Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wusterhausen Wölfe reißen Kalb bei Schönberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Wölfe reißen Kalb bei Schönberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:47 24.04.2019
Öko-Landwirt Heiko Hübner hat ein vier Tage altes Kalb an den Wolf verloren. Er zeigt auf die Schleifspuren, die der Räuber hinterlassen hat.  Quelle: Sandra Bels
Schönberg

Heiko Hübner ist verunsichert. Er fragt sich, wie und ob er mit der Mutterkuhhaltung weitermachen soll. Gerade erst hat der Öko-Landwirt aus Schönberg, der Geschäftsführer der gleichnamigen Ökohöfe ist, ein Bullenkalb an den Wolf verloren. „Dass das kein natürlicher Abgang war, habe ich gleich gesehen“, sagt Hübner.

Schleifspuren waren zu sehen

Das Charolais-Kalb lag morgens tot auf dem Feld neben der Weide zwischen Tramnitz und Schönberg. Schleifspuren waren zu sehen. „Und mehrere Pfotenabdrücke“, so Hübner. Er hat seine Hand daneben gelegt und ein Foto gemacht. Eine Messung ergab etwa 9,5 Zentimeter Breite im vorderen Bereich.

Der Pfotenabdruck ist fast so groß wie eine Hand.  Quelle: Sandra Bels

Hübner informierte sofort den Wolfsbeauftragten des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Robert Franck. Er kam noch am gleichen Tag nach Schönberg und stellte dort Spuren sicher, machte Fotos und nahm DNA-Proben, wie der Landwirt berichtet.

Spuren deuten auf mehrere Tiere hin

Anhand der Spurenlage sei zu sehen gewesen, dass nicht nur ein Tier dort sein Unwesen getrieben hatte. Franck tippte auf zwei Wölfe. Sie sollen in einem großen Kreis um das Kalb herum gelaufen sein und es so getrieben haben. Hübner denkt, dass die Tiere aus Richtung Blankenberg gekommen sein könnten. „Dort wurden bei der Jagd im Herbst schon Wölfe von Jägern beobachtet, aber scheinbar nicht gemeldet“, so Hübner.

Sein Riss ist der erste, der auf dieser Seite der Autobahn gemeldet wurde. Auf der Wittstocker Seite sind Wolfsvorkommen ja schon länger bekannt und nachgewiesen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Hübner anfang Mai zwei Kälber und zwei Kühe verloren. Schon damals sollte ein Wolf im Spiel gewesen sein.

Landesumweltamt bestätigt den Riss

Dass es sich im aktuellen Fall um einen Wolfsriss handelt, hat auch das Landesumweltamt bestätigt. MAZ fragte nach, ob es sich tatsächlich um einen Wolf oder eventuell auch mehrere Tiere gehandelt hat. Thomas Frey, zuständig für Presseanfragen für das Büro des Präsidenten, sagt dazu eindeutig ja.

„Aufgrund der genutzten Fleischmenge kann es sich auch um mehr als einen Wolf gehandelt haben. Die genaue Anzahl der beteiligten Tiere ist uns nicht bekannt“, so der Referent.

Das vier Tage alte Bullenkalb wurde offensichtlich von mehreren Wölfen angegriffen und getötet. Quelle: Sandra Bels

Vereinzelte Meldungen von Jägern

Vom Spurenbild her könnten es zwei gewesen sein, hat Hübner von Robert Franck erfahren. Der berichtete auch darüber, dass in besagtem Bereich derzeit noch relativ ruhig in Sachen Wolf sei. Es gebe ab und zu Meldungen von Jägern sowie auch vereinzelt Bilder, aber bislang kein Rudel. Als Wolfsbeauftragter des Landkreises lässt Franck aber keinen Zweifel daran: „Die Wölfe sind da.“

Aktuelles Video aus Heiligengrabe

Ganz aktuell hat er einen Videobeweis aus Heiligengrabe bekommen. „Ob die Tiere durchziehen oder bleiben, das weiß keiner“, so der Wolfsbeauftragte. Das sei jedes Jahr wieder eine Puzzlearbeit zu schauen, ob sie bleiben oder nicht. Franck dankt in diesem Zusammenhang allen, die Wolfssichtungen bei ihm bekannt geben. „Ich freue mich über jede einzelne Meldung“, so Franck.

Vom Landesumweltamt war zu erfahren, dass DNA-Spuren grundsätzlich gesichert werden, wenn es die konkreten Bedingungen zulassen. Im vorliegenden Fall werde aber keine Untersuchung veranlasst, da der Verursacher mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden konnte, so Thomas Frey.

Bisher vier Meldungen über die Risshotline

Er teilte auch mit, dass es in diesem Jahr im Landkreis Ostprignitz-Ruppin bisher vier Meldungen über die Risshotline des Landes Brandenburg gegeben hatte. Während der Rissbegutachtung wurden in drei Fällen Wölfe als Verursacher festgestellt, so die Auskunft.

Heiko Hübner überlegt nun, wie es für ihn weiter gehen kann. Die Bereiche einzuzäunen, in denen die Mutterkühe stehen, hält er für teuer und unwirtschaftlich. 250 Mutterkühe plus Zuchtbullen und Nachzucht gibt es bei den Ökohöfen. Sie stehen derzeit in einer Umzäunung mit Strom.

Öko-Landwirt Heiko Hübner hält seine Mutterkühe draußen, schützt sie mit einem Elektrozaun.  Quelle: Sandra Bels

Landwirt will abwarten

Hübner hat gehört, dass ein Extradraht in etwa 20 Zentimeter Höhe vom Boden Wölfe abschrecken soll, weil sie Angst vor Strom haben. Er kennt aber auch die Methoden von Landwirten aus Russland, um Wölfe von den Tieren fern zu halten. „Dort werden Lappen an die Zäune gebunden, um die Räuber abzuschrecken“, so Hübner. Er denkt, dass es am Besten ist abzuwarten, ob sich im Schönberger Bereich ein Rudel etabliert.

Von Sandra Bels

Das Programm für das Wusterhausener Sommerfest am ersten Juni-Wochenende steht: Zu den Höhepunkten zählen ein Drachenbootrennen und ein Brezelumzug.

26.04.2019

Rund 70 Osterspaziergänger beteiligten sich am Sonntag an der achten historischen Wanderung durch Wusterhausen. Natürlich spielte dabei auch der bald 200 Jahre alte Theodor Fontane eine Rolle.

24.04.2019

Ein ganzer Berg Müll kam bei einer Sammelaktion im Wusterhausener Gemeindegebiet zusammen. Aus dem Rathaus machten 20 Beschäftigte mit. Sie stießen auf viele ziemlich kuriose Dinge.

21.04.2019