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Bad Belzig Bürgermeister der smarten Stadt lehnt Soziale Medien ab
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Bürgermeister der smarten Stadt lehnt Soziale Medien ab
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18:27 21.01.2019
Beim Neujahrsempfang in Bad Belzig bekannte sich Roland Leisegang auch als „fröhlicher Nichtbenutzer“ Sozialer Medien. Quelle: Thomas Wachs
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Bad Belzig

Mit dem Internet kann Roland Leisegang (parteilos) nicht immer etwas anfangen. „Zumindest nicht, wenn es darum geht, Belange der Lokalpolitik zu diskutieren“, sagte der Bürgermeister von Bad Belzig jetzt bei seinem Neujahrsempfang vor rund 350 Gästen. Zwar hat die Kreisstadt kürzlich erst den Zuschlag bekommen für das Förderprogramm „Smart Village“ des Landes Brandenburg. Damit werden Angebote und Informationen für das „digitale Dorf“ auf allen Ebenen über ein Programm für moderne Mobiltelefone vernetzt. Die Stadt-App soll im Juli fertig sein.

Von Auge zu Auge

Doch für die Debatte zu brennenden Themen der Lokalpolitik setze der Stadtchef lieber „auf Gespräche von Auge zu Auge“, sagte er. „Dafür steht meine Tür im Rathaus immer offen“, so Leisegang. Er kritisierte vor allem Debatten in Internetplattformen und Sozialen Medien. „Ich bekenne mich daher als fröhlicher Nichtbenutzer“, sagte der Bürgermeister.

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Bestätigt habe ihn in dieser Haltung vor allem die Debatte um die Ansiedlung neuer Supermärkte in der Stadt. Da sei „die demokratische Entscheidung in den Sozialen Medien förmlich zerrissen worden“, sagte Leisegang: „Das war eine schlechte Form“. Auch bei der Debatte um eine neue Kegelbahn „waren die Unterschriftenlisten schon da, bevor die Ideen auf dem Tisch lagen zur Diskussion“, kritisierte der Verwaltungschef. Dabei biete Bad Belzig als Kleinstadt aus seiner Sicht genug Gelegenheiten für direkte Gespräche. „Ich sitze nicht im Weißen Haus und wer wartet, dass ich twittern würde, kann darüber einschlafen“, sagte Roland Leisegang bei seinem Neujahrsempfang in der Stein-Therme.

„Internet immer belangloser“

Ähnlich sieht das aus Günter Baaske. „Von Monat zu Monat wird das Internet belangloser“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis schon in seinem Grußwort zuvor. „Wenn Leute posten, wie sie sich die Fingernägel schneiden oder Fotos von Eiern zu Quotenhits werden“, sei das bedenklich, so Baaske. Er rief dazu auf, „sich endlich wieder um die Lösung unserer wirklichen Probleme im Land zu kümmern“. Zudem kritisierte er zunehmende Beschimpfungen im Netz, „deren Form jenseits von Gut und Böse sind“, sagte Baaske.

Präsenz im Netz abgeschaltet

Aus diesem Grund habe auch Susanne Geils (SPD), die Bürgermeisterin von Bad Belzigs Partnerstadt Ritterhude, kürzlich ihre Präsenz in Sozialen Medien offensiv abgeschaltet. „von Angesicht zu Angesicht kann jeder gern mit mir diskutieren“, sagte die Rathaus beim Besuch in Bad Belzig. Sie sei es aber leid, dass sich Leute „im Internet hinter falschen Namen verstecken und sich nicht darum scheren, auch Unwahrheiten zu behaupten, die sich im Schneeballprinzip dann auch noch rasend schnell verbreiten“, so Susanne Geils.

Von Thomas Wachs

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