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Polizei Verdächtiger plante Attentat für Montag
Lokales Polizei Verdächtiger plante Attentat für Montag
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07:44 04.11.2016
Festnahme in Berlin, der Verdächtige ist inzwischen in Karlsruhe.
Festnahme in Berlin, der Verdächtige ist inzwischen in Karlsruhe. Quelle: dpa
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Berlin

Gut drei Wochen nach Verhaftung des Syrers Dschaber al-Bakr ist ein weiterer mutmaßlicher islamistischer Terrorist in Berlin gefasst worden. Der 27-jährige Ashraf Al-T. wird von der Bundesanwaltschaft verdächtigt, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen zu sein. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte er Kontakt zu einem IS-Mitglied in Syrien, das für Anschläge im Ausland zuständig ist. «Von dort soll er die Erlaubnis erhalten haben, zeitnah einen Anschlag auf Menschen in Deutschland zu planen», teilte die Karlsruher Behörde am Donnerstagabend mit.

Nach der Festnahme in Berlin liegen die weiteren Ermittlungen und Entscheidungen in Karlsruhe. Dort beantragte die Bundesanwaltschaft am Donnerstagabend beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl gegen den 27-Jährigen. Über die Entscheidung des Richters lagen bis Freitagmorgen keine offiziellen Angaben vor.

In diesem Haus in der Kolonnenstraße in Berlin-Schöneberg wurde der Mann festgenommen. Quelle: dpa

Festnahme in Berlin-Schöneberg

Beamte des Landeskriminalamtes hatten den Mann am Mittwochabend in einer Wohnung in Berlin-Schöneberg vorläufig festgenommen. Sprengstoff wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen zunächst nicht gefunden.

Eine Fahrzeugkolonne fährt am 03.11.2016 in den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Im BGH findet ein Haftprüfungstermin gegen den Terrorverdächtigen statt. Quelle: dpa

Focus: Geplant war ein Messerattentat am kommenden Montag

Der Terrorverdächtige hatte nach Informationen des „Focus“ ein Messerattentat in Berlin geplant - für kommenden Montag. In einem Telefonat mit seinem IS-Kommandanten habe er darum gebeten, endlich zuschlagen zu dürfen, und eine Freigabe für ein Attentat bekommen. Der US-Geheimdienst habe das Gespräch abgehört und das Bundesamt für Verfassungsschutz informiert.

Der Berliner Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda sagte, er gehe davon aus, dass der Mann ein Einzeltäter sei. „Es scheint zumindest so zu sein, dass es keine direkte Verbindung zu Al Bakr gibt“, sagte Palenda.

Als Syrer ausgegeben, aber wohl Tunesier

Der Polizei gegenüber hatte der Verdächtige angegeben, 27 Jahre alt und Syrer zu sein. Sicherheitskreisen zufolge soll er aber aus Tunesien stammen und sich als syrischer Kriegsflüchtling ausgegeben haben.

Sicherheitskreisen zufolge lebte der Mann mit einem ehrenamtlichen Berliner Flüchtlingshelfer in dessen Wohnung. Zugegriffen habe die Polizei wegen des Hinweises, dass die Anschlagspläne bald umgesetzt werden könnten. Welche Art Attentat geplant war, sei unklar.

RBB: Auffällig wegen aggressiven Verhaltens

Nach Informationen des Senders RBB hatte der Terrorverdächtige eine Zeit lang in einer Flüchtlingsnotunterkunft am stillgelegten Flughafen Tempelhof gelebt. Dort soll er in Gewalttätigkeiten verwickelt gewesen sein. Unter anderem wegen seines aggressiven Verhaltens sei er aus der Einrichtung verwiesen worden, berichtete der Sender unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Verdächtige sei polizeibekannt gewesen. Ein Sprecher der Berliner Polizei wollte sich dazu nicht äußern.

Der Fall Dschaber al-Bakr

Anfang Oktober hatte der Fall des syrischen Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr in Sachsen für Empörung gesorgt. Der syrische Flüchtling war bei einem Polizeieinsatz in Chemnitz am 8. Oktober dem Zugriff der Beamten entkommen. In einer von ihm genutzten Wohnung wurden eineinhalb Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs gefunden. Der mutmaßliche Terrorist wollte den Ermittlern zufolge einen Berliner Flughafen angreifen.

Mehrere Syrer, bei denen al-Bakr dann in Leipzig um einen Übernachtungsplatz bat, überwältigten und fesselten den 22-Jährigen, der mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Verbindung gestanden haben soll. Sie übergaben ihn der Polizei. Kurze Zeit später erhängte er sich in der Justizvollzugsanstalt Leipzig.

Von MAZonline/dpa