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Potsdam-Mittelmark „Auf dem Rad kamen mir gute Ideen“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Auf dem Rad kamen mir gute Ideen“
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21:00 03.05.2013
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Es gibt ein paar Bands, die begleiten einen durch das halbe Leben. Wie lange gibt es Engerling schon?

Wolfram Bodag: Seit 1975.

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Wer ist denn von der Urbesetzung noch dabei?

Bodag: Heiner Witte an der Gitarre und ich, Wolfram Bodag, Klavier und Gesang. Das war ja damals ein Kommen und Gehen. Der Trommler ist zum Beispiel in den Westen gegangen. Der Bassist hat dann auch einen Ausreiseantrag gestellt. Dann ist einer zu Karat gegangen, weil ich mir die Finger gebrochen hatte und wir deswegen mal aufhören mussten.

Und wer bildet die aktuelle Besetzung?

Bodag: Neben Heiner Witte und mir spielen Hannes Schulze – mein Sohn – am Schlagzeug und Manfred Pokrandt am Bass.

In der „Melodie und Rhythmus“ vom Oktober 1979 lese ich, dass Sie bei der Armee angefangen haben, Musik zu machen. Bei anderen Musikern war dagegen nach der Einberufung die künstlerische Karriere unterbrochen.

Bodag: Es gab da eine Tanzkapelle, in die ich eingestiegen bin. Wir haben jedes Wochenende in Storkow gespielt. Da haben wir richtig Geld verdient.

Und später kamen dann die Konzerte. Können Sie sich noch an das erste erinnern?

Bodag: Und ob, das war 1975 in Blankenfelde. Ich glaube in einem ehemaligen Kino. Unser damaliger Chef, Herbert Junck, stammte aus Mahlow. Wir hatten unser Konzert gespielt. Als wir fertig waren, haben die Leute gerufen „Zugabe, Zugabe“. Aber wir hatten nur die Titel für die anderthalb Stunden, die wir schon gespielt hatten. Da haben wir das ganze Konzert eben wiederholt.

Wer kommt heute zu Ihnen in die Konzerte. Man sieht ja nicht mehr so viele Leute mit grünen Parkas rumlaufen wie vor 35 Jahren.

Bodag: Das sind schon Ältere heutzutage. Aber zum Teil bringen sie auch ihre Kinder mit. Die Älteren sind durchaus die, die früher mit Parka rumliefen. Aus einigen ist ja doch was geworden, sind nicht alle in der Gosse gelandet. (lacht) Einige sind richtig zu Geld gekommen. Wir werden oft zu runden Geburtstagen eingeladen, zum 50. oder 60. Und dann gibt’s auch Leute, die haben sich bei Engerling kennengelernt und engagieren uns zu ihrem Hochzeitstag. Die bezahlen richtig und dann spielen wir da.

Kann man als deutsche Bluesband mit eigenen Sachen noch in irgendwelche Charts kommen wie Engerling damals mit „Mama Wilson“ oder können Musiker wie Sie nur von den alten Hits leben?

Bodag: Charts? Nein, das glaube ich nicht. Also: Wenn wir 20 Jahre jünger wären und besser aussehen würden, es ein bisschen moderner klingen lassen würden – dann würde es vielleicht wieder gehen. Manchmal gibt es ja ein Bluesrevival.

Haben Sie es noch versucht, mit ganz neuen Kompositionen?

Bodag: Die letzte Studioplatte ist schon ein Weilchen her. Das waren aber keine ausgesprochenen Bluesnummern. Es ging etwas rockiger zu, auch Balladen waren dabei. Jetzt machen wir gerade wieder ein paar neue Lieder. Und dann sind wir ja noch die Begleitband von Mitch Ryder. Der macht ja ständig Platten.

Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Mitch Ryder? Ist der Rockmusiker aus den USA auf Sie zugekommen oder Sie auf ihn?

Bodag: Das ging über den Europa-Manager von Mitch Ryder. Der stammte aus Hamburg. Und unser Manager, der Gert Leiser – unser Direktor, sagen wir immer –, der hat den 1988 kennengelernt. Da war Mitch Ryder im Palast der Republik. Dieser Manager hatte einen Klub in Hamburg. Im Herbst 1989 haben wir dort gespielt und der Manager ist aus allen Wolken gefallen, wie gut Engerling Mitch-Ryder-Lieder gecovert hat. Mitch hatte in Amerika immer eine eigene Band. Die konnte, als sie 1992 nach Europa kam, nur die Titel des US-Repertoires spielen, also die klassischen 60er-Jahre-Rock’n’Roll-Nummmern von Mitch und nicht das europäische Material. Es gab Ärger mit der Plattenfirma, der Agentur und Veranstaltern. So hat man sich dann gesagt: Warum sollen wir Amerikaner einfliegen, wenn es in Berlin eine Band gibt, die das besser kann? Und so ging es 1994 los. Wir haben vier Studio- und drei Live-CDs produziert.

Und das geht so weiter?

Bodag: Ja, so lange Mitch lebt. Er ist ja nun schon Ende 60. Nächstes Jahr feiern wir 20 Jahre Engerling und Mitch Ryder.

In Teltow spielt außer Engerling auch die Pass Over Blues Band. Spielen Sie nacheinander oder miteinander.

Bodag: Nacheinander. Aber wenn die technischen Voraussetzungen es zulassen, machen wir auch gern eine Nummer zusammen, eine Session.

Ihr Manager hat mir gesagt, kann sein, dass ich Boddie telefonisch schwer erreichen werde, weil er auf dem Fahrrad sitzt. Sie wollten mal Radrennfahrer statt Musiker werden. Stimmt das?

Bodag: Ich bin schon Radrennen gefahren, im Alter von 14 bis 18 Jahren. Dann kam die Musik und es wurde schwieriger. Wenn man Sonnabendabend bis früh um zwei unterwegs ist, kann man nicht am Sonntag um zehn Radrennen fahren. Das habe ich nicht geschafft. Aber auf dem Rad kamen mir immer gute musikalische Ideen. Ich habe im Rhythmus irgendwelche Melodien gepfiffen und auch gesungen. Wenn ich etwas gut fand, habe ich angehalten und Noten notiert.

Radfahren fördert also die Kreativität.

Hinweis: Ja klar, ich hab’ am Lenker eine Tasche mit einer durchsichtigen Folie, in die man normalerweise eine Landkarte steckt. Da kann man auch ein Textheft reinschieben und Texte auswendig lernen beim Fahren, wenn die Strecke langweilig ist.

Wir haben jetzt noch Platz für ungefähr fünf Zeilen. Was müssen wir den Leuten noch mitteilen?

Bodag: Wir hoffen, dass nach Beelitz und Teltow viele Leute kommen. Wir kommen auf jeden Fall mit viel Spaß.

Konzert in Beelitz, Kunsthaus Schnürpel, Treuenbrietzener Straße 17, am 10. Mai, 19.30 Uhr; Konzert in Teltow zusammen mit Pass Over Blues am 7. Juni, Ernst-von-Stubenrauch-Saal, Marktplatz 1–3

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