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Bad Belzig Asylquartier am Dorfrand überraschend verlängert
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Asylquartier am Dorfrand überraschend verlängert
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16:05 30.10.2019
Das Asylheim Kuhlowitz bleibt ein Jahr länger in Betrieb als geplant. Dort lebt auch Saleem Usmani, hier im Gespräch mit Sozialarbeiterin Irene Peuker. Quelle: Thomas Wachs
Kuhlowitz

Das Vertrauen in die Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark ist stark beschädigt. Die Einwohner des Bad Belziger Ortsteiles Kuhlowitz/Preußnitz fordern, dass das Übergangswohnheim für Geflüchtete am Rande von Kuhlowitz geschlossen wird, wie zugesagt.

Von Landrat Wolfgang Blasig (SPD) und zuständigen Mitarbeitern seiner Verwaltung erhielten die Kuhlowitzer am Dienstagabend erneut ein Versprechen. Dieses möchte der Landrat nun auch in einem persönlichen Brief an Ortsvorsteher Candy Schulze schriftlich manifestieren.

Bei einer Bürgerversammlung in Kuhlowitz informierten Landkreis und Verein SAM über die Pläne, das Asylheim im Dorf noch ein Jahr länger zu betreiben. Quelle: Thomas Wachs

Ursprünglich war vorgesehen, das 2015 für 20 Personen als Provisorium eingerichtete Asylquartier zum Ende dieses Jahres komplett aufzugeben. Der Mietvertrag war bereits gekündigt. Nun wurden die Bürger und die inzwischen 90 Heimbewohner von einer Verlängerung um ein Jahr überrascht.

Bürgerversammlung stark besucht

Während einer stark besuchten Bürgerversammlung im Hotel Paulinen Hof versprachen Vertreter der Kreisverwaltung sowie des Vereins Soziale Arbeit Mittelmark (SAM) als Träger des Asylquartiers am Dienstagabend, dass die Einrichtung Ende des nächsten Jahres komplett geschlossen wird. Bis dahin werde das Gebäude auf dem einstigen LPG-Gelände und dem späteren Sitz des Arbeits- und Ausbildungsförderungsvereins aber noch dringend benötigt, um dem Landkreis zugeteilte Flüchtlinge unterzubringen. Das machte Sozialdezernent Bernd Schade klar.

Das Interesse war große bei der Bürgerversammlung in Kuhlowitz. Quelle: Thomas Wachs

Vorgesehen sei aber, die Kapazität in Kuhlowitz schrittweise zu reduzieren. Aktuell werden 90 Personen betreut – ausschließlich Männer verschiedener Nationen. Bis Juni 2020 soll die Belegung auf 60 und bis Ende September auf 30 Plätze reduziert werden. „Eine Verlängerung wird es nicht geben“, bekräftigte Landrat Blasig mehrfach in der Bürgerversammlung. Er dankte den Dorfbewohner für die bisherige Toleranz.

Ortsbewohner haben kein Vertrauen

Auf diese neue Zusage freilich vertrauen die Ortsbewohner noch nicht. Denn sie hätten in den zurückliegenden Jahren bereits mehrfach Versprechungen erhalten, dass dieses Flüchtlingsquartier im Dorf mit gut 100 Einwohnern bereits vom Netz gehen sollte. Das machten verschiedene Redner in der Bürgerversammlung klar. Probleme bei sanitären Verhältnissen, Sicherheit, Brandschutz und fehlenden Freizeitmöglichkeiten werden gesehen.

Der Landkreis will das Asylheim in Kuhlowitz noch ein Jahr länger betreiben. Ortsvorsteher Candy Schulze sieht das kritisch. Quelle: Thomas Wachs

„Wir fürchten, dass es auch nach 2020 zu einer nochmaligen Verlängerung kommen könnte aus den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre“, sagte Ortsvorsteher Candy Schulze der MAZ. Verhindern wollen die Dorfbewohner, „dass es doch noch zu Konflikten kommen könnte, die es bisher hier nicht gegeben hatte“. Die ungeeigneten Bedingung könnten dazu führen, dass Frust und Aggressionen unter den Männern im Heim steigen.

90 Geflüchtete und 100 Einwohner

„Ich würde dort am Abend nicht mehr vorbei laufen – auch nicht wenn dort 90 deutsche Männer unter diesen Bedingungen wohnen würden“, sagte eine Dorfbewohnerin in der Versammlung. Eine andere Einwohnerin erinnerte an Integrationsprojekte der Dorfgemeinschaft aus der Anfangszeit, als noch um die 20 Personen – meist Familien – in Kuhlowitz einquartiert waren. Nun sei die Belegung aber zu stark im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

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Auch für die Geflüchteten selbst sei die Situation in dem abgelegenen Heim ohne Busanbindung oder ähnliche Infrastruktur, um nach Bad Belzig zum Sprachkurs, zum Einkaufen oder zum Bahnhof zu kommen, nicht ideal. Das räumte Johannes Blatt, der zum Jahresende ausscheidende SAM-Geschäftsführer, ein. Der Verein wolle die Situation entspannen, indem wieder ein Bushuttle eingerichtet und Unterstützung bei der Gestaltung der Zimmer geleistet werde.

„Wie ein Gefängnis im Wald“

Auch die Bewohner hätten sich schon auf ein Ende des gut sechs Kilometer von Bad Belzig entfernten Quartiers am Waldrand gefreut, erzählte Blatt. So auch Saleem Usmani aus Afghanistan. Der 25-Jährige ist seit fünf Jahren in Deutschland und lebte bis vor kurzem im Brücker Asylheim. „Hier ist es wie ein Gefängnis im Wald“, sagt er über das Kuhlowitzer Heim. Zu weit sei der Weg nach Bad Belzig zum Einkaufen. Nach einer Beschäftigung in Linthe und einem Praktikum ist seine Arbeitserlaubnis nicht verlängert worden. Nun gebe es Langeweile und mit 350 Euro Sozialleistung kaum Möglichkeiten, sagte er der MAZ.

In Kuhlowitz soll das Asylheim noch ein Jahr länger betrieben werden als geplant. Quelle: Thomas Wachs

„Ganz und gar nicht ideale Bedingungen“ räumte auch die Kreisverwaltung ein. Bernd Schade verwies jedoch auf neue Anforderungen an den Landkreis. Dieser habe nun ein zusätzliches Kontingent von Flüchtlingen unterzubringen, „nachdem wir im vorigen Jahr damit pausiert hatten, weil andere Landkreise mehr aufnehmen konnten“, so der Sozialdezernent. Bis Ende des nächsten Jahres rechnet er mit insgesamt rund 400 Personen, die zusätzlich unterzubringen seien.

Acht Heime in Betrieb

Aktuell betreut der Landkreis Potsdam-Mittelmark rund 1700 Asylbewerber.

Sie lebe in acht Heimen sowie in Wohnungen mit insgesamt 236 Personen.

Einquartiert sind in Bad Belzig 224 Personen.

In Neu Seddin gibt es Kapazität für 184 Personen.

In Teltow stehen in zwei Quartiere je 140 Plätze und in Stahnsdorf 300 zur Verfügung.

Neue Unterkünfte geschaffen wurden seit 2017 in Werder/Havel sowie in Michendorf mit jeweils 240 Plätzen.

Als größter Landkreis mit 8,6 Prozent der Bevölkerung Brandenburgs müsse Potsdam-Mittelmark auch 8,6 Prozent der zugewiesenen Geflüchteten aufnehmen. Für 2019 gebe es ein Soll von 841 Personen.

Kreis sucht neue Quartiere

Jedoch waren Kapazitäten bereits runtergefahren und zwischenzeitlich als Notquartiere genutzte öffentliche Gebäude wieder frei gemacht worden. Auch aus baurechtlichen Gründen, wie im Brücker Lager mit Blechhütten im Gewerbegebiet. Andererseits seien auch neue Einrichtungen geschaffen worden – wie in Werder und Michendorf – sowie Immobilien gekauft worden – wie in Beelitz oder Deetz.

Investiert werden soll nun auch in Bad Belzig. Dort werde auf dem Gelände des Flüchtlingsheims am Weitzgrunder Weges ein zusätzlicher Bau errichtet, um 170 Personen am Standort unterzubringen, kündigte Bernd Schade an. Auch in Teltow seien 66 neue Plätze geplant. Weitere 100 Personen sollen über ein SAM-Projekt in Wohnungen vermittelt werden.

Von Thomas Wachs

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