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Potsdam-Mittelmark Als Kreisstadt bewährt seit 1828
Lokales Potsdam-Mittelmark Als Kreisstadt bewährt seit 1828
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20:48 24.08.2017
Im Amtshaus Golzow saß die erste Verwaltung des Kreises Zauch-Belzig. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Bad Belzig

Eine Neugliederung der märkischen Landkreise steht an. Und die Landräte sowie das Innenministerium im Land Brandenburg haben dazu mitunter sehr konträre Meinungen. Obgleich Potsdam-Mittelmark fast unberührt und Bad Belzig als Kreisstadt erhalten bleiben soll. wird das Anliegen zwischen Havel und Fläming nicht minder kontrovers erörtert.

Für diese aktuelle Situation finden sich durchaus historische Parallelen, so in den Jahren 1815 bis 1817. Damals rangen der (preußische) Innenminister und die Landräte ebenfalls miteinander, wie ein Neuzuschnitt der märkischen Kreise aussehen solle. Ein Ergebnis dieser Debatten war der Plan, den Zauchischen Kreis mit dem zuvor sächsischen Amtsbezirk Belzig-Rabenstein zu vereinen. 1817, also vor zwei Jahrhunderten, wurde durch Inkrafttreten der neuen Kreiseinteilung dieser „Zauch-Belzigsche Kreis“ dann Wirklichkeit. Er war gewissermaßen Vorläufer des heutigen Potsdam-Mittelmark.

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Als man den Kreis Zauch-Belzig 1815 projektierte, konnte noch nicht die Frage beantwortet werden, wo denn die Verwaltung ihren Sitz haben sollte. Wie die Planer feststellten, gab es im zukünftigen Kreis weder eine bedeutendere Stadt noch war in den in der Mitte gelegenen Städtchen Beelitz und Brück ein Gebäude für die Kreisbehörden zu beschaffen. In Belzig gab es hingegen mit dem Schloss „Eisenhardt“ ein angemessenes Gebäude. Allerdings meinten die Planer, „Belzig liege dem Zuge des Verkehrs der Kreis-Einsassen ganz entgegen“. Zudem verfügte es auch nicht über eine direkte Postanbindung nach Potsdam. In den Planungsunterlagen heißt es weiter: Sollte also ein neues Kreishaus errichtet werden, so würde Beelitz sich noch am ehesten als Kreisstadt anbieten.

1817 war immer noch keine wirkliche Lösung für die Kreissitz-Problematik gefunden. Deshalb erledigte der damalige Landrat Rochus von Rochow seine Amtsgeschäfte von seinem Rittergut Golzow aus, das verkehrsgünstig an der Kreuzung der Postkurse Potsdam-Ziesar und Brandenburg/Havel-Belzig lag. Die Kreiskasse befand sich derweil in Potsdam im „Ständehaus der Zauche“ (heutiges Gebäude des Naturkundemuseums). Der Giebel in der Niemegker Straße, der den Kreisstadtstatus seit 1816 preist, ist also nicht ganz korrekt. Folglich gab es voriges Jahr kein Jubiläum. Gleichwohl sich das einstige Ackerbürgerstädtchen schon ziemlich lange bewährt hat.

Als der Rittergutsbesitzer Heinrich von Tschirchky auf Glien im August 1828 neuer Landrat des Zauch-Belziger Kreises wurde, trat die entscheidende Wende ein. Am 16. September desselben Jahres gab die Potsdamer Regierung die Verlegung des Landratsbüros von Golzow nach Belzig bekannt. Die Flämingstadt wurde zum fortwährenden Sitz des Landrats, auch wenn bis zur amtlichen Bestätigung als Zauch-Belziger Kreisstadt noch Jahrzehnte ins Land zogen. Belzig konnte somit an seine Vergangenheit als Verwaltungsstandort anknüpfen. Bereits vor 1815 hatte der Ort durch die hiesige Amtsbezirks-Verwaltung, der drei Städte und 62 Dörfer unterstellt waren, sowie durch die evangelische Superintendentur erheblichen Publikumsverkehr verzeichnet, wovon die Belziger Geschäftsleute profitierten.

Und Belzig bewährte sich auch durchaus als Kreissitz, insbesondere, nachdem es seit mit Eröffnung der Zauch-Belzig durchquerenden Bahnlinie Berlin-Blankenheim (Wetzlarer Bahn) 1879 günstig zu erreichen war. Indes taten sich die Leute im nordöstlichen Zipfel des Kreises, die traditionell auf Potsdam und Berlin ausgerichtet sind, immer schwer mit einem Kreissitz in dem eher abgelegenen, einstmals sächsischen Flämingort.

Wenn nun Wolfgang Blasig (SPD) jüngst öffentlich betonte, Bad Belzig bleibe Kreissstadt ohne Wenn und Aber, so klingt das gut in den Ohren der Einwohner im Hohen Fläming. Andrerseits möchte der Landrat einen größeren, zentraleren Verwaltungsstandort in Beelitz, genauer in Beelitz-Heilstätten entstehen lassen – quasi als Rückgriff auf die alten Planungen von 1815. Diese landrätliche Intention birgt freilich die Gefahr, dass der hiesige Verwaltungsstandort perspektivisch ausgedünnt und im Vergleich zu anderen Amtssitzen weniger bedeutend wird. Damit verkäme der stolze Titel „Kreisstadt“ zur bloßen leeren Worthülse.

Der Autor ist promovierter Historiker, lebt in Fredersdorf und Berlin. Sein Fachgebiet ist die jüngere brandenburgische Landesgeschichte.

Von Matthias Helle