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Bad Belzig Trotz Corona geöffnet: Pandemie schafft Ausnahmesituation an Förderschule
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09:00 26.03.2020
Schülerin Sandra und ihre Betreuerin Jana sind auch in Corona-Zeiten ein eingespieltes Team. Für die Einzelfallhilfe ist es selbstverständlich, auch in der Corona-Pandemie für die Sechsjährige da zu sein. Quelle: Fabian Lamster
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Bad Belzig

Ob Freitage, die auf den 13. Monatstag fallen, tatsächlich Unglückstage sind oder nur zu solchen werden, weil das Datum Menschen nervös macht, ist nicht bekannt. Zumindest für Ines Schönefeldt, stellvertretende Direktorin der Förderschule „Am Grünen Grund“ in Bad Belzig, ist der 13. März – ein Freitag – negativ in Erinnerung geblieben.

Dort legte sich die Landesregierung auf Schulschließungen in Brandenburg infolge der Corona-Pandemie fest. Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ sollten hingegen ihren Betrieb fortsetzen.

 

Zusammen mit Direktorin Verena Krauel ist Ines Schönefeldt auch in Zeiten der Corona-Pandemie täglich in der Förderschule. Sie ist froh, dass sich nach der anfänglichen Hektik auch in der Ausnahmesituation Routinen bilden. Quelle: Fabian Lamster

„Über Stunden stand das Telefon nicht mehr still“, erinnert sich die 59-Jährige. Verunsicherte Eltern suchten bei ihr Antworten darauf, was diese Entscheidung für ihr Kind bedeutet.

Förderschule setzt normalen Schulbetrieb nicht fort

Verena Krauel, seit Anfang Februar Direktorin der Bad Belziger Förderschule, kann die Entscheidung der Landesregierung nur bedingt nachvollziehen: „Unsere Schüler brauchen Kontinuität, was wohl der Gedanke der Landesregierung hinter dem Entschluss war. Andererseits haben wir unter unseren Schülern Schwerstbehinderte und Kinder mit chronischen Atemwegserkrankungen, für die das Coronavirus besonders gefährlich ist“, sagt die Schulleiterin.

Nachdem der hektische Freitag geschafft war, sortiert sich Vize-Direktorin Ines Schönefeldt und organisiert die nächsten Schritte – so gut das möglich ist.

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Am Montag danach folgt eine Lehrerkonferenz und jeder Schüler bekommt einen Elternbrief mit nach Hause, in dem die Schulleitung die Situation schildert und zum Schutz jedes Einzelnen dafür plädiert, den Schulbetrieb nicht wie gewohnt fortzusetzen – mit Erfolg.

Die Eltern teilen die Meinung der Schulleitung, sodass die Mehrheit der Förderschüler ab 18. März zuhause bleibt und der Unterricht trotzdem weitergeht.

Lehrer leisten Notfallbetreuung in Bad Belzig

Damit das gelingt, haben sich die 25 Lehrer der Förderschule in drei Gruppen aufgeteilt: Während zwei Lehrer in der Förderschule die Notbetreuung stemmen und zwei weitere Lehrer mit vor Ort sind, um die Arbeits- und Klassenräume nach den Schulstunden wieder herzurichten, arbeiten 21 von zuhause.

Verena Krauel arbeitete seit 2010 als Lehrerin an der Förderschule "Am Grünen Grund" und ist seit Februar 2020 die neue Direktorin. Damit, dass sie zu Beginn ihrer neuen Aufgabe gleich mit einer derartigen Ausnahmesituation konfrontiert ist, hätte die 54-Jährige nicht gerechnet. Quelle: Fabian Lamster

Sie stehen im permanenten Austausch mit den Eltern und erarbeiten Aufgaben für die Schüler, die sie deren Eltern täglich per E-Mail senden. Die Lehrer, die die Notbetreuung übernehmen, wechseln sich alle paar Tage ab. „Wir sind den Ereignissen am Anfang hinterher gelaufen. Nun haben wir ein Grundgerüst, das über längere Zeit funktioniert, falls sich der Ausnahmezustand verlängert“, sagt die Direktorin der Förderschule.

Abstand zu Schülern halten „unmöglich“

Trotz Corona-Pandemie in der Schule ist die sechsjährige Sandra, bei der emotionale und geistige Schwächen diagnostiziert wurden. Gemeinsam mit ihrer Einzelfallhilfe, die sie durch alle Stunden ihres Schultags begleitet, sortiert sie ein schwarz-weißes Bild einer Schirmmütze auf das dazugehörige farbige Pendant. Anschließend sprechen beide das Wort vor sich hin, bevor es mit einer Ente weitergeht.

Sandra ist trotz Corona-Pandemie in der Förderschule. Sie ist eines der wenigen Kinder, die die Notbetreuung in der Bad Belziger Schule in Anspruch nehmen. Quelle: Fabian Lamster

Beide sitzen nebeneinander – auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Als sie die Ente richtig gelegt hat, freut sich Sandra so sehr, dass sie ihre Betreuerin umarmt.

„Den Abstand von 1,50 Meter halten wir bei Kollegen ein, der aber bei unseren Schülern unmöglich ist. Viele können nicht alleine auf die Toilette gehen oder sich sorgfältig die Hände waschen. Wie sollen wir da den Abstand einhalten“, fragt Ines Schönefeldt.

Acht Schüler erwartet besonderer Moment

Sie ist genauso wie Direktorin Verena Krauel froh, dass nach den hektischen Tagen langsam Routine eingekehrt ist. Beide gehen davon aus, dass die Ausnahmesituation bis 19. April anhält – mindestens. Sie zweifeln daran, dass geplante Höhepunkte wie das Sportfest im Mai oder der Ausflug zum Leipziger Zoo stattfinden.

Auf jeden Fall gibt es einen besonderen Moment für die acht Schüler, die im Juni die Förderschule in Bad Belzig verlassen. „Wir wollen uns in dem zum Zeitpunkt möglichen Rahmen von ihnen verabschieden. Vielleicht haben wir Glück und der normale Schulbetrieb läuft bis dahin wieder“, sagt Direktorin Verena Krauel.

Besonderes Jahr für Förderschule

Die Förderschule „Am Grünen Grund“ in Bad Belzig existiert seit 1991. Damit steht 2021 ein runder Geburtstag in der Einrichtung an. Was die Schulleitung dann gemeinsam mit den Schülern kreiert, ist noch offen.

Die Förderschule hat den sonderpädagogischen Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ und derzeit 88 Schüler in elf Klassen. Die Schüler sind zwischen sechs und 18 Jahren alt.

Nachdem Direktorin Elke Körner gemeinsam mit Ines Schönfeldt die Schule seit ihrer Gründung leitete, hat Verena Krauel seit 1. Februar die Leitung übernommen. Sie war seit 2010 Lehrerin in der Förderschule.

Von Fabian Lamster

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