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Bad Belzig Fast Spitzenreiter beim Außenseiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Fast Spitzenreiter beim Außenseiter
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10:35 30.08.2019
Jürgen Hauschke aus Bad Belzig setzt auf vegane Ernährung und will für die V-Partei am 1. September in den Landtag einziehen Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Wenn es um den Erhalt der Erde geht, dürfen keine Kompromisse mehr gemacht werden.„Der Widerstand, der aktuell auf der Straße herrscht, muss in die Parlamente.“ Das wünscht sich Jürgen Hauschke aus Bad Belzig. Er verweist auf die Demonstrationen der Fridays-for-Future-Bewegung. Selbst die Jugend im Hohen Fläming sei beunruhigt, wenn es um ihre Zukunft geht, und deshalb aktiv.

Jürgen Hauschke will am Sonntag gern in den Landtag einziehen. Er bewirbt sich jedoch nicht um das Direktmandat im Wahlkreis 18, zu dem der Südwesten von Potsdam-Mittelmark gehört. Vielmehr steht er auf dem dritten Platz der Landesliste der V-Partei. Er hofft auf die Zweitstimmen, die zwischen Prignitz und Lausitz sowie hierzulande gewonnen werden.

Chancen sind gering

So weit vorn steht bei keiner anderen Liste ein Bewerber aus dem Hohen Fläming. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Außenseitervorschlag wirklich mindestens fünf Prozent der Stimmen erhält und damit den Sprung ins Parlament schafft, ziemlich gering.

Es handelt sich um den Vorschlag der noch jungen Partei, die nach eigenem Selbstverständnis für Veränderung, Vegetarier und Veganer einsteht.Um überhaupt für den Urnengang zugelassen zu werden, mussten sie erst einmal 2000 Unterschriften als Unterstützung einsammeln. „Da gab es mitunter Gleichgültigkeit, aber auch ermutigende Gespräche“, erinnert sich Jürgen Hauschke an die Zeit des Vorwahlkampfes. Beispielsweise beim Demokratie-Fest am Vortag der Europawahl im Mai auf dem Bad Belziger Marktplatz. Damals konnten gleich 30 Unterzeichner aktiviert werden.

Kritik an der SPD

Dass parallel die Tierschutzpartei und die Ökologische Demokratische Partei am Start sind, deutet der Naturfreund allemal als Hinweis auf die Ausrichtung der künftigen politischen Strömungen. „Dass die SPD jetzt die Öko-Fahne in den Wind hängt ist absurd. Sie hat die falschen Entwicklung bis jetzt zu verantworten“, sagt er.

Dem gelernten Baumschulgärtner und Elektromontierer geht aber auch das Engagement der im Aufschwung befindlichen Bündnisgrünen nicht weit genug. „Sie machen viel zu oft Abstriche und Kompromisse – da werde ich mich nicht einreihen“, so der vierfache Vater. Beispielsweise wolle er nicht Waldrodungen zu Gunsten von Windkraftanlagen rechtfertigen. „Es müssen mehr Bäume gepflanzt werden. Das ist die einzige Alternative, um dem Temperaturanstieg entgegen zu wirken.“

Lebensstil verändert

„Am Rande einer beruflichen Fortbildung bin ich von einem Dozenten auf das Thema der Massentierhaltung aufmerksam geworden“, erzählt der Bad Belziger. Die Videos hätten ihn veranlasst,zunächst den eigenen Lebensstil zu verändern. Konsequent wurde zuerst die Ernährung umgestellt. Ganz nebenbei sei das Rückenleiden kein Thema mehr, berichtet der 58-Jährige. Darüber hinaus hätten ihn die Berichte über Klimawandel, aussterbende Flora und Fauna sowie Krebserkrankungen im direkten Umfeld zum politischen Engagement in der Gesellschaft getrieben.

Aus der Vita des Kandidaten

Jürgen Hauschke ist Jahrgang 1961 und in Guben geboren.

Nach der 10-jährigen Schulbildung hat er Baumschulgärtner gelernt.

Aktuell ist er arbeitssuchend.

Er ist zum zweiten Mal verheiratet, hat vier Kinder und acht Enkel.

Die 2016 gegründete V-Partei hat im Land Brandenburg noch weniger als 100 Mitglieder. Jürgen Hauschke ist dort Vorstandsmitglied und Pressesprecher.

Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück am Stadtrand, das ökologisch bewirtschaftet wird, hat Jürgen Hauschke eine Informationsstelle zum Schutz der Natur und einen kleinen Park eingerichtet. Mit Gleichgesinnten aus ganz Deutschland gründete er 2018 die „Initiative für die Natur“ und organisiert zurzeit eine Kundgebung in Lutherstadt Wittenberg im Oktober. Dort soll nicht weniger als die ökologische Reformation des Systems gefordert werden.

Kommunalwahl noch verpasst

Erwogen hatte der ehemalige städtische Angestellte außerdem die Kandidatur bei der jüngsten Kommunalwahl. Dabei sei er an Formen und Fristen gescheitert, räumt Jürgen Hauschke ein. Die für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung nötigen 20 Unterschriften hatten seine Sympathisanten nicht wie erhofft rechtzeitig geleistet. „Ich werde mich aber gewiss noch einmischen“, kündigt er an.

Diese neuen Erfahrungen jedoch und das begrenzte Budget für Wahlkampf hätte beim brandenburgischen Vorstand der V-Partei den Beschluss reifen lassen, erst einmal nur mit der Landesliste anzutreten. Das Gremium, dessen Pressesprecher Jürgen Hauschke ist, hat sich nämlich erst vor einem Dreivierteljahr formiert und ist mitunter inhaltlich wie organisatorisch noch in der Findungsphase, heißt es zur Begründung. Dafür wird dieses eine Ziel nun mit konzentrierter Kraft in Angriff genommen.

Von René Gaffron

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