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Potsdam-Mittelmark Anwohner außer Gefahr, Löscharbeiten dauern an
Lokales Potsdam-Mittelmark Anwohner außer Gefahr, Löscharbeiten dauern an
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18:52 27.07.2018
in Wasserwerfer der Polizei löscht am Rande eines Waldgebietes auf der Autobahn. Der Waldbrand bei Potsdam ist zwar erstmal unter Kontrolle, der Kampf gegen die Flammen geht aber unvermindert weiter. Quelle: Christian Pörschmann
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Potsdam

Rund 250 Feuerwehrleute haben am Freitag gegen den Waldbrand bei Potsdam weiter angekämpft. Dabei waren auch Löschpanzer und ein Hubschrauber der Bundeswehr im Einsatz. Zwar gebe es derzeit keine Gefahr mehr für die Ortschaft Fichtenwalde, teilte das Innenministerium mit. Die weitere Entwicklung hänge aber stark vom Wetter ab.

Ein Waldbrand hat am Donnerstag für Sichtbehinderungen auf der A9 gesorgt. Die Autobahn wurde gesperrt.

Der Waldbrand unweit der Spargelstadt Beelitz (Potsdam-Mittelmark) führte auch am Freitag zu massiven Staus. Am Vormittag waren noch die A9 vom Dreieck Potsdam in Richtung Süden und die A10 vom Dreieck Werder bis zum Dreieck Potsdam gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Damit war auch die wichtige innereuropäische Ost-West-Achse weiter nicht befahrbar. Auto- und Lastwagenfahrer wurden gebeten, den Bereich weiträumig zu umfahren. Erst am Nachmittag konnte die A10 komplett freigegeben werden.

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Die Ereignisse des Freitags zum Nachlesen:

Löscharbeiten die ganze Nacht

Die ganze Nacht und am Freitag waren etwa 250 Feuerwehrleute im Einsatz. Gefahr drohte nicht nur durch die Hitze des Brandes, sondern auch noch durch vermutete Munition aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. Im grellen Scheinwerferlicht tastete sich deshalb auch ein Löschpanzer durch den trockenen Kiefernwald, um Glutnester auszulöschen. Tagsüber spritzte ein Wasserwerfer der Polizei direkt von der gesperrten Autobahn aus Wasser in den Wald. Und die Bundeswehr half mit einem Hubschrauber, der jeweils 5000 Liter Wasser auf die Flammen werfen konnte.

Seit Donnerstag sind die Einsatzkräfte bei Fichtenwalde im Dauereinsatz. Tag 2 der Rettungsarbeiten in Bildern.

Die zunächst angedachte Evakuierung der Ortschaft Fichtenwalde wurde noch am Donnerstagabend abgesagt. „Die Gefahr ist erstmal gebannt“, sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU). Am Freitag gab es dann endgültige Entwarnung, der Brand wurde unter Kontrolle gebracht, die Anwohner waren außer Gefahr.

Fichtenwalde, ein Ortsteil der für ihre Spargel bekannten Stadt Beelitz, zählt rund 2800 Einwohner. Von einer Evakuierung wären laut Ortsvorsteher Tilo Köhn etwa 200 bis 300 Bewohner betroffen gewesen.

Der Waldbrand hatte umfangreiche Autobahnsperrungen notwendig gemacht - sowohl an der Autobahn 9 von Berlin nach Leipzig als auch zeitweise am Berliner Ring, wie die Polizei mitteilte. Am späten Abend meldete die Polizei, die Fahrbahn in Richtung Berlin sei wieder freigegeben worden. „Die Gegenrichtung bleibt aber nach wie vor gesperrt.“ Eine Sperrung gebe es auch noch auf der A10. Die Staus zogen sich bis zur Autobahn 2, die Magdeburg mit Berlin verbindet.

Nach Angaben des Vize-Landrats versorgten am Abend Helfer des THW Autoinsassen, die teils stundenlang im Stau steckten. Auch die Potsdamer Innenstadt war am Abend weitgehend dicht. Die Sperrungen wurden notwendig, weil dichte Rauchschwaden eine Gefahr darstellten. Zudem sollte der Weg für die Einsatzkräfte frei gehalten werden.

Das Innenministerium in Potsdam hatte einen Krisenstab eingerichtet, wie Sprecher Ingo Decker mitteilte. Die Federführung liege aber weiter beim Landkreis. Das Besondere an dem Feuer sei, dass eine Ortschaft und eine große Autobahn angrenzten. Es sei deshalb nicht mit Bränden in jüngster Zeit auf ehemaligen Truppenübungsplätzen vergleichbar, die meist abgelegen sind.

Schon mehr als 230 Brände in Brandenburg

2018 könnte ein Jahr mit überdurchschnittlich vielen Bränden in Brandenburg werden. Das Land hat in viel Technik investiert, doch das Personal bei den Feuerwehren wird knapp.

Nach Angaben des Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel war das Feuer aus unbekannter Ursache an der Autobahn 9 entstanden. Anschließend habe es sich westlich vom Beelitzer Ortszentrum rasend schnell ausgebreitet. Zunächst war von rund 90 Hektar betroffenem Wald die Rede.

Bereits seit Tagen herrscht in weiten Teilen Brandenburgs höchste Waldbrandgefahr. Auch am Freitag sei flächendeckend mit einer sehr hohen Gefahr zu rechnen, sagte Engel.

Abkühlung ist vorerst nicht in Sicht: In Berlin und Brandenburg soll es auch am Freitag wieder hochsommerlich heiß werden. Die Temperaturen können in der Region auf bis zu 34 Grad klettern, wie der Deutsche Wetterdienst auf seiner Internetseite mitteilte.

Von Rochus Görgen