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Wusterhausen Campingplatzbewohner fürchten um ihr Zuhause
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Campingplatzbewohner fürchten um ihr Zuhause
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16:38 09.09.2019
Sie wollen nicht klein bei geben: Monika Katzmann und Hans-Kurt Richter gehören zu den betroffenen Bewohnern des Wusterhausener Campingplatzes. Quelle: Alexander Beckmann
Wusterhausen

Einer Reihe von Bewohnern des Wusterhausener Campingplatzes raubt das seit Monaten den Schlaf: Ihr Zuhause wird in Frage gestellt. Auch in der Lokalpolitik sorgt das Wohnen auf dem Campingplatz für Diskussionen.

„Ich lebe hier nicht illegal“, betont Monika Katzmann mit Nachdruck. Vor zwei Jahren bezog die 60-jährige Rentnerin mit ihrem Ehemann ein sogenanntes Mobilheim auf dem Campingplatz am Klempowsee.

In gutem Glauben investiert

Die beiden investierten einiges an Geld für die rund 50 Quadratmeter Wohnfläche mitten im Grünen. Das rein theoretisch transportable Häuschen verfügt über Elektro-, Gas-, Wasser-, Telekommunikations- und Abwasseranschlüsse. Auch das bezahlen die Bewohner und genießen dafür das ganze Jahr über vollen Wohnkomfort. „Wir wohnen hier, weil es uns gefällt.“

Doch eben diese Nutzung als Wohnsitz schließt das Baurecht für den Campingplatz aus, erklärt die Fachgebietsleiterin der Wusterhausener Gemeindeverwaltung Martina Vogel. „Das geht dort nicht.“, Das Areal sei als Erholungsgebiet ausgewiesen, was vor allem in Sachen Infrastruktur einige Sonderregelungen ermögliche. Im Gegenzug schließe es aber das dauerhafte Wohnen aus.

Erlaubnis vom Meldeamt?

„Wir haben uns hier offiziell angemeldet“, hält Monika Katzmann dagegen. Sie spricht für knapp 60 Bewohner der Anlage, die sich um ihr Zuhause sorgen, seit der Landkreis jüngst ankündigte, tätig zu werden. Sie verstehen die amtliche Meldebescheinigung der Gemeinde als offizielle Wohnerlaubnis.

„Es ist für uns Verwaltungslaien völlig unverständlich, dass die Meldebehörde uns durch die gern bewilligte Anmeldung auf dem Campingplatz im Glauben lässt, dass alles rechtens sei“, erklärt Campingnachbar Hans-Kurt Richter. Und dann komme die Baubehörde und drohe mit dem Verlust der Bleibe und mit Geldbußen. „Die Gesetze widersprechen sich und wir hier unten sollen das ausbaden“, fasst Monika Katzmann zusammen.

Gemeindeverwaltung widerspricht

Das sieht Martina Vogel anders. Die Gemeinde sei per Bundesmeldegesetz verpflichtet, die Anmeldung eines Hauptwohnsitzes entgegen zu nehmen. Dass dabei andere gesetzliche Vorgaben unter Umständen unberücksichtigt bleiben, sei sicherlich ein Mangel. Aber aus eben diesem Grunde informiere das Einwohnermeldeamt seit mehr als 20 Jahren jeden Neu-Wusterhausener per Merkblatt unter anderem darüber, dass sich der Campingplatz baurechtlich nicht als Hauptwohnsitz eignet. Auch dem Betreiber der Anlage habe man das schon sehr früh mitgeteilt.

Monika Katzmann kann sich an so etwas nicht erinnern. Sie habe erst im Frühjahr vom Campingplatzbetreiber erfahren, dass die Untere Bauaufsicht des Landkreises gegen das Dauerwohnen vorgehen will. „Mir war ja in dem Moment gar nicht klar, was wir hier angeblich falsch machen.“ Sie und ihre Nachbarn in 39 Mobilheimen des Platzes fühlen sich jetzt zwischen den Behörden zerrieben.

Seit Monaten schlaflose Nächte

„Seitdem verbringen wir den Sommer mit dieser Angelegenheit.“ Unter anderem habe sie einen regen Austausch mit den anderen Betroffenen und mit der Kreisverwaltung hinter sich, berichtet Monika Katzmann.

Sie schlägt der Behörde vor, dem Gesetz erst ab einem bestimmten Stichtag Geltung zu verschaffen. „Nach dem Motto: Wer heute hier wohnt, darf das weiter, aber es kommt niemand neues mehr dazu.“ Den Rest würde dann die Zeit erledigen. Immerhin sei die deutliche Mehrheit der Bewohner alt, krank oder beides.

Das brächte den Betroffenen zumindest etwas Rechtssicherheit, auch wenn sie unter Umständen finanzielle Verluste hinnehmen müssten, weil sich ihre Mobilheime kaum noch verkaufen ließen. Die Campingplatzbewohner hoffen für ihren Vorschlag auf Unterstützung aus der Gemeinde.

Zweifel am juristischen Bestand

In der Gemeindeverwaltung bezweifelt Martina Vogel allerdings, dass so eine Stichtagsregelung juristisch sauber wäre und im Zweifel Bestand hätte. Schließlich seien weder das Problem noch die Gesetze neu.

Seit vielen Jahren sei das immer mal wieder zur Sprache gekommen. Zuletzt beschlossen die Gemeindevertreter 2011 sogar, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen zu lassen, um das dauerhafte Wohnen in dem Areal zu ermöglichen. Damit wäre dem Recht genüge getan. Die nötige Vereinbarung mit dem Campingplatzbetreiber kam aber nicht zustande.

Betroffene wollen nicht einfach aufgeben

Auch Martina Vogel sieht darin inzwischen keine praktikable Lösung mehr. „Es sprechen viele Gründe dagegen, das als Wohngebiet auszuweisen.“ Denn so ein Wohngebiet müsste anderen rechtlichen Maßgaben beispielsweise bei der Erschließung durch Zufahrten genügen. Umfangreiche Umbauten wären die Folge.

Die betroffenen Platzbewohner werden sich mit solchen Erwägungen nicht zufriedengeben. Das stellt Monika Katzmann klar. „Weil wir hier alle nicht wegwollen.“

Sie und ihre Nachbarn planen, bei der nächsten Gemeindevertretersitzung auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Und wir werden weiter zum Landrat gehen und, wenn das nicht funktioniert, dann nach Potsdam oder Berlin.“

Von Alexander Beckmann

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