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Bad Belzig An der Spitze der digitalen Offensive
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig An der Spitze der digitalen Offensive
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06:41 26.04.2018
Hauptsache Datenempfang: Coconat auf Gutshof Glien – Janosch Dietrich unterstützt Bad Belzig auf dem Weg zum Smart Village. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Die Einzelhändler in der historischen Altstadt sollen das Internet nicht länger als Konkurrenz fürchten. „Wenn es den Gewerbetreibenden dort gelingt, eine gemeinsame Internetplattform zu installieren und tagesaktuell ihre Waren in die Umgebung zu liefern, bleiben Umsatz und Steuern im Ort und müssen nicht in die Kasse der Branchenriesen fließen“, sagt Tobias Paul (CDU). Der Bad Belziger Stadtverordnete hat recht klare Vorstellungen, welche Möglichkeiten im technischen Fortschritt stecken. Unterricht per Smartphone oder ferngesteuerte Straßenbeleuchtung.

Sieg unter elf Bewerbern

Wenn so etwas demnächst funktioniert, dann am ehesten in Bad Belzig. Denn die Kur- und Kreisstadt übernimmt die Vorreiterrolle, wenn Chancen und Risiken der Digitalisierung des Alltags auf dem Lande erprobt werden und wird ab sofort zur märkischen Modellgemeinde. Die 12 000-Einwohner-Kommune hat sich in einem von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) ausgelobten Wettbewerb gegen zehn Städte und Gemeinden durchgesetzt, die ebenfalls gern „Smart Village“ werden wollten. Eine Jury mit Vertretern von Verwaltung, Technologie und Medien der Region, darunter MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa, hat ihren Favoriten gekürt.

Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) nahm das Ergebnis mit großer Freude auf. „Ich bin davon überzeugt, dass eine vielfältige moderne und Medienlandschaft ein wichtiger Baustein in einem funktionierendem Gemeinwesen ist“, sagte er.

Partner aus dem Gutshof Klein Glien

Bei der Bewerbung stand das Coworking-Projekt Coconat, hilfreich zur Seite. Seit reichlich einem Jahr ist es im Gutshof Klein Glien ansässig, bietet dort Arbeitsplätze für digitale Nomaden aus aller Welt. Deren Erfahrungen und Ansprüche, die Integration von etablierten Medienschaffenden und nicht zuletzt die Nutzung vor Ort bewährter Strukturen und Abläufe, sieht Geschäftsführer Janosch Dietrich jedenfalls als reizvolle Herausforderung.

„Tourismus und Gesundheitswesen könnten besonders profitieren“, glaubt der Jungunternehmer. Eine gute Ausgangsbasis für den Hohen Fläming wurde ihm und den Mitstreitern schon bescheinigt.

Die genaue Ausgestaltung des Projekts, einschließlich finanzielle und personelle Ausstattung, ist noch offen. Sie soll bei einem Auftakttreffen in einigen Wochen noch näher geklärt werden. Ausdrücklich mit eingeladen sind demnach die Nachbarkommen.

Ausbildung und Stipendium stehen in Rede

Die Medienanstalt Berlin und Brandenburg ist in den beiden Bundesländern für Medienkompetenz und -ausbildung verantwortlich.

Dazu gehören auch Projekte für neue Übertragungstechniken.

Mit dem jetzt beendeten Wettbewerb und der Benennung von Bad Belzig als Smart Village soll der Fokus auf die Perspektiven auf dem Lande gerichtet werden. In einer Auftaktberatung sollen die Inhalte noch definiert werden. Die Dauer ist ebenfalls noch offen.

Ein crossmediales Ausbildungsprojekt, ein Stipendium für ein journalistisches Volontariat und intergenerative Medienkompetenzprojekte sind etwa geplant.

„Wir können die Impulse von außen sehr gut gebrauchen, um attraktiv als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu sein“, sagt Marco Beckendorf (die Linke). Der Bürgermeister der Gemeinde Wiesenburg/Mark erinnert daran, dass der Lückenschluss bei der technischen Infrastruktur an der Peripherie des Kreises Potsdam-Mittelmark gerade auf dem Wege ist. „Dann gilt es die Potenziale auszuschöpfen, beispielsweise indem Verwaltungsdienstleistungen digitalisiert werden.“

„Die Beantragung von Ausweisen oder die Genehmigung von Traditionsfeuern muss dann kein Behördengang mehr sein“, erklärt auch Tobias Paul. Und dort, wo beispielsweise rechtliche Grundlagen noch die Entwicklung bremst, könnte seiner Auffassung nach der Landesregierung schnell der Änderungsbedarf deutlich gemacht werden, hofft der in dem Metier engagierte Lokalpolitiker.

Von René Gaffron

Die Landesregierung will die Digitalisierung in den nächsten Jahren kräftig vorantreiben. Doch wie digitale Dienste den Alltag der Menschen vor Ort erleichtern? Ein Projekt der Medienanstalt Berlin-Brandenburg will das herausfinden – und macht Bad Belzig zum „Smart Village“.

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