrenpatenschaft hat in erster Linie symbolischen Charakter. „Der Bundespräsident bringt mit der Ehrenpatenschaft die besondere Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck. Sie stellt die besondere Bedeutung heraus, die Familien und Kinder für unser Gemeinwesen haben“, heißt es seitens des Bundespräsidialamtes: „Die Ehrenpatenschaft soll mit dazu beitragen, das Sozialprestige kinderreicher Familien zu stärken.“

Sandra Gehrke und Sabrina Kranich begrüßen das sehr – und nicht nur sie: Seit 1949 wurden mehr als 80 000 Ehrenpatenschaften übernommen.

Von Matthias Anke

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