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Bad Belzig Bad Belzig: Leisegangs Facebook-Nein löst kontroverse Debatte aus
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13:34 23.01.2019
Der für Digitalisierung zuständige Staatssekretär Thomas Kralinski und Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang unterzeichneten Ende November 2018 eine Kooperationsverinbarung: Startschuss zur Entwicklung einer "Smart Village App."
Der für Digitalisierung zuständige Staatssekretär Thomas Kralinski und Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang unterzeichneten Ende November 2018 eine Kooperationsverinbarung: Startschuss zur Entwicklung einer "Smart Village App." Quelle: André Großmann
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Bad Belzig

Roland Leisegang, Bürgermeister von Bad Belzig, lehnt Facebook, Twitter und andere soziale Medien ab. Beim Neujahrsempfang der Stadt am Wochenende hat er sich klar geäußert. Für die Debatte zu brennenden Themen der Lokalpolitik setze er, wie er sagte, lieber „auf Gespräche von Auge zu Auge“.

Hier geht es zum MAZ-Beitrag mit Leisegangs Aussagen

Dafür stehe seine Tür im Rathaus immer offen. Er kritisierte vor allem Debatten in Internetplattformen und Sozialen Medien. „Ich bekenne mich daher als fröhlicher Nichtbenutzer“, sagte der Bürgermeister. Die Berichterstattung in der MAZ löste bei den Lesern unterschiedliche Reaktionen aus.

Kai Fröhlich meldet sich auf der Facebook-Seite MAZ Bad Belzig zu Wort: „So unschön es auch sein mag: Soziale Medien sind die Stammtische der heutigen Zeit. Wer sich dem verweigert, macht sich verdächtig, nicht mehr mit jedem Bürger reden zu wollen. Natürlich sind Stammtischgespräche anstrengend, aber es hat auch niemand gesagt, dass das Politikerleben nur aus Champagner-Empfängen besteht.“

Bea Bel kontert: „Ich finde, er hat recht. Sachliche politische Diskussionen sind in den sozialen Netzwerken nicht möglich. Es sind ja nicht mal Stammtischgespräche. Es wird zum großen Teil einfach nur ungefiltert Rotz und Frust abgeladen. In der gefühlten Anonymität des Internets traut man sich dann, zu beleidigen, zu bedrohen - was von Angesicht zu Angesicht so wohl nicht passieren würde.“

„Politiker sollten auch in den sozialen Medien kommunizieren“

Auf der Facebookseite Bad Belzig 2.0 kritisiert Tina Tsagedor: „Ich finde das ziemlich rückschrittlich. Für mich ist es gut zu sehen, dass Politiker auch im Internet präsent sind, dass man mit ihnen auch in den sozialen Medien kommunizieren und sich austauschen kann.

Wir sind nun mal alle in einem Zeitalter angekommen, in dem eine Online-Präsenz da sein sollte. Junge Menschen erreicht man damit mehr als Gespräche auf irgendwelchen Versammlungen. Außerdem zeigt mir ein Politiker, der sich online den Fragen stellt, dass er bereit ist, jegliche Meinungen und Standpunkte zu hören, auch wenn es kritisch ist.“

Marco Borchert stellt sich auf „Bad Belzig 2.0“ an Leisegangs Seite: „Politisch wertvolle Kommunikation findet nicht in den sozialen Medien statt. Auch ist unser Bürgermeister den digitalen Medien nicht abgewandt. Er hat eine eigene Webseite und ist auch per Email gut erreichbar. Ich kommuniziere häufiger auf diesem Weg mit ihm.

„Leute, die dort ihren Müll abkotzen“

Olaf Schäufler vermisst die inhaltliche Tiefe bei Diskussionen in den Sozialen Medien: „Ich kann sehr nachvollziehen, dass das für den Bürgermeister wenig bringt, Diskussionen in diesen Medien zu führen. Schaut euch doch mal die Facebookseiten von prominenten Politikern an: Da geht es nicht mehr darum, sich kritischen Fragen zu stellen, sondern da gibt es Leute, die dort ihren Müll abkotzen, sich gegenseitig beleidigen.

Dazu kommt noch, dass politische Organisationen/Netzwerke diese Plattformen nutzen, um zu manipulieren. Das hat nichts mehr mit fortschrittlich oder rückschrittlich zu tun. Da werden keine sinnvollen Diskussionen geführt. Ich finde es erstmal ausreichend, wenn ein Bürgermeister lokal präsent ist.“

„Erkennbare Ergebnisse liefern“

Per Email als Leserbrief meldete sich Ralf Neldner aus Ragösen zu Wort: „Ob das sprichwörtliche Abtauchen von der sozialen Bildfläche bei Twitter und Co. nun wirklich der Befreiungsschlag in Sachen Konfliktbewältigung im immer härter werdenden digitalem Userdialog ist, oder nicht doch etwa nur die Furcht vor dem Umgang mit Geistern, die ich vielleicht selber mal rief, sollte mal hinterfragt werden.

Wer mit Fakten und nicht mit Halbwahrheiten agiert und erkennbare Ergebnisse liefert, wer nicht ständig den Konjunktiv in die politische Debatte wirft, wer sich weniger um einen künftigen Listenplatzes sorgt und dafür mehr um die Nöte und Belange der Bürger und wer letztendlich sein Hauptziel nicht ständig darin sieht, dem politischen Mitbewerber den Kampf anzusagen, der braucht auch keine weiße Fahne.“

Von MAZ