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Potsdam-Mittelmark 40 Projektanträge für Leader-Förderung
Lokales Potsdam-Mittelmark 40 Projektanträge für Leader-Förderung
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17:14 31.03.2017
Der Schlauchturm auf dem Tieckower Dorfanger ist bezüglich der Fördersumme eines der kleineren beantragten Projekte aus dem EU-Leader-Topt.
Der Schlauchturm auf dem Tieckower Dorfanger ist bezüglich der Fördersumme eines der kleineren beantragten Projekte aus dem EU-Leader-Topt.
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Wusterwitz

Rund 25 Männer und Frauen haben sich am Donnerstagabend in der Wusterwitzer Kulturscheune eingefunden und hoffen auf Geld, Fördergeld. Es geht um 2 Millionen Euro aus dem EU-Leader-Programm. Anträge für 40 Projekte mit einem Gesamt-Finanzfördervolumen von 6,2 Millionen Euro sind bis zum 10. März bei der zuständigen Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel (LAG) in Wiesenburg eingegangen. An diesem Abend nun stellen Gastwirte, Künstler, aber auch Vereine und Behördenvertreter 13 der Projekte öffentlich vor. Sie reichen von einem neuen Bullen-Stall für die Besamungsstation in Schmergow, über Kirchen-Sanierungen bis hin zu einer Sliprampe für die Wassersportler am Wusterwitzer See. LAG-Regionalmanager Heiko Bansen moderiert die Veranstaltung und macht auch gleich klar, wie die Chancen für jeden stehen, die erhofften Fördermittel zu erhalten: eins zu drei. 14,1 Millionen Euro sind bisher aus dem Fördertopf für ländliche Entwicklung in 106 Projekte geflossen. Nun ist die fünfte Vergaberunde gestartet.

Die amtierende Wusterwitzer Amtsdirektorin Ramona Mayer präsentiert ein Großprojekt: die energetische Sanierung der Wilhelm-Götze-Grundschule für 325 140 Euro mit Baubeginn 2017 und Ende 2018. Mayer hofft auf 225 140 Euro Fördergeld aus dem EU-Leadertopf. Das wären elf Prozent der Summe, die es nun zu verteilen gilt. „Wir haben für dieses Projekt keine einzigen Mittel, nur den Eigenanteil“, macht Ramona Mayer die Dringlichkeit deutlich. Wie nötig die Sanierung ist, zeigt, dass die Kommune weit über 50 000 Euro jährlichen Energiekosten hat und davon durch die Sanierung 20 Prozent einsparen will.

Die Wusterwitzer Grundschule soll eine energetische Sanierung mit Hilfe der EU-Förderung erhalten. Quelle: Volkmar Maloszyk

Werner Fräßdorf, Vorsitzender des Fördervereins Gollwitzer Dorfkirche, wirbt für den dritten Bauabschnitt des Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert. Über 30 bis 50 Jahre sei sehr wenig zur Rettung der Kirche in Gollwitz bei Warchau geschehen, deswegen sei sie im Innern in ihrer Substanz stark geschädigt. „Wir wollen die Kirche so herrichten, wie sie einmal war, sagt Fräßdorf. 105 000 Euro wird der 3. Bauabschnitt kosten, davon hat der Verein knapp 80 000 Euro aus dem Leader-Topf beantragt.

Stefan Backes vom Fachbereich Planung, Bau und räumliche Entwicklung der Gemeinde Kloster Lehnin macht auf den maroden Bauzustand der gesperrten Kanalbrücke bei Netzen aufmerksam. Ihre Sanierung würde etwa 150 000 Euro in Anspruch nehmen. Davon hofft die Gemeinde auf Zuschuss von 126 000 Euro aus dem Leader-Programm – mit guten Chancen wohl. Immerhin hat die Kommune bereits für die Sanierung der Mühlenstückenbrücke in Krahne von diesem Fördertopf profitiert. Backes verweist auf die Bedeutung der Netzener Brücke als Knotenpunkt für wichtige touristische Wanderwege, als Verkehrsweg für den Wasser- und Bodenverband, die Landwirtschaft und Besucher des Nabu-Vogelbeobachtungsturms. Seit Dezember ist die Kanalbrücke für Fahrzeuge gesperrt, nachdem sie über Jahre hinweg von zu schweren Erntefahrzeugen befahren wurde. Das 1932 entstandene Brückenbauwerk hat eine Tragfähigkeit von nur sechs Tonnen.

Die Förderkriterien

Der Leader-Topf fördert kommunale, gemeinnützige, kirchliche, wirtschaftliche und private Projekte zu unterschiedlichen Prozentsätzen. Die Leader-Region Fläming-Havel reicht von Nuthetal bis Beetzsee und von Ziesar bis Treuenbrietzen. Bis 2023 stehen knapp 24 Millionen Euro bereit.

Kritierien: Schaffung, Sicherung von Jobs, Innovation, größtmöglicher Mehrwert, Höhe der Förderung, Stadt-Land-Zusammenspiel, Barrierefreiheit, Dorfentwicklung, Bürgerengagement.

Im Mai geht das positive Votum der LAG an Projekte heraus. Letztes Wort hat das Landesamt für ländliche Entwicklung.

Zum zweiten Mal beantragte Juliane Beer vom Havel-Prater eine Förderung. Sie war bisher damit gescheitert. Die Filmschaffende möchte die entwidmete Briester Kirche, deren Eigentümerin sie ist, zu einem Co-Working-Büro umbauen mit Übernachtungsmöglichkeiten.

Ferienwohnungen sollen mit Hilfe der Förderung im Gutshaus Krahne entstehen. Die Hüllensanierung finanziert das Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes. Martina Brayer und Lutz Raschke planen in der Remise zwei Ferienwohnungen und eine weitere im Haupthaus. Das Herrenhaus soll Anziehungspunkt für Kunstinteressierte werden und für diese Ateliers bereit stellen. 345 000 Euro soll all das kosten und 155 000 Euro davon haben die Eigentümer bei der Aktionsgruppe beantragt. Die Baugenehmigung ist bereits beantragt.

Schlauchtürme sind ortsbildprägend

Holger Stark, Betreiber des Burg-Hotels Ziesar, hat noch nie einen Antrag gestellt auf Geld aus dem Leader-Topf. Er hofft auf 33 000 Euro für die Modernisierung der Gästeunterkunft, in die er insgesamt 75 000 Euro investieren möchte. „Für mich ist die Beantragung völliges Neuland“, sagt Stark. „Es ist ein wenig wie Lottospielen. Wenn wir etwas bekommen, wäre das schon schön.“ Die Vielfalt der Projekte sei „erstaunlich, auch welche Dimension das Ganze hat“.

Einen Sanierungsfall aus den Beetzsee-Gemeinden stellt der Amtsdirektor Guido Müller vor. Das Amt Beetzsee hat für den Erhalt des ortsbildprägenden Schlauchtrockenturmes in Tieckow 6000 Euro beantragt. Den Eigentanteil von 2000 Euro sollen von der Stadt Havelsee und dem Amt Beetzsee kommen. „Anwohner wandten sich an uns, es wäre schade um den Turm. Er gehöre zum Ort“, sagt Müller. Regionalmanager Bansen bestätigt, dass Schlauchtürme gerade für Dörfer wie Tieckow, die keine Kirche hätten, vom Ortsbild her bedeutungsvoll seien.

Geld ist auch für Projekte in der Stadt Brandenburg beantragt, wie etwa für den mittelalterlichen Wartturm der Neuen Mühle.

Von Marion von Imhoff