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Potsdam-Mittelmark „Die 15-Jährigen sind engagierter“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Die 15-Jährigen sind engagierter“
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01:01 22.02.2018
Seit Mai 2017 läuft das Projekt in Brandenburg, zunächst befristet für ein Jahr lang. Quelle: dpa
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Bad Belzig

Der Modellversuch „Moped mit 15“ soll zeigen, ob sich der Führerschein positiv auf die Verkehrssicherheit der Jugendlichen auswirkt. Mit der Fahrerlaubnis der Klasse AM dürfen die Jugendlichen Krafträder, Mopeds, Roller und Leichtkraftfahrzeuge fahren, die nicht schneller als 45 Kilometer pro Stunde rollen. Fahrlehrer Marco Tabbert berichtet über die ersten erfolgreichen Prüfungen.

Wie groß ist das Interesse der Jugendlichen an dem Modellprojekt

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Marco Tabbert: Ich hatte mit mehr Teilnehmern gerechnet. Offenbar sind die Skepsis der Jugendlichen und ihrer Eltern noch zu groß. Bei vielen ist es wohl auch die Unkenntnis, darüber dass es den Modellversuch jetzt auch in Brandenburg gibt oder die Unsicherheit, wie es im nächsten Jahr damit weiter geht.

Können Sie sich die Skepsis erklären?

Nein. Vor allem weil ich weiß, dass viele Eltern den Mopedführerschein mit 15 aus ihrer Jugend aus DDR-Zeiten kennen. Da wäre es doch ein Vorteil, das Kind nicht immer überall hinfahren zu müssen. Auch hat sich gezeigt, dass der Mopedführerschein von vielen Fahrschülern genutzt wird, die am Begleiteten Fahren mit 17 teilnehmen. Dort gibt es den Mopedführerschein dazu. Dann fahren viele Jugendliche zwar am Wochenende mit ihren Eltern Auto, aber mobil sind sie viel mehr, weil sie bereits mit dem eigenen Moped unterwegs sind.

Wie viele haben bisher bei Ihnen den Führerschein der Klasse AM mit 15 Jahren gemacht?

An unseren vier Standorten in Golzow, Kloster Lehnin, Brandenburg und Bad Belzig hatten wir seit Mai insgesamt neun AM-Fahrschüler im Alter von 14 bis 15 Jahren, in etwa gleich viele Jungen und Mädchen. Keiner von ihnen kommt direkt aus der Stadt Brandenburg, sondern alle aus dem ländlichen Bereich.

Woran liegt das?

Der Hauptgrund für Jugendliche mit 15 Jahren den Führerschein zu machen, ist es flexibel und mobil zu sein. Wenn in der Schule eine Unterrichtsstunde ausfällt, müssen sie nicht auf den nächsten Bus warten, um nach Hause zu kommen. Mit dem Moped oder Roller können sie selbst fahren.

Marco Tabbert ist seit 2000 Fahrlehrer und seit 2004 ist er Inhaber der Fahrschule „Hatzius“. Quelle: Victoria Barnack

Und wie schlagen sich die 15-Jährigen bei der Prüfung?

Nicht besser oder schlechter als andere Fahrschüler. Die Bestehensquote ist ähnlich zu den 16-Jährigen.

Kritiker sehen die Teilnahme von Jugendlichen am Straßenverkehr als Risiko. Was sagen Sie dazu?

Die Zahlen aus Bundesländern, in denen der Modellversuch bereits länger läuft, belegen das nicht. In dieser neuen Altersgruppe AM15 gab es zuletzt keine tödlichen Unfälle oder Vorkommnisse, die Alarm schlagen lassen. Das liegt wohl vor allem daran, dass die 15-Jährigen nur selten in Großstädten unterwegs sind. Offizielle Zahlen für das Land Brandenburg gibt es allerdings erst, wenn der Modellversuch ausgewertet wurde.

Sie sehen also keine Nachteile?

Im Gegenteil: Die 15-Jährigen sind engagierter, weil nur jene an der Prüfung teilnehmen, die es wirklich wollen. Mit der Zeit springt die Motivation vielleicht sogar auf Freunde über. Positiv ist auch, dass sie Fahrerfahrung im Realverkehr sammeln.

Sprechen Sie sich für eine Verlängerung des Modellversuchs aus?

Ja, ich bin ein klarer Befürworter der Verlängerung und zwar nicht aus wirtschaftlichem Interesse als Fahrlehrer, sondern aus eigenem Antrieb. Meine Tochter ist zwölf Jahre alt und würde in diese Regelung fallen. Sie könnte problemlos eine Freundin im Nachbarort besuchen, ohne dass sie auf uns Eltern angewiesen ist.

Von Victoria Barnack