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Potsdam-Mittelmark 10 Jahre nach Kyrill: Wunden im Wald heilen
Lokales Potsdam-Mittelmark 10 Jahre nach Kyrill: Wunden im Wald heilen
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16:45 17.01.2017
Der Tag nach dem Orkan „Kyrill“: Aufräumarbeiten auf der B 107 bei Jeserig/Fläming. Quelle: Dirk Fröhlich
Wiesenburg

„Vor fünf Jahren hätte ich ein Klagelied angestimmt“, sagt Carl von Lüninck. „Heutzutage zeigt sich aber, was die Natur allgemein und der Wald speziell aushalten“, so der Freiherr. Zehn Jahre, nachdem der Orkan „Kyrill“ über den Hohen Fläming getobt ist, sind die Wunden im Forstrevier Spring südlich von Wiesenburg noch für Einheimische wie Besucher sichtbar. Aber sie heilen augenscheinlich.

Die Nacht vom 18. zum 19. Januar 2007 wird der Freiherr gewiss nicht vergessen. „Als gegen 18 Uhr zum ersten Mal die Lichter ausgingen, bin ich draußen umhergefahren; wollte sehen, ob es ein Baum in meinem Revier war, der in die Freileitung dort gefallen ist“, erinnert er sich. Dem war nicht so. „Aber zurück ging es dann nur noch im Slalom um die Stämme.“ Die Teilnahme am Empfang anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin war freilich Makulatur geworden. Ehefrau Sophie saß schließlich mit vier Kindern daheim. Einmal kam der Strom noch wieder. Da wurde zumindest noch das Abendessen warm gemacht.

Carl von Lüninck in seinem Wald. Quelle: René Gaffron

Zwar fegte das Sturmtief über ganz Europa. Doch hinterließ es vor allem punktuell seine Schäden. In der Mark waren vor allem Treuenbrietzen und Wiesenburg betroffen. Die damals noch besetzte Wetterstation in der „Perle des Flämings“ registrierte Spitzengeschwindigkeiten von 115 Kilometer je Stunde. Besonders wütete das Unwetter allerdings südlich der Bahnlinie zwischen Berlin und Dessau.

Carl von Lüninck war der größte Einzelgeschädigte in der Mark. „300 von unseren reichlich 3000 Hektar waren betroffen. Doch nicht am Stück, sondern lediglich immer Teilflächen weit verteilt“, sagt der Waldeigentümer. Die B 107 zwischen Bahnhof Wiesenburg und Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt war die ganze Nacht lang nicht mehr passierbar, weil Dutzende Bäume die Piste für die Brummis blockierten. Ein Zug blieb bei Medewitz stecken. Weiter nördlich waren die Lücken im Forst relativ überschaubar, wie Förster Jens Köppen bestätigt, der im Revier von Eberhard von Graevemeyer bei Schlamau tätig ist.

Schwere Schäden richtete der Wald vor einer Dekade an. Quelle: MAZ/Archiv

75 000 Festmeter Holz, hauptsächlich Kiefer, fielen im Wortsinne in und um Spring dem Orkan zum Opfer. Das bedeute einen siebenstelligen wirtschaftlichen Schaden, wie er sagte. „Es war ungeplant und immerhin das Sechsfache dessen, was sonst jährlich gerodet und vermarktete wird“, so der Forstmann. Aber hierzulande ließ sich der Rohstoff wenigstens nur knapp unter Marktwert verkaufen, während im Sauerland, wo der Adelige ebenfalls noch Besitz hat, wegen des dort viel umfassenderen Bruchs die Preise in den Keller gingen.

Ein Verletzter in Brachwitz

Wegen umgestürzter Bäume auf den Gleisen bei Medewitz war die Weiterfahrt einer Intercity der Deutschen Bahn-AG mitten in der Nacht nicht mehr möglich.

Feuerwehrleute kämpften sich durch den Wald zum Zug. 165 Reisende, darunter eine Schwangere, mussten evakuiert und dann in der Turnhalle am Wiesenburger Flämingstadion versorgt werden.

Die Kommunikation des Transportkonzerns sowohl in dem Notfall als auch danach war eine weitere Katastrophe.

Mehrere Scheunen und Ställe sind in Brachwitz wie Kartenhäuser zusammengestürzt. Ein Mann war schwer verletzt worden, als er auf seinem Hof von einem herumfliegenden Bauteil getroffen war.

Am Dorfanger war fast jedes Haus von Sturmschäden betroffen. Evakuierungen gab es ferner in Marzahna, wo obendrein das Sportlerheim den Windböen zum Opfer feil

Reichlich Dachschäden gab es in Bad Belzig ebenfalls.

In der Hans-Marchwitza-Straße 60 bis 62 hing das heruntergeklappte Pappdach zur zweiten Etage herunter. Verletzt wurde niemand.

In Wiesenburg ist gleich am Folgetag mit den Aufräumarbeiten begonnen worden. Zwei Jahre später war die Aufforstung so gut wie abgeschlossen. Für 65 Hektar hat er Förderung von der Landesregierung Brandenburg erhalten. „Etwa 450 000 Euro für Pflanzen und Einzäunung“, rechnet Carl von Lüninck vor.

Als Waldeigentümer-Lobbyist der Bürokratie durchaus kritisch eingestellt, räumt er aber ein: „Antragsbearbeitung und Auszahlung wurden zügig realisiert.“ Den Vorgaben für den Waldumbau folgend ist darauf geachtet worden, dass Laubbäume gesetzt werden. Bislang wächst und gedeiht alles gut. Ungeachtet der trockenen Frühjahre sei genug Niederschlag in der Vergangenheit gefallen. Forstschädlinge hätten sich ebenfalls nicht mehr ausbreiten können.

Mehr als zwei Jahrzehnte von Lüninck inzwischen in Wiesenburg tätig. Fünf Mitarbeiter beschäftigt er in der Forstverwaltung und freut sich, wie sich auch auf den Schadensflächen alles erneuert. Die nach dem Unwetter gepflanzten Kiefern überragen ihn inzwischen längst.

Von René Gaffron

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