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Bad Belzig Amtsleiter formuliert Appell für die Altstadt
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Amtsleiter formuliert Appell für die Altstadt
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20:19 30.08.2019
In der Mauerstraße findet Christoph Grund die Sanierung der Altstadt besonders gelungen. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Noch ist die Sanierung der historischen Altstadt von Bad Belzig nicht vollendet. „Was jetzt noch übrig bleibt, wird die Eigentümer richtig Geld kosten“, schätzt Christoph Grund ein. Deshalb ist es der Wunsch des scheidenden Bauamtsleiters, dass ungeachtet der absehbar nötigen Investitionen wie jetzt für Feuerwehrgerätehaus und Schulcampus stets ein angemessenes Budget für das mittelalterliche Kleinod reserviert leibt.

Am 1. September beginnt für den langjährigen Vizebürgermeister von Bad Belzig der Ruhestand. Das Fachamt wird in Zukunft von Robert Wildgrube aus Treuenbrietzen geführt. Zwei Monate lang ist der Nachfolger schon im Rathaus eingearbeitet worden. Den Wunsch von Christoph Grund hat er wohl wahrgenommen.

Ruinen nur noch Erinnerung

Sein Anliegen kommt nicht von ungefähr. Denn der 65-Jährige erinnert sich, dass es in den 80er-Jahren bereits Pläne gegeben hat, reihenweise Häuser in der Wall- und in der Mauerstraße radikal abzureißen. Heute sind sie Blickfang für Besucher und geschätzt von den Bewohnern.

„Vize“ bei drei Bürgermeistern

Christoph Grund ist 65 Jahre alt, geboren in Neuruppin und aufgewachsen in Putlitz.

Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Nach dem Bauingenieurstudium an der Fachschule Potsdam hat ihn das VEB (K) Bau in Belzig im Jahre 1978 angefordert.

Seit 1990 hat er die Bauverwaltung im Rathaus geleitet und war lange Zeit stellvertretender Bürgermeister bei Peter Kiep (SPD), Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) und Roland Leisgang (parteilos).

Selbst ist Christoph Grund nicht in Parteien oder Vereinen organisiert.

Früher hatten die Besitzer so gut sie es bei der Materiallage vermochten die vom Krieg verschonten Gebäude in Ordnung gehalten. Doch die Verantwortlichen brauchten offenbar Argumente für die Errichtung des Wohngebietes Klinkengrund. Alle Kraft und Kompetenz ging in die Plattenbausiedlung.

Rathausbau erste Aufgabe

Kurz nach der Wende war Christoph Grund am 1. September 1990 in die Stadtverwaltung gewechselt. Sie war damals noch in mehreren Provisorien an der Bahnhofstraße untergebracht: Bau- und Wohnungswesen waren eine organisatorische Einheit. Es galt zunächst einmal den Rathausbau zu vollenden, der noch zu DDR-Zeiten – vor der Obrigkeit als Mehrzweckgebäude getarnt –begonnen worden war.

Zwar kannte der Amtsleiter die Pläne noch aus der Projektierungsabteilung des VEB (K) Bau, wo er zunächst zwölf Jahre nach dem Ingenieurstudium gearbeitet hat. „Doch plötzlich gab es neue Möglichkeiten, aber auch neue Anforderungen“, erklärt Christoph Grund. „Die Kohlenschütte wurde nicht mehr gebaut, doch selbst die Öltanks sind nicht mehr in Betrieb, weil die Heizung inzwischen mit Gas erfolgt.“ Am 1. Mai 1991 war feierliche Übergabe – die älteren Bad Belziger erinnern sich gern an das Fest. Von den Vorgängern nicht gerettet wurden die Tonnen und Kreuzgewölbe, was der Fachmann bedauert.

Immer knapp bei Kasse

„Bauen und Planen heutzutage ist viel formaler geworden“, sagt Christoph Grund. In knapp drei Jahrzehnten hat der Leiter der Bauverwaltung seine Erfahrungen gesammelt. Finanziell ist Bad Belzig nach wie vor nicht auf Rosen gebettet.

Die Schilder der Ausstellung „Handwerk, Kaufleute und Handel“ der AG Historische Stadtkerne bestehen noch. Quelle: Dirk Fröhlich

Von wesentlicher Bedeutung ist für den stellvertretenden Rathauschef daher der frühzeitige Beitritt in die Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkern. Sie beschert nicht nur Fördergeld und Lobby, sondern auch Austausch von Wissen.

2010 ist das Umfeld von Burg Eisenhardt neu gestaltet worden. Quelle: Michael Greulich

Dass die Stadt Bad Belzig die Burg Eisenhardt ins Eigentum bekam und sanieren konnte, zählt zu den Erfolgen. Ebenso die Modernisierung des Wohngebietes Klinkengrund oder die Errichtung der Kurparksiedlung in Regie der Belziger Wohnungsgesellschaft und die Sanierung des Fläming-Bahnhofes mit Hilfe der Stadtwerke. „Ein anderes Kapitel“, sind laut Christoph Grund die Stein-Therme und die Geschwister-Scholl-Grundschule, wo die Kommune für Planungsfehler und Baupfusch auch Lehrgeld bezahlt hat.

Wenn nun mit der für 2022 angekündigten Verdichtung des RE-7-Taktes das prognostizierte Wachstum einsetzt, empfiehlt der bisherige Bauamtsleiter die kleinteilige Verdichtung weiter zu betreiben. Noch erkennt er einiges Potenzial. Das setzt seiner Aussage nach voraus, dass Grundstückseigentümer bereit sind, diese Entwicklung mitzutragen und Nachbarn sie nicht blockieren. Die Stadtväter sollten mithin aber ihre eigenen Pläne prüfen, ob sie noch der Zeit gemäß sind.

Im Ruhestand werde er keine Langeweile verspüren. „Ich habe Enkel und einen großen Garten“, sagt Christoph Grund. Für Nachfragen aus der Bauverwaltung werde er ein offenes Ohr behalten.

Noch ein wenig erhalten bleiben wird die Diskussion über die Gestaltung einer Flaniermeile. „Autofrei wird sie nicht funktionieren“, weiß Christoph Grund. „Aber wenigstens der Durchgangsverkehr muss eliminiert werden“, lautet seine Empfehlung. Womöglich lassen sich beispielsweise zur Belebung des Marktplatzes weitere Kompromisse finden, die auch die Gewerbetreibenden überzeugen, welche bislang einer Reduzierung eher skeptisch entgegen stehen.

Von René Gaffron

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