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Bad Belzig Schicksale jüdischer Familien im Landtagsfoyer
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Schicksale jüdischer Familien im Landtagsfoyer
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06:50 24.02.2020
Die Ausstellung „Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933 – 1945“ war auch in Brück. Jetzt wird sie im Landtag Brandenburg gezeigt. Quelle: Foto: Thomas Wachs
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Potsdam

Die Ausstellung „Jüdisches Leben auf dem Lande von 1933 bis 1945“ ist weiter auf Tournee. Von Dienstag an wird sie im Foyer des Landtages Brandenburg zu sehen sein. Parlamentschefin Ulrike Liedtke (SPD) spricht dort zur Eröffnung.

Zwei Jahre lang hat ein Projektteam des Vereins Belziger Forum die Biografien jüdischer Bürger und Institutionen in Bad Belzig sowie der Umgebung recherchiert. Das überraschende Ergebnis waren teils bisher unbekannte Fotos und Dokumente sowie nicht gehörte Berichte aus der Zeit der Verfolgung jüdischer Mitbürger in der Region.

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Nunmehr wurden zum Zweck der Erinnerung auch schon mehrere sogenannte Stolpersteine vom Kölner Künstler Gunter Demnig im Zentrum der Kur- und Kreisstadt verlegt.

Reichlich Schicksale im Fläming

Zur ersten kurzen Ausstellung im August/September 2018 in Bad Belzig betrachteten schon fast 1500 Interessierte die Exposition in der Marienkirche. Sie besteht aus 18 Stelltafeln und schildert die Schicksale von jüdischen Bürgern wie zum Beispiel Dagobert Bornheim, von Rechtsanwalt Herbert Loewy sowie den Familien Sachs, Müller und Rippert mit dem später berühmten Sänger Iwan Rebroff. Aus Niemegk kommt Dr. Lion hinzu und aus Görzke Familie Wolff.

Die Präsentation beschreibt aber auch jüdische Institutionen. Dazu gehören die Belziger Lungenheilstätte/Samuel-Bleichroeder-Stiftung, heute Reha-Klinik „Hoher Fläming“, das sogenannte Kaufmannheim am Weitzgrunder Weg, in dem jüdische Freiwillige auf die Ausreise nach Palästina vorbereitet wurden, und jüdische Friedhöfe in Beelitz, Treuenbrietzen und Ziesar oder die jüdische Synagogengemeinde in Beelitz, die auch für Belzig zuständig war.

Erinnerung als Mahnung

„Mit der Ausstellung soll nicht nur eine Lücke in der historischen Regionalforschung geschlossen, sondern auch darauf hingewiesen werden, dass heute in Europa erneut rechtsnationale Strömungen auftreten, die die menschliche Vielfalt einschränken und mit verbalen Äußerungen ein Klima der Feindseligkeit schaffen“, sagt Benjamin Stamer, der die Forschung mit organisiert hat.

Um solche Tendenzen zu erkennen, sei es seiner Meinung nach wichtig, sich daran zu erinnern, was 1933 bis 1945 auch in den ländlichen Regionen der Mark Brandenburg geschehen ist. „Das ist Voraussetzung, um jedem Auftreten von Antisemitismus, Gewalt, Verunglimpfung und Rechtsextremismus zu begegnen“, mahnt er mit Blick auf die jüngsten Geschehnisse in Hanau und Halle (Saale).

Eröffnung der Ausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Raum 1933 – 1945“ am 25. Februar, 18 Uhr, im Foyer des Landtages Brandenburg. Interessierte sind willkommen.

Von René Gaffron