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Potsdam-Mittelmark Albert Baur darf nicht vergessen werden
Lokales Potsdam-Mittelmark Albert Baur darf nicht vergessen werden
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05:52 28.11.2017
Klaus Pomp setzt sich für den Erhalt der Erinnerungen um Albert Baur ein. Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

Klaus Pomp aus Lütte bemüht sich seit zehn Jahren, den Namen von Albert Baur (1803 bis 1886) wieder bekannter zu machen. Jener hatte in Belzig die zweite Pfarrstelle inne, gründete den ersten hiesigen Sportverein und war ein begnadeter Zeichner und Musiker. Dennoch ist sein Wirken etwas in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund organisierte der 74-jährige Pomp eine Vortragsreihe samt Ausstellung.

Herr Pomp, die Vortragsreihe über Leben und Wirken von Albert Baur ist zu Ende gegangen, die Ausstellung in der Marienkirche wieder abgebaut. Wie war das Interesse der Bevölkerung?

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Klaus Pomp: Alte Bad Belziger haben mir verraten, dass das Interesse für hiesige Verhältnisse recht gut war. Das Echo auf die Vorträge war positiv. Es drang immer wieder Erstaunen durch, was dieser Mann geleistet hat. Aus diesem Grund war Albert Baur auch unheimlich beliebt bei den Bürgern.

Haben Sie sich eine größere Resonanz erhofft?

Natürlich habe ich mir mehr Zuspruch erhofft – bei der Qualität der Referenten. Ich wollte den Entscheidungsträgern der Stadt im Nachhinein aber auch ein gutes Gewissen schaffen, dass sie mit der Namensgebung der Straße im Kurpark eine besondere Würdigung beschlossen haben. Aber vielleicht wussten sie das ja auch schon.

Welche neuen Erkenntnisse über Albert Baur konnten gewonnen werden?

Es wurde deutlich, dass Albert Baur ein über die Stadtgrenzen hinaus engagierter Mann war. Zum Beispiel im Turnen, durch die Vergleiche mit anderen Turnvereinen. Oder als Schulinspektor, der auch den Mädchen das Turnen ermöglichte. Eine Revolution in der damaligen Schulpraxis. Und er hat die Schüler in einer kriegerischen Zeit für den Frieden sensibilisiert. Baur hat Friedenseichen pflanzen lassen und jährliche Friedensfeste gefeiert.

Hat sich die Diskussion um den geplanten Feuerwehrstandort auf dem von Albert Baur angelegten Turnplatz in den Gesprächen widergespiegelt?

Beim letzten Vortrag über das Turnen kam die aktuelle Diskussion um die Bebauung des Turnplatzes zur Sprache. Es handelt sich beim Turnplatz ja nicht nur um irgendeine grüne Wiese oder ein freies Grundstück, sondern um einen historischen Platz. Baur hat einen Turnplatz nach dem Vorbild der Berliner Hasenheide geschaffen. Es war kein Drillplatz, sondern ein Ort, an dem man Freude an der Bewegung haben konnte. Die Gemüter der Zuhörer erhitzten sich darüber, warum nicht ein Alternativplatz im Gewerbegebiet genutzt wird.

Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Wenn der Neubau kommt, wird die Fläche eingeengt. Es würde dann auch keine Gründe mehr geben, eine weitere Bebauung zu verhindern. Womöglich würde am Ende nur noch eine Infotafel auf die Vergangenheit hinweisen. Leider habe ich bisher nicht gehört, wo ein neuer Festplatz geplant ist. Wie im letzten Vortrag deutlich wurde, waren es die Turner, die in Städten und Dörfern die Feuerwehren gegründet haben. So auch in Belzig. Würden sie gegen ihren Turnplatz stimmen?

Wie weit ist der Plan gediehen, im Reißigerhaus ein Albert-Baur-Zimmer einzurichten?

Der erste Schritt ist getan, einige Hürden sind jedoch noch zu überwinden. Ich würde mich freuen, wenn Bad Belzig einen Ort bekäme, an dem Carl Gottlieb Reißiger und Albert Baur geehrt werden könnten. Mit der Gestaltung eines Raumes ist es jedoch nicht getan. Wenn der museale Raum der Bevölkerung zur Verfügung stehen soll, muss er auch betreut und Betriebskosten müssen getragen werden. Mit anderen Worten: Wenn die Stadt Wert auf einen neuen Anziehungspunkt für Touristen legt, dann wird es etwas kosten. Ich sehe dem aber positiv entgegen und werde mich auf jeden Fall für Spenden stark machen.


Von Christiane Sommer