Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Ausflugslokal vor dem Aus
Lokales Potsdam-Mittelmark Ausflugslokal vor dem Aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 22.03.2018
Zu Beginn des Jahres wurde das 20-jährige Bestehen der Wiesenburger Schlossschänke „Zur Remise“ gefeiert. Ende März will Wirt Uwe Zimmermann die Lichter löschen. Quelle: Dirk Fröhlich
Anzeige
Wiesenburg

Ohne genügend Köche bleibt die Küche kalt. Deshalb scheint das Schicksal der Schlossschänke „Zur Remise“ besiegelt und eines der Flaggschiffe der hiesigen Ausflugsgastronomie droht, auf Grund zu laufen. Uwe Zimmermann jedenfalls wirft den persönlichen Rettungsanker. Er hat seinen Pachtvertrag für das Lokal direkt am Schlosspark zum 31. März gekündigt. „Zu den Bedingungen, wie sie jetzt herrschen, wäre es nicht zuletzt der Belegschaft gegenüber verantwortungslos, das Geschäft fortzuführen“, bestätigt der Wirt im Gespräch mit der MAZ.

Arbeitsagentur kann nicht helfen

Gemeint ist damit der Engpass am Herd. Von zwei angestellten Köchen ist einer über längere Zeit erkrankt. Seit fast einem Jahr wird indes vergeblich nach zusätzlichem Personal, einschließlich Auszubildende, gesucht. „Vom Interessenverband Dehoga bis hin zu Leihagenturen – alle müssen bei der Nachfrage passen“, schildert Uwe Zimmermann das Ergebnis. Marko Wilke von der Arbeitsagentur-Geschäftsstelle Bad Belzig bestätigt die angespannte Lage. Sieben Köche für das À-la-carte-Geschäft werden seiner Aussage nach im Hohen Fläming gerade gesucht. Bestenfalls zwei System-Gastronomen gebe es jedoch derzeit zu vermitteln.

Anzeige

Dabei spielt nach Aussage von Uwe Zimmermann die Höhe der Bezahlung nicht die größte Rolle. Die Aussicht, zwischen Ostern und Oktober sowie mehr am Abend und am Wochenende mit Spitzenbealstungen arbeiten zu müssen, sei für Köche aber alles andere als attraktiv. Erst recht auf dem Lande. Geregelte familienfreundliche Arbeitszeiten könnten freilich nicht geboten werden.

Nachricht verbreitet sich wie Lauffeuer

Tatsächlich ist die vor etwas mehr als 20 Jahren eröffnete Wiesenburger Schlossschänke zumindest bei den Gästen längst eine gute Adresse – nicht nur in der Saison. Reisebusse steuern sie zu jeder Jahreszeit an, Kulturprogramme locken Publikum und nicht zuletzt sind Familienfeiern gebucht. „Deren Akquise hat ja den Sinn, auch die Zeit zu überstehen, wenn die Touristen nicht in Scharen strömen“, so der Gastwirt. „Wenn das Personal nicht so gehalten werden könnte, wäre es nämlich im Winter weg“, so der 53-Jährige. Neben ihm gibt es noch vier angestellte Servicekräfte, die jetzt fristgerecht gekündigt worden sind und mehrere Aushilfen.

Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer im Ort herumgesprochen und für Bestürzung gesorgt. Denn eigentlich war langfristig beabsichtigt, dass Zimmermanns Tochter Juliana und Schwiegersohn Steven Wolf im Unternehmen nachfolgen. Doch als Eltern von zwei kleinen Kindern ist der Betrieb der Remise nicht mehr ihre Perspektive, wie sie jetzt im Familienrat entschieden haben. „Das Risiko, ohne die nötigen Mitstreiter, den Laden womöglich nicht mehr am Laufen halten zu können, werde ich kurz vor der Rente nicht eingehen“, erklärt der Wirt.

Kommune sucht Betreiber

So ist derzeit unklar, wie es nach dem Frühjahr weitergehen wird. Die Kommune als Eigentümerin des Gebäudes in bester Lage hat den Betrieb ausgeschrieben. „Kommt jemand mit neuer Energie, mit neuen Ideen, soll er sich versuchen“, sagt Uwe Zimmermann. Sollte auf seine Erfahrung gezählt werden, sei er bereit, sie einzubringen.

Für eine ganze Reihe an Feiern im kommenden Jahr liegen bereits Reservierungen vor. Der kulturelle Veranstaltungskalender reicht noch bis März 2018. Soll es in dem Gasthaus weitergehen, werden aber so oder so Köche gebraucht.

Von René Gaffron