Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Polizei „Modellregion Oranienburg“: Pilotprojekt in den Startlöchern
Lokales Polizei „Modellregion Oranienburg“: Pilotprojekt in den Startlöchern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 30.07.2019
Hoher Besuch zum Auftakt der „Modellregion Oranineburg“: Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter, Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Ministerpräsident Dietmar Woidke besuchten die Sprengstoffexperten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes um André Müller (v.l.). Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Großer Bahnhof für ein Ausnahmeprojekt, das zum 1. August startet: Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) höchstpersönlich sowie Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Oberhavels Landrat Ludger Weskamp (SPD) hatten sich am Dienstag zur Auftaktveranstaltung der „Modellregion Oranienburg“ in der Kreisstadt eingefunden. Nach einem Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt im Oranienburger Schloss eilte die Politprominenz im Schlepptau von Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke direkt weiter in die Hans-Grade-Straße.

Die Politprominenz sorgte in Oranienburg für beachtliche Polizeipräsenz im Straßenbild und temporäre Verkehrsbeeinträchtigungen. Quelle: Enrico Kugler

Aufstockung von Personal- und Sachkosten

Dort bekommen die Sprengstoffexperten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) im Zuge des Pilotprojektes zukünftig ihre eigene, nagelneue Wirkungsstätte. Denn im Rahmen der bundesweit einzigartigen Modellregion bei der Kampfmittelbeseitigung übernimmt der Zentraldienst der Polizei, zu dem der KMBD gehört, als Sonderordnungsbehörde auf dem Gebiet der Stadt Oranienburg in den kommenden drei Jahren zusätzliche Aufgaben, um die Beseitigung von Kampfmitteln und Bombenentschärfungen effektiver zu organisieren. Damit einher gehen nicht nur zusätzliche Befugnisse für die Bombenexperten, sondern auch die Aufstockung von Personal- und Sachkosten. So sind für 2019/2020 allein 13 zusätzliche Stellen für den KMBD vorgesehen.

Finanzminister Scholz mahnt raschen Einsatz bereitgestellter Gelder

Entsprechend aufgeräumt war die Stimmung bei den Gästen, die zum Auftakt des Pilotprojektes nach Oranienburg gekommen waren. Von „Oranienburgs Schicksalsproblem“ berichtete Alexander Laesicke, der heilfroh über den „großen Etappensieg einer langen Geschichte“ ist. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigte sich beeindruckt von der Situation vor Ort und mahnte zugleich an, die vom Bund bereitgestellten Gelder (bis 2021 stehen im Bundeshaushalt 60 Millionen Euro für die Räumung vom Kampfmitteln zur Verfügung) rasch einzusetzen. Auch Lob fand er: „Alle Beteiligten packen gemeinsam an, das Problem zu lösen. Das funktioniert jetzt.“

Auch wenn die Büros noch kahl sind, die Möbel noch fehlen: Am Dienstag, den 30. Juli 2019, wurde die „Modellregion Oranienburg“ in der Kreisstadt offiziell eingeläutet, die ab 1. August die Suche und Beseitigung von Bombenblindgängern in der Kreisstadt noch effektiver machen soll. Für die Sprengstoffspezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei fühlt sich die neue Arbeitsstätte in der Hans-Grade-Straße, die an diesem Tag von viel politischer Prominenz besucht wurde, auch als Anerkennung ihrer Arbeit an.

Während Dietmar Woidke die Anerkennung des Bundes für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Kampfmittelbeseitigung und die Übernahme der Kosten für die Beseitigung alliierter Munition bis zur Hälfte ausdrücklich begrüßte, ging Karl-Heinz Schröter noch einen Schritt weiter: Obgleich „heute ein guter Tag für die Stadt Oranienburg ist“, sei die Beteiligung des Bundes hinsichtlich alliierter Munition weiter „ausbaufähig“, wünschenswert eine noch umfangreichere Übernahme damit verbundener Kosten, nicht nur für die Beseitigung der Blindgänger, sondern auch für die systematische Suche nach ihnen. „Keine Stadt ist so geschlagen mit der Bombenproblematik wie Oranienburg“, so der Innenminister. 262 Großbomben würden nach aktuellen Erkenntnissen noch in Oranienburg und der unmittelbaren Umgebung vermutet. Deren Neutralisierung sei ein Wettlauf gegen die Zeit, das Risiko von Selbstdetonationen steige von Jahr zu Jahr. Schröter versprühte jedoch auch Optimismus: Es werde der Tag kommen, an dem man von Oranienburg als bombenfreier Stadt sprechen könne, „und eher wird Oranienburg bombenfrei sein, als der BER fertig ist“.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (M.) fand markige Worte und äußerte einen weiteren Wunsch in Richtung des Vizekanzlers und Bundesfinanzministers, Olaf Scholz (2.v.l.). Quelle: Enrico Kugler

Björn Lüttmann: „Pures Glück“

Für den Landtagsabgeordneten Björn Lüttmann (SPD), der sich im Parlament unermüdlich für die Einführung der Modellregion eingesetzt hatte, fühlte sich der Tag nach „purem Glück“ an. „Wenn das, wofür man so lange gestritten und gekämpft hat, am Ende Realität wird, ist das eine große Erfüllung“, sagte er.

Was bedeutet die „Modellregion Oranienburg“?

Die „Modellregion Oranienburg“ regelt zukünftig die Freigabe von Räumverfahren durch gewerbliche Kampfmittelräumfirmen sowie die fachgerechte Ausführung der Beseitigung von Kampfmitteln. Auch Kampfmittelfreiheitsbescheinigungen – sie gehören zu den Grundvoraussetzungen von Baugenehmigungen in besonders kampfmittelbelasteten Gebieten wie Oranienburg – stell zukünftig nur noch der KMBD aus.

Bombenexperte André Müller (3.v.l.) erklärte den Besuchern seine tagtägliche Arbeit. Quelle: Enrico Kugler

Von Nadine Bieneck

Oranienburg Oberhavel: Polizeibericht vom 30. Juli 2019 - Polizeiüberblick: In Waldnähe ein Lagerfeuer entfacht

Ein Mann, der in unmittelbarer Nähe des Waldes in Nassenheide ein Lagerfeuer macht, ein 77-jähriger Oranienburger, der von einer angeblichen Enkeltochter nach 27 000 Euro gefragt wird sowie eine Apotheke in Gransee, aus der die Tageseinnahmen gestohlen werden – diese und weitere Meldungen der Polizei aus Oberhavel lesen Sie im Polizeibericht vom 30. Juli 2019.

31.07.2019

Eine offenbar geistig verwirrte Frau hat am Montagabend Anwohner und Polizei in Glienecke bei Ziesar in Atem gehalten. Die 53-Jährige hat mehrmals versucht, Feuer zu legen. Doch das war längst nicht alles.

30.07.2019

Kradfahrer von Pkw erfasst

30.07.2019