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10:46 29.12.2017
Die Ehrenfeuerwehrmänner Horst Rettig (87) und Manfred Klitzke (84, r.) aus Nackel wurden vom Kreisfeuerwehrverband ausgezeichnet.
Die Ehrenfeuerwehrmänner Horst Rettig (87) und Manfred Klitzke (84, r.) aus Nackel wurden vom Kreisfeuerwehrverband ausgezeichnet. Quelle: Matthias Anke
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Nackel

Die DDR ist noch keine zehn Jahre alt, in der Sowjetunion beginnt mit dem Sputnik-Satelliten das Zeitalter der Raumfahrt. Es ist zugleich das Jahr, in dem der damals 24-jährige Manfred Klitzke in Nackel in die Feuerwehr eintritt: 1957. Wer nach Antworten sucht, warum Feuerwehren heutzutage allerorten um Mitglieder ringen, einst jedoch sehr viel besser aufgestellt waren, muss derart weit nach hinten blicken.

In Nackel blieb Klitzke bis heute Mitglied. Kürzlich gehörte er deshalb zu den 177 Ehrenamtlern, die in Kyritz bei der diesjährigen Auszeichnungsveranstaltung des Ostprignitz-Ruppiner Kreisfeuerwehrverbandes gewürdigt wurden. Die „Medaille für treue Dienste“ ­erhielten dort noch 45 weitere Männer, die ebenso seit 60 Jahren dabei sind.

Vor drei Jahren war auch Horst Rettig Teil dieser Runde. Er ist ebenso aus Nackel und stand jahrzehntelang an der Seite Klitzkes. Denn Rettig trat dort 1954 in die Wehr ein, als gleichfalls 24-Jähriger. 1930 geboren, ist er drei Jahre älter als Klitzke.

Die Anzahl schwerer Feuerwehreinsätze blieb jahrelang überschaubar

Beide einte seither ihr Pflichtbewusstsein für die Sicherheit aller im Dorfe, vor allem aber auch der eignen: „Wer Eigentum hat, soll in der Feuerwehr mitmachen, hieß es immer. Wir haben die Feuerwehr daher als eine Pflicht hingenommen“, erzählt Rettig. „Das galt auch für alle Bauern, obwohl deshalb trotzdem natürlich nicht zu 100 Prozent alle dabei waren“, ergänzt ihn Klitzke.

Beide waren als Landwirte aktiv, hatten sich aber eben auch um ihre elterlichen Gehöfte zu sorgen. Rettig war erst nach dem Krieg, der vom alten Zuhause im Oderbruch nichts mehr übrig ließ, nach Nackel gekommen. Klitzke war bereits seit 1935 da. Seine Eltern folgten aus Posen kommend damals einem Ruf nach der sogenannten Aufsiedelung des Gutes Nackel. „Jedes Jahr bis in die 1980er hinein wurde hier jeder Haushalt auf die Einhaltung von Brandschutzbestimmungen kontrolliert“, erklärt Horst Rettig. Die schweren Einsätze indes blieben in all den Jahren ihrer aktiven Zeit überschaubar. Mal war es ein kleiner Waldbrand hier, mal ein brennender Rinderstall da. Und natürlich habe es auch mal Phasen gegeben, als die Feuerwehr am Boden lag mangels vernünftiger Führung.

Wenngleich sie seit der Wende beide nicht mehr im aktiven Dienst stehen, blicken Rettig und Klitzke heute voller Freude auf ihre Wehr. So wurde vor über fünf Jahren ein neues Gerätehaus eingeweiht, und es steht mit fast zwei Dutzend Leuten eine schlagkräftige Truppe bereit, davon die Hälfte sogar als Atemschutzgeräteträger. Die Nackeler agieren aber längst nicht mehr alleine, sondern im Wusterhausener Löschtrupp Süd mit Barsikow und Segeletz. Und überall sind Frauen dabei. Darauf wären laut Rettig dereinst angesichts genügend Leuten nur wenige gekommen. Dass das längst anders ist, weiß auch Manfred Klitzke nur zu gut: Schwiegertochter Cornelia ist in Friesack die Amtsjugendwartin.

Aktiv sind sie heute noch in der Alters- und Ehrenabteilung

Die Einsätze der aktiven Kameraden verfolgen Rettig und Klitzke genau. „2013 ist in Läsikow doch mal ein Haus abgebrannt, das war der schlimmste Fall in der Gegend hier überhaupt“, erinnert sich Klitzke. Und Rettig: „Das meiste sind mittlerweile Fehlalarme oder technische Hilfeleistungen.“ Sturmschäden zu beheben, wie kürzlich nach „Xavier“, sei zu ihrer Zeit keine Aufgabe gewesen. „Darum wurde sich in der Regel über die LPG gekümmert, und Kettensägen hatten wir ja gar nicht.“

So gesprochen wird über die Wehr ansonsten bei den Treffen der vom Wusterhausener Otto Reimann geführten Alters- und Ehrenabteilung, zuletzt bei der Weihnachtsfeier. Und auch auf den gemeinsamen Ausflug aller Kameraden von früher freuen sie sich in jedem Jahr. Auf diese Weise macht ihnen die Feuerwehr noch heute Spaß. Die Jahre seit ’54 und ’57, so kommt es ihnen vor, vergingen wie Funkenflüge.

Langjährige Feuerwehrmitglieder geehrt

177 Ehrenamtler würdigte der Kreisfeuerwehrverband Ostprignitz-Ruppin kürzlich bei seiner alljährlichen Auszeichnungsveranstaltung. Viele von ihnen hatten ihre Ehrungen schon im Jahresverlauf erhalten.

Für 40 Jahre Zugehörigkeit zur Wehr wurden 50 Feuerwehrleute ausgezeichnet und für die 50-jährige Zugehörigkeit waren es 41. Für 60 Jahre Feuerwehr erfolgten 46 Ehrungen.

Seit 70 Jahren dabei sind Albert Dingfeld (Brunne), Siegfried Kaping (Liebenthal), Karl Manz (Berlinchen) und Walter Lüdemann (Dranse).

Erwin Steinberg aus Schwanow bei Rheinsberg wurde für seine nun schon 75-jährige Mitgliedschaft bei der Feuerwehr ausgezeichnet.

Das Ehrenkreuz des Kreisfeuerwehrverbandes gab es 14 Mal, die Ehrennadel sieben Mal.

Wolfgang Gaetke aus Manker wurde für seine zahlreichen Verdienste zum Ehrenmitglied des Kreisfeuerwehrverbandes ernannt.

Ehrenzeichen der Landesjugendfeuerwehr Brandenburgs wurden in Bronze, Silber und Gold verliehen. Letzteres erhielt die Neuruppinerin Carola Hohenwald.

Das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ging an Mathias Herzberg aus Rheinsberg.

Die Träger des Ehrenzeichens des Landes Brandenburg in Silber sind jetzt die Neuruppiner Thomas Fechner, Wolfgang Müller und Joachim Harder.

Das Ehrenkreuz in Silber des Landesfeuerwehrverbandes erhielt Hans-Jürgen Bachmann aus Walsleben.

Von Matthias Anke