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Wusterhausen Ausstellung über „Bronzezeit in Schönermark“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Ausstellung über „Bronzezeit in Schönermark“
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02:19 28.05.2018
Kunstgießermeister Horst Borchardt (l.) und sein Mitarbeiter Bodo Blumenthal bearbeiten den Guss. Quelle: Frauke Borchardt
Wusterhausen

Als Wusterhausen im Sommer 2011 sein neues Museum bekam, da wusste man an der Dosse, wohin die Reise geht. „Der Weg ist das Ziel“. Jenes Motto wackerer Wanderer sollte wörtlich genommen werden. Bald war vom „Wegemuseum“ die Rede, das aber weit mehr auszuweisen hatte als Strecken von A nach B, wenngleich eine wichtige Trasse vor der Haustür keinesfalls ausgelassen werden durfte.

Die Fernstraße 5, die immer Berlin mit Hamburg verband, schlängelte sich über Jahrzehnte wie ein steinerner Fluss durch das Ackerbürgerstädtchen. Vier Jahrzehnte als Transitstrecke zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen politischen Systemen brachten nicht nur Schönwetterfahrten mit sich, sondern auch Turbulenzen. Zeitzeugen haben dazu ganz spezielle Erlebnisse, von denen sie heute noch erzählen. Und die Nachgeborenen können sich im Wegemuseum schlau machen.

Ein besonderes Stück sollte zur Eröffnung des Wegemuseums her

Wobei wir bei Schicksalen von Menschen wären, ihren Freuden und Nöten, den Traditionen von Generationen in Kultur, Handwerk, Bildung, Sport – ausgetretene Lebenswege allesamt: Zwei junge Frauen hatten vor gut einem Jahrzehnt beruflich enge Bande zu Wusterhausen geknüpft. Kerstin Geßner und Annett Dittrich begleiteten damals mit ihrer Archäologiefirma die Umgestaltung des Marktplatzes und brachten so manchen Fund ans Licht. Das Duo machte einen guten Job. Deshalb wurde ihm die Aufgabe übertragen, als Kuratorinnen einen wichtigen Teil des eben fertig restaurierten Hauses Am Markt Nummer 3 einzurichten – besagtes Wegemuseum.

Alles geschah unter Aufsicht des Museumsverbandes Brandenburg. Geschäftsführerin Susanne Köstering soll es gewesen sein, die Geßner und Dittrich auf die Spur setzte, ein Sahnehäubchen auf die Eröffnungstorte zu setzen. „Wir sollten etwas herausragend Typisches finden, einen echten Knüller. Das ist uns gelungen“, erinnert sich Kerstin Geßner.

Es fand sich rund, mattglänzend und sehr solide anzuschauen. Allerdings lag es nicht eben gleich hinterm Rathaus, sondern ein paar Autostunden entfernt vor den Toren Hamburgs – im Museum „Schwedenspeicher“ in Stade. Es beherbergt einen Schatz hinter Glas. „Gehoben“ wurde er 1919, als bei Erdarbeiten Arbeiter nur einen halben Meter unter der Erdoberfläche vier Räder aus Bronze fanden. Eine Sensation! Die Räder stammen aus der Zeit um 870 vor Christi und waren wahrscheinlich Teil eines Kultwagens aus einem Fürstengrab. Jedes Exemplar wiegt 17 Kilogramm. Die Bereifung bestand aus in die Felge eingesetztem Eichenholz. Es ruhte in einer tiefen Nut, befestigt mit Hilfe von Nägeln.

Horst Borcherts damals längst namhafte Kunstgießerei bot sich an

Vermutlich wurden die eng aneinander liegenden Exemplare einst als Opfergaben für die Götter im Moor versenkt. Bis in die späten 1970er Jahre waren in Europa nur 13 Funde solcher Räder aus der jüngeren Bronzezeit bekannt. Das Quartett aus Stade gehört zu den ältesten auf deutschem Boden.

Ein Original als Symbol für Wusterhausens bewegte Geschichte zu ergattern, fiel aus nachvollziehbaren Gründen von vornherein aus. Und eine Nachbildung? Könnte man nicht einen bronzenen „Klon“ herstellen lassen? Das müsste doch möglich sein. Und tatsächlich ging man mit dem Gedanken mit und zeigte sich kooperativ – einmalig und damit ausschließlich für das Wegemuseum. Aus einer Vorlage aus Kunststoff sollte eine Replik aus Bronze entstehen, so der Plan. Für die praktische Seite gab es gute Voraussetzungen. Die Kunstgießerei von Horst Borchardt in Schönermark, Amt Neustadt, hatte sich längst deutschlandweit einen Namen gemacht. Sie nahm den Auftrag an. Bis hier letztlich der fertige Guss an die Nachbarkommune übergeben werden konnte, dauerte es mehr als 90 Arbeitsschritte, die sich über etliche Wochen hinzogen.

Die Rad-Kopie erhielt einen eigenen Ausstellungsraum

Der Guss ging als „Rad von Stade“ durch die Bücher von Produktmanagerin Frauke Borchardt. Seine Herstellung stand unter ständiger Beobachtung. Mal waren Mitarbeiter der Verwaltung wie Kontaktmann Hartmut Janschke in der Charlottenhöhe Nummer 5, dann ließ sich der Kulturverein unter Leitung der damaligen Chefin Christiane Schael den komplexen Werdegang erklären.

Das „Rad von Stade“ bekam schließlich im Wegemuseum einen eigenen Ausstellungsraum. Es kann dort angeschaut, demnächst aber auch als großformatiges Foto besichtigt werden. Die Arbeit gehört zu den Motiven einer Ausstellung, die an die mittlerweile zu Ende gegangene „Bronzezeit in Schönermark“ erinnert.

Vernissage am Sonnabend, 2. Juni, nach der Altstadtfesteröffnung

Vieles von den unzähligen Abläufen in 20 Jahren Kunstguss hat Frauke Borchardt, studierte Diplomkulturwissenschaftlerin mit dem Zweitfach Kunstwissenschaften, fotografisch festgehalten. Eine Auswahl ihrer Bilder ist von 2. Juni bis zum 4. August im „Alten Laden“ des Hauses mit dem Museum zu sehen. Die Vernissage schließt sich um 11 Uhr an die Eröffnung des Altstadtfestes an und markiert gleichzeitig ein Jubiläum. „Bronzezeit in Schönermark“ ist die 40. vom örtlichen Kulturverein organisierte Ausstellung.

Von Wolfgang Hörmann

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