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Polizei Tatverdächtiger bei Kontrolle von Polizei erschossen
Lokales Polizei Tatverdächtiger bei Kontrolle von Polizei erschossen
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15:22 12.09.2019
Bei einer Fahrzeugkontrolle durch die Polizei ist am Mittwoch auf dem Berliner Ring ein Mann durch Schüsse von Beamten tödlich verletzt worden. Quelle: Christopher Harms/dpa
Potsdam/Gorzow

Bei einer Kontrolle haben Polizisten auf der Autobahn 10 nordöstlich von Berlin einen Mann erschossen, der kurz zuvor in Polen eine junge Frau getötet haben soll. Wie die Polizei in Potsdam mitteilte, hatten die Beamten das Fahrzeug gegen 15.30 Uhr an der Anschlussstelle Hellersdorf auf dem Berliner Ring gestoppt. Die polnischen Kennzeichen des Wagens waren wegen eines mutmaßlichen Tötungsdeliktes im Nachbarland zur Fahndung ausgeschrieben.

Der Fahrer soll nach Polizeiangaben mit einer Waffe auf die Beamten gezielt und sie auch nach mehrmaligem Auffordern nicht weggelegt haben. Beide Beamte hätten daraufhin mehrfach auf den Mann geschossen und ihn tödlich verletzt. Der Mann feuerte nach bisherigen Erkenntnissen keine Schüsse ab. Laut Polizeisprecher Torsten Herbst zufolge setzten die Polizisten ihre Waffen „absolut rechtmäßig“ ein. Sie werden psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) habe Ermittlungen aufgenommen.

Der Streifenwagen mit den beiden Beamten der Polizeidirektion Ost hatte sich auf der Autobahn vor den Wagen des Flüchtigen gesetzt und diesen ausgebremst. Die Polizisten stiegen aus und liefen auf den Pkw zu. Dessen Fahrer solle, so die Schilderung aus dem Polizeipräsidium, mit einer Schusswaffe von hinter der Windschutzscheibe auf die Beamten gezielt haben. Die forderten ihn zum Niederlegen der Waffe auf und schossen, als der Mann nicht reagierte. Laut Torsten Präsidiumssprecher Herbst starb der 26-Jährige noch am Ort Schießerei.

Mann schoss offenbar auf 26-Jährige

Bei dem Getöteten handelt es sich nach vorläufigen Erkenntnissen um einen 26-Jährigen. Die Identifizierung des Mannes sei noch nicht vollständig abgeschlossen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Ricarda Böhme. Der Tote werde am Freitag obduziert.

Nach Angaben der polnischen Polizei hatte der Mann am selben Tag gegen 13 Uhr eine Wäscherei in Gorzow in der polnischen Woiwodschaft Lebus, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Frankfurt (Oder) betreten. Dort feuerte er einen oder mehrere Schüsse auf die 26-Jährige ab, die daraufhin starb. Nach Angaben der polnischen Zeitung Gazeta Lubuska kannten sich Täter und Opfer. Der Mann hatte die Ukrainerin zuvor über SMS und Facebook-Messenger belästigt. Die Bluttat ereignete sich vor den Augen von Kollegen in der Wäscherei.

Wegen der Fahndung hatte die polnische Polizei alle umliegenden Polizeiwachen informiert, darunter auch die deutsche Seite. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Potsdam erging eine Warnung an alle Brandenburger Beamten, dass der Fahrer des gesuchten roten Mazda „bewaffnet und gewalttätig“ sei.

Bei einer Fahrzeugkontrolle auf der Autobahn 10 ist am Mittwoch ein Mann von der Polizei erschossen worden.

Kriminaltechniker waren nach den tödlichen Schüssen an der Autobahn bis in die Morgenstunden des Donnerstag vor Ort und untersuchten den Wagen des mutmaßlichen Straftäters, der allein in dem Fahrzeug gesessen haben soll. Die Ermittler suchen auch Zeugen des Vorfalls an der Autobahnanschlussstelle.

Die Beamten haben sich nach Auffassung des Polizeipräsidiums-Sprechers Torsten Herbst so reagiert, wie es gelehrt werde in der Polizeiausbildung. Auf die Beine des 26-Jährigen hätten die Beamten nicht schießen können, da diese durch den Motorblock geschützt gewesen seien. „Es handelt sich um die schwerste Entscheidung für einen Polizisten in seiner gesamten Dienstzeit“, sagt Polizeisprecher Herbst. Die Beamten würden von einem Einsatz-Nachsorgeteam betreut und seien aus Gründen der Fürsorge aktuell aus dem Dienst genommen worden. Nach jedem Schusswaffeneinsatz von Polizisten wird ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren aufgenommen, um die Umstände zu prüfen. Das ist auch jetzt der Fall.

Bei der Waffe des Erschossenen handelt es sich laut Präsidium um eine echte Schusswaffe, keine Attrappe. Ob sie geladen war, dazu sagte der Polizeisprecher mit Hinweis auf laufende Ermittlungen nichts.

Nach Angaben des Polizeisprechers kommt es in Brandenburg selten vor, dass sich Polizisten bedroht fühlen und schießen. An Silvester 2008 erschoss ein Berliner Zivilfahnder in Schönfließ (Oberhavel) einen gesuchten Intensivtäter, der in einem gestohlenen Jaguar vor der Festnahme flüchten wollte. Der Beamte wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil das Gericht nicht an Notwehr glaubte.

Im Jahr 2007 schoss ein Streifenpolizist in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) einem Einbrecher in den Rücken. Der Beamte gab an, er habe sich bedroht gefühlt. Er wurde zu einem halben Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Von Ulrich Wangemann/RND/dpa/sag