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Potsdam-Mittelmark Alte Scholl-Schule wird ab 2018 saniert
Lokales Potsdam-Mittelmark Alte Scholl-Schule wird ab 2018 saniert
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14:36 08.12.2017
Der Verein für Arbeit und Leben betreibt in der ehemaligen Scholl-Schule in Bad Belzig eine Fahrradwerkstatt und eine Kleiderkammer.           Quelle: Thomas Wachs
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Bad Belzig

Die alte Geschwister-Scholl-Grundschule am Weitzgrunder Weg in Bad Belzig wird saniert. Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) hat jetzt einen Fördermittelbescheid in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro überbracht, der zugleich den Weg zum Umbau in ein soziokulturelles Zentrum ebnet. Bibliothek, das StudiotheaterStrumpfhose“ und ein Jugendzentrum sollen das Haus künftig mit Leben füllen. Gleichzeitig soll es als Anlaufstelle für Integrations- und Sozialarbeit genutzt werden.

„Ich bin begeistert und habe sofort meinen Bruder angerufen um ihm davon zu erzählen“, sagt Doris Schmidt. Die Bad Belzigerin hat einen Teil ihrer Kindheit im alten Schulhaus verlebt. In einer kleinen Wohnung im Dachgeschoss. Dass bislang alle Bemühungen zur Sanierung des 1928 in Dienst gestellten Hauses ergebnislos verliefen, erlebte sie mit großem Bedauern. „Ich glaube, dass die Nachricht zur Sanierung viele Bad Belziger glücklich macht“, vermutet die Ruheständlerin.

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Ministerin Kathrin Schneider (2. v. r.) hat den Förderbescheid an Bauamtsleiter Christoph Grund, Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang und den einstigen Bildungsminister Günter Baaske (von links) übergeben. Quelle: Christiane Sommer

Ähnlich äußert sich auch Günter Baaske (SPD). Der Landtagsabgeordnete, der 1976 in der Schule das Abitur ablegte, bemerkt während der Übergabe der Fördermittelzusage: „Mir fällt ein Stein vom Herzen.“ An Schneider gerichtet sagt er: „Ich kann ihnen versprechen, dass die Bad Belziger dankbar dafür sind.“

Doch in die Freude mischt sich auch Enttäuschung. Dem Verein für Arbeit und Leben (VAL), der im Haus eine Lebensmittelausgabe samt Fahrradwerkstatt, Kleiderkammer und Schneiderei betreibt, droht mit dem Start der Bauarbeiten quasi die Obdachlosigkeit. „Niemand hat uns in der gesamten Phase in die Planungen einbezogen“, kritisiert Volker Wernsdorf. „Wir haben alle konkreten Schritte aus den Medien erfahren.“ Findet sich in absehbarer Zeit kein Alternativobjekt, sieht er den Fortbestand der Angebote in Gefahr.

Seit 1991 schon 33 Millionen Euro bekommen

Fördermittel aus dem Investitionspaket „Soziale Integration im Quartier“ werden in diesem Jahr erstmalig ausgereicht.

Für das Land Brandenburg stehen etwa 7,3 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel zur Verfügung.

Schwerpunkt ist der Erhalt und der Ausbau der sozialen Infrastruktur.

Seit 1991 kam die Stadt Bad Belzig bereits in den Genuss von 33 Millionen Euro für die Stadtentwicklung/Stadterneuerung.

Im Rahmen der Wohnraumförderung wurden seitdem knapp 60 Millionen Euro für rund 1800 Wohnungen bewilligt.

Über eine seitens der Stadt noch vor der Bürgermeisterwahl vorgeschlagene Lagerhalle am Hagebau-Markt in der Brücker Landstraße sagt er: „Sie ist für uns nicht nutzungsfähig, nicht jedes beliebige Objekt passt auf unser Angebot.“ Um auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen, hatte sich der Verein noch vor der Fördermittelübergabe schriftlich an das Ministerium gewandt. Wernsdorf verweist auch auf das Engagement des Vereins in Bezug auf den Erhalt des Gebäudes. Im Jahr 2011 sollen so 7000 Euro zur Beseitigung von Schäden an der Dachentwässerung und -abdeckung investiert worden sein, um das Mauerwerk vor weiteren Feuchtigkeitsschäden und das Gebäude damit vor dem totalen Verfall zu bewahren.

Nach Aussage von Bauamtsleiter Christoph Grund wurden dem VAL hingegen bereits vier Alternativobjekte angeboten – die jedoch allesamt abgelehnt wurden. „Der VAL erwartet mehr, als wir leisten können“, so Grund. Er verweist darauf, dass mit dem Verein kein Miet-, sondern nur ein Nutzungsvertrag abgeschlossen ist. Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) sicherte im Beisein der Ministerin dennoch weitere Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Quartier zu. Gleichzeitig forderte er von Seiten des VAL aktive Mitarbeit.

Eine historische Ansichtskarte der Scholl-Schule aus den 1950er Jahren. Quelle: Christiane Sommer

Schon 2018 sollen die Bauarbeiten am Haus beginnen. „Es wird eine Herausforderung, aber wir schaffen das“, sagt Grund mit Blick auf die Planungen, für die „ergänzende fachkundige Hilfe“ in der Verwaltung gebraucht wird. Neben der Sanierung der Gebäudehülle sollen die technische Gebäudeausstattung erneuert, Barrierefreiheit hergestellt und die Außenanlagen gestaltet werden. Dass die Baumaßnahmen bis 2021 abgeschlossen sind, hält Verwaltungsmitarbeiter Frank Friedrich für realistisch.

„Ich freue mich, dass die Bibliothek dann endlich ins Zentrum ziehen kann. Der Standort nahe bei Schulen und Busbahnhof und zwischen Altstadt und Reha-Klinik ist ideal“, findet Bibliothekarin Ines Eschholz. „In diesem Zustand konnte das Haus nicht bleiben“, sagt wiederum Frank Grünert. Mit Blick auf die geplante Doppelnutzung der Flächen räumt der Theaterchef jedoch ein: „Wir werden ein Stück Freiheit verlieren.“

Von Christiane Sommer

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