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Bad Belzig Eltern demonstrieren für mehr Erzieher
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Eltern demonstrieren für mehr Erzieher
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20:45 29.07.2019
Dana Nobel (links) und Anne Winter gehören zu den Verfasserinnen des Aufrufs zur Eltern-Demonstration. Sie fordern mehr Personal für die Tagesstätte "Tausendfüßler" in Bad Belzig Quelle: René Gaffron
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Bad Belzig

Die mit 220 Plätzen größte Kinderbetreuungseinrichtung im Hohen Fläming ist nicht angemessen mit Personal ausgestattet. Das schätzt der Elternbeirat der TagesstätteTausendfüßler“ ein und hat deshalb zu einer Demonstration aufgerufen. Sie soll in einer Woche unter dem Motto „Mehr Große für die Kleinen“ stattfinden.

Die Organisatorinnen Clara Mnich, Anne Winter, Heidi Schmidt und Dana Nobel hoffen auf möglichst viel Unterstützung aus den betreffenden Familien. Sie wünschen sich die Schaffung von zwei neuen Stellen und noch Maßnahmen zur Entlastung des Kollegiums –beispielsweise mit Praktikanten, Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres und fristgerechten Ausschreibungen.

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„Alltag als Belastungsprobe“

Der seit 2013 gültige Rechtsanspruch auf Betreuung für Jungen und Mädchen im Alter ab einem Jahr kann nach Auffassung der Mütter und Väter im Klinkengrund nicht korrekt durchgesetzt werden. „Während immer mehr Kinder immer früher und länger betreut werden, die Aufgaben für die Erzieher umfangreicher werden, ist der Alltag im Hause zur Belastungsprobe geworden“, heißt es in einem jetzt verbreiteten Brief. „Die Mindestpersonalstärke wird nicht erreicht“, lautet die bittere Erfahrung.

Die Kritik der Elternvertretung richtet sich gegen die Stadt Bad Belzig als Trägerin der Einrichtung. Sie berücksichtige keine Ausfälle wegen Krankheit, Urlaub und Weiterbildung. Erst recht gebe es keinen personellen Puffer, beklagt Dana Nobel als Vorsitzende des jüngst neu formierten Gremiums. „An absoluten Tiefpunkten waren sechs Stellen unbesetzt. Das hatte zur Folge, dass sich mitunter eine Erzieherin um 18 Kinder kümmern musste“, so die Beobachtung.

Einrichtung voll ausgelastet

Vorgeschrieben sind Personalschlüssel von 1:6 bei den Unter-3-Jährigen und 1:12 bei den Vorschulkindern. Derzeit sind 32 Erzieher in der absolut ausgelasteten Einrichtung. Darüber hinaus gehören noch Sozial- und Heilpädagogen zum Kollektiv, die aber nicht in die allgemeine Betreuung eingerechnet werden können, wenn sie fachlich mit den betreffenden Kindern arbeiten.

Protest vor dem Rathaus

Der Protestmarsch der Eltern soll am 6. August starten. Los geht es um 16 Uhr. Treff ist die TagesstätteTausendfüßler“ im Klinkengrund. Von dort geht es zu Fuß zum Rathaus Bad Belzig.

Mit Rasseln, Trommeln und Trillerpfeifen wollen sich die Teilnehmer Gehör verschaffen. Außerdem werden sie Plakate mit ihren Forderungen gestalten.

Dazu zählt neben der Personalaufstockung auch eine Entlastung durch vertraglich festgelegten 14-tägigen Urlaub für Kinder von der Tagesstätte sowie die noch nicht durchgesetzte Versorgung mit Windeln.

„Wenn es der Eindruck der Eltern ist, dass ihre Kinder nicht hinreichend betreut werden, haben sie das Recht, dies zum Ausdruck zu bringen“, sagt Beate Kettler. Sie ist die Leiterin der TagesstätteTausendfüßler“ und will die Entwicklung gegenüber der MAZ nicht näher kommentieren.

Auch die Stadtverwaltung Bad Belzig, wo Heinz Friese als verantwortlicher Amtsleiter im Urlaub weilt, setzt das Fachamt auf „ein klärendes Gespräch“ mit den Verfasserinnen des Demonstrationsaufrufes und will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Monatlicher Abgleich

Kurz vor den Sommerferien, als drei Langzeitkranke und drei Schwangere fehlten, hatte die SPD-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung bereits Anlass zu Nachfragen. Schriftlich hatte das Rathaus versichert, dass stets das erforderliche Personal nach Kindertagesstättegesetz vorgehalten werde. „Zu dem Zweck finden jeden Monat Abstimmungen durch den Vergleich der Kinder- und Mitarbeiterzahlen statt. Treten dabei Differenzen auf, werden umgehend Maßnahmen –zum Beispiel Erhöhung von Arbeitszeiten, Umsetzungen oder Einstellungen - eingeleitet.“ Ansonsten drohe der Entzug der Betriebserlaubnis.

Die Eltern wollen sich damit jedoch nicht zufrieden geben. „Es geht nicht um Ausnahmen, nicht um Versehen, keine organisatorische Fehlplanung oder gar fehlende Leidenschaft für den Beruf“, zitieren sie den Bericht aus einem Fachjournal. Sie wollen in dem Sinne auch keine Debatten über Zeitmanagement oder Rahmenbedingungen führen, sondern dass die Realitäten erkannt und bestmöglich danach gearbeitet wird, sagt Anne Winter und hofft das der Forderung auch zahlreich Nachdruck verleihen wird.

Von René Gaffron