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Bad Belzig Die DDR auf 8 Millimetern: Filmische Schätze wandern in Online-Archiv
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Die DDR auf 8 Millimetern: Filmische Schätze wandern in Online-Archiv
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11:21 15.10.2019
Jürgen Dittberner zeigt Aufnahmen aus dem Jugendklub auf Burg Eisenhardt. Er hat mit seinen Filmen die Open Memory Box im Internet bestückt. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Der närrische Frohsinn im Gasthaus „Fläminggarten“, ausgelassenes Tanzen im Jugendklub auf Burg Eisenhardt und das alljährliche Duell zwischen Southern Rangers Brück und Risiko Belzig sind Beleg dafür: In der DDR war nicht alles schlecht. Es gab auch tolle Dinge. Jürgen Dittberner hat vieles davon in der 70er-Jahren auf Schmalfilm gebannt. Nun sind die Aufnahmen von damals für jeden aus einer Internetdatenbank abrufbar.

„Wir haben seinerzeit ja noch nicht geahnt, dass die Mitschnitte einmal diese Wertschätzung erfahren werden“, so der 67-Jährige, der heutzutage in Wiesenburg lebt. Aufgewachsen ist er in Belzig, wo er hauptberuflich im VEB Elektrowärme mit der Herstellung von Kochplatten beschäftigt war. Daneben setzt er sich als Mitglied und zeitweise sogar Leiter des Jugendklubs auf der Burg Eisenhardt für gute Unterhaltung ein.

Kamera kostete 500 Mark

Für rund 500 Mark der DDR ist damals eine sowjetische Kamera angeschafft worden. Die gab es vor Ort im Fachhandel. „Mit dem Kulturbeitrag des Filmens durften wir beim Tanz erhöhten Eintritt nehmen – 2,10 statt 1,60 Mark“, erklärt Dittberner. Außerdem war es seinerzeit sein persönliches Vergnügen gewesen neben seinem Faible für Musik auch das Filmen als Hobby realisieren zu können.

Als Ende der 1980er Jahre das mittelalterliche Gemäuer ausgebaut werden sollte, entdeckte der Enthusiast zufällig das in einer Plastiktüte liegende Material und rettete es besonnen vor der drohenden Entsorgung. Gesichtet und aufgearbeitet wurde es später. Den Anstoß gab damals ein Aufruf des MDR-Fernsehens 2004.

Eigenen Film produziert

Nicht nur dort konnte Dittberner etwas beisteuern. Unterstützt von Heimatfotograf Dirk Fröhlich wurde aus mehr als 2000 Metern Filmmaterial der 40-Minuten-Clip „Geile Zeiten“ zusammengestellt und aufgeführt. Inzwischen ist das Ursprungszelluloid nicht mehr im Besitz von Jürgen Dittberner. Aber als VHS-Kassette und digitale Datei ist alles gesichert.

Zur Verfügung gestellt hat der 67-Jährige die Filme für die Open Memory Box. Sie ist seit einigen Tagen online. Seit 2013 hatten der schwedischen Filmemacher Alberto Herskovits und der kanadische Politologe Laurence McFalls die Filme von fast 150 Familien aus der früheren DDR zusammengetragen und archiviert.

Die weltweit größte Sammlung dieser Art bietet eine einmalige, intime Einsicht in die Sozialgeschichte, weshalb das Projekt auch großzügig in Deutschland und von der Universität Montreal, wo der Initiator lehrt, unterstützt wird.

Schlangestehen nach Westjeans

Ein Film fehlt aber. An einem Wintertag hatte Jürgen Dittberner auch festgehalten, wie sich eine lange Schlange am Textilkonsum, heute Modehaus Ehle, gebildet hat. Bei Schnee und Frost warteten die Menschen auf eine Westjeans, die drinnen verkauft werden sollte. Dem war tatsächlich so.

Dass dies nicht publik werden sollte, haben Polizei, Partei und Kulturkabinett dem jungen Filmemacher klar gemacht und ihm das Tageswerk abgenommen. Es wurde kontrolliert, wie das Land dargestellt wird. Es war eben nicht nur schön.

Von René Gaffron

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