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Potsdam-Mittelmark Als Siegfried Sagert die Panzer stoppte
Lokales Potsdam-Mittelmark Als Siegfried Sagert die Panzer stoppte
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11:20 28.07.2014
Siegfried Sagert an der alten Schule, die für ihn Wohn- und Arbeitsort war. Quelle: J. Steglich
Schäpe

Als Siegfried Sagert 1965 sein Amt antritt, ist er 29 Jahre alt und damit der jüngste Bürgermeister im Potsdamer Umland. Es ist das Jahr, in dem Musikfreunde sich streiten, ob die Beatles oder die Rolling Stones besser sind. Muhammad Ali heißt noch Cassius Clay und wird Box-Weltmeister im Schwergewicht. Deutschland und Europa sind geteilt und es ist gerade mal vier Jahre her, dass die Teilung Berlins mit dem Mauerbau zementiert wurde.

Ein halbes Jahrhundert später tritt Schäpes Bürgermeister Siegfried Sagert ab - als einer der ältesten Ortsvorsteher, wie das Amt heute heißt. Das ist nur die kleinste Veränderung in einer völlig gewandelten Welt. Zwischen 1965 und 2014 liegen 49 Jahre, in denen Sagert die Geschicke des Dorfes Schäpe wie kein anderer bestimmte, und viele Erinnerungen. Der heute 77-Jährige sitzt an einem Juli-Tag des Jahres 2014 noch einmal in seinem Bürgermeisterbüro und erzählt, wie es war, als er die Amtsgeschäfte vom altgedienten Ortschef Gustav Kretschmer übernahm. "Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen", sagt Sagert. Heute darf man getrost sagen: Er hat sich wacker geschlagen. Als Bürgermeister war er ein ideenreicher Organisator. Der gelernte Traktorist nahm es sogar mit Panzern auf, um die Dorfstraße zu retten. 1979 rücken sowjetische Panzer Richtung Schäpe vor. Die Soldaten wollen das Dorf freilich nicht erobern. Sie sind auf dem Weg zum Manöver, rollen mit schwerem Gerät aber durch den Ort und fahren die Dorfstraße kaputt. "Uns wurde dann vom Rat des Kreises zugesagt, dass der Schaden behoben wird", erzählt Sagert. Das Dorf muss indes das Material für den Untergrund besorgen, bevor Soldaten der Nationalen Volksarmee die Fahrbahn asphaltieren. Sagert und seine Schäper holen Schotter vom Beelitzer Bahnhof ab, schaffen ihn in Traktoren-Anhängern in den Ort. "Ich konnte mich auf die Leute immer verlassen", sagt Sagert heute noch voller Stolz.

Als die Dorfbewohner den Unterboden festgewalzt haben und nur noch die Teerdecke fehlt, stehen wieder Sowjet-Panzer vor dem Ort. Sagert fährt ihnen mit dem Auto entgegen, stellt sich vor den Führungspanzer und diskutiert mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Russisch mit einem Panzerkommandeur, der auf seinem Marschbefehl beharrt. Doch der Schäper hat Glück, sieht ein Auto der sowjetischen Militärpolizei und überzeugt den Offizier im Wagen, die Panzer über Feldwege am Ort vorbei zu führen. Die frisch gewalzte Dorfstraße bleibt heil und aus Dankbarkeit steckt der Ortschef dem Militärpolizisten eine Flasche Wodka zu, die er vom Wirt der Dorfkneipe geholt hat.

Der Ostpreuße

  • Nach der Flucht aus der ostpreußischen Heimat kam Siegfried Sagert 1948 mit seiner Mutter und den Geschwistern nach Schäpe. Sein Vater war im Krieg auf der Krim gefallen.
  • Sagert besuchte in Schäpe die Alte Schule und absolvierte danach eine Lehre als Traktorist bei der Maschinen-Traktoren-Station (MTS).
  • Der langjährige Ortschef wird am 21. August 78 Jahre alt, ist verheiratet, hat zwei Kinder, drei Enkel, zwei Urenkel und einen Hund.

Ende Juni die Amtsgeschäfte übergeben

Apropos Kneipe: Mit dem Schäper Gasthaus, das es heute nicht mehr gibt, ist eine weitere Geschichte verbunden, die erzählt werden muss. Sie spielte sich noch ein paar Jahre früher ab. Damals war der Rat der Gemeinde für vieles zuständig, auch für die Gaststätte. Jedenfalls übernahm der Gemeinderat zwischenzeitlich die Kneipe, "weil der Wirt sein bester Gast war". In der Gaststätte spielte sich ein gewichtiger Teil des Dorflebens ab, deshalb brauchte sie endlich Toiletten. Für den WC-Anbau wurde ein altes Haus im Ort abgerissen. So hatte man Baumaterial. Spülkasten und Toilettenbecken besorgte der Ortschef in Polen - schwarz. So ging es schneller Als das Gasthaus mit WC fertig war, fand sich allerdings kein Gastwirt. Der Bürgermeister sprang ein und übernahm für ein paar Monate den Ausschank - bis ein neuer Wirt gefunden war.

Wer genau hinsieht, entdeckt ein Stück Dorfgeschichte noch heute am Haus, das wie kein anderes mit Schäpe und Sagerts Leben verbunden ist. Das Schild "Rat der Gemeinde" hängt noch an der Alten Schule, in der er als Kind das ABC lernte und in die er 1970 zurückkehrte, als daraus der Amtssitz des Ortsoberhauptes wurde. Ende Juni 2014 hat er die Amtsgeschäfte an einen Jüngeren übergeben. Wird er etwas vermissen? "49 Jahre sind ein halbes Leben, da hängt man dran. Aber wir werden das hinkriegen", sagt Sagert.

Von Jens Steglich

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