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Bad Belzig Mehr Einwohner als prognostiziert
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Mehr Einwohner als prognostiziert
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07:00 09.11.2018
Die Kindertagesstätten im Hohen Fläming sind entgegen anderslautender Prognosen vielerorts gut gefüllt. Hier genießen Kinder der Bad Belziger Kita „Lindenzwerge“ das Frühstück. Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

Die Bevölkerung Bad Belzigs schrumpft bis zum Jahr 2030, besagt eine Prognose des Landesamtes für Bauen und Verkehr (LBV). Leben gegenwärtig 11.282 Menschen in der Kreisstadt, sollen es in zwölf Jahren lediglich 9.173 sein. Die Zahlen werden kritisiert. „Die Brandenburger Landesregierung muss endlich auf den Zuzug und auf veränderte Bevölkerungsentwicklungen im Hohen Fläming reagieren“, sagt der CDU-Stadtverordnete Tobias Paul. Die Prognosen unterscheiden sich erheblich. So sagt das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung hervor, dass im Jahr 2030 auch 11.391 Menschen in Bad Belzig leben können.

Bevölkerungszahlen höher als prognostiziert

Die Vorausschätzungen des LBV haben sich in Bad Belzig, Treuenbrietzen sowie im Amt Brück nicht bewahrheitet. Hier lebten am 31. Dezember 2017 vier Prozent mehr Menschen, als vorhergesagt. „Unsere Zahlen sind höher, und sie werden noch weiter steigen“, sagt Marion Jahn vom Fachbereich Bauen und Ordnung in Brück. Durch die niedrigeren Prognosen seien Probleme bei Kita-Anmeldungen entstanden. „Die Kindertagesstätten in Brück sind voll, jetzt müssen die Planungen des Amtes überdacht werden, um ausreichend Kitaplätze anbieten zu können“, sagt Jahn weiter. Sie habe die Zahlen des LBV lange angezweifelt. „Vom theoretischen Stuhl aus kann man viel schreiben, ich weiß auch nicht, was die getrieben hat“, sagt Jahn weiter. Sie freut sich, dass die Nachfrage nach Wohngebieten in Borkheide und Borkwalde beständig wachse. „Wir haben dort Investoren, die täglich Freiflächen verkaufen, junge Familien wollen hierher“, äußert Jahn.

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Schwierigkeiten bei der Vorhersage

Auf MAZ-Anfrage hat sich das LBV geäußert. So beruhe die 2015 veröffentlichte Bevölkerungsvorausschätzung auf den Bevölkerungszahlen des Jahres 2013. Aktuellere, landesweite Bevölkerungsstände waren laut Doreen Stierwald vom Dezernat für Organisation, IT und Verwaltungsmodernisierung „nicht verfügbar.“ Sie spricht auch von größeren Schwierigkeiten bei der Erstellung der Vorausschätzungen. „Je geringer die Einwohnerzahl der untersuchten Raumeinheit ist, desto stärker können regionale Besonderheiten wie überdurchschnittliche Zu- bzw. Fortzüge aufgrund von Ansiedlung beziehungsweise Verlagerung von Unternehmen, Gemeinschaftsunterkünfte von Flüchtlingen, Ausweisung neuer Wohnbauflächen oder Seniorenwohnanlagen die demografische Entwicklung beeinflussen“, schildert Stierwald weiter.

Tobias Paul betont die Bedeutung der Zahlen für die finanzielle Ausstattung der Kommunen. „Auf dieser Grundlage wurden in Treuenbrietzen sowie in Brück Kita-Plätze abgebaut, Bus- und Zugverbindungen gekürzt und in Bad Belzig die Karl-Liebknecht-Grundschule geschlossen“, äußert der Christdemokrat.

Maßnahmen für die Attraktivität der Region

Prognosen hält Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang für schwierig. „Das ist immer auch ein Blick in die Glaskugel“, sagt das Stadtoberhaupt. Um die Attraktivität des Hohen Flämings zu gewährleisten und zu garantieren, ist für ihn der Erhalt von nach Tarif bezahlten Arbeitsplätzen in der Kreisverwaltung wichtig. „Auch für junge Menschen, die ihre Familien hier groß ziehen wollen. Weil sich der Arbeitnehmermarkt gedreht hat, wird auch nicht mehr jeder Arbeitnehmer bereit sein, 100 Kilometer und mehr zum Arbeitsplatz zu fahren“, sagt Leisegang weiter.

Der Bad Belziger Tobias Paul äußerte, dass die soziale Infrastruktur für Zuzügler aus Großstädten ausgebaut werden müsse. „Bauland, Kindergärten und Schulen sind die größten Kriterien für junge Familien, sich in unserer Region niederzulassen“, sagte Paul.

Neue Zahlen will das LBV jetzt Ende November 2018 veröffentlichen. „In der demnächst erscheinenden aktualisierten Bevölkerungsvorausschätzung des LBV sind von uns absehbare positive demografische Trendentwicklungen auch für die Kommunen im Hohen Fläming berücksichtigt“, äußert das Amt auf MAZ-Anfrage weiter.

Von André Großmann