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Bad Belzig Bad Belzigs Händler halten in der Krise zusammen
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11:18 28.03.2020
Alisa Malkic vom Second-Hand-Laden in Bad Belzig hat die Online-Initiative von Bad Belziger Einzelhändlern angeschoben. Quelle: René Gaffron
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Bad Belzig

Die Gewerbetreibenden in der historischen Altstadt von Bad Belzig rücken zusammen. Das ist in der aktuellen Situation vor allem symbolisch gemeint. Darüber hinaus betreten sie mehr oder weniger zwangsläufig Neuland.

„Natürlich wissen wir, dass Abstand halten und Kontakt vermeiden das Gebot der Stunde ist“, sagt Simone Lüdicke. Zur Schließung der Geschäfte, Institutionen und Lokale als Prävention gegen den sich ausbreitenden Coronavirus gibt es derzeit keine Alternative. Das betont die Vorsitzende des Gewerbevereins.

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Jubiläumsaktion muss ausfallen

„Endlich Frühling in Bad Belzig“ hätte es an diesem Wochenende heißen sollen. Auch wenn die Wetterprognose dem Jubiläum mit vorhergesagtem Schneeregen nicht gerecht geworden wäre. Der Sonntagseinkaufsbummel durch das Zentrum sollte zum zehnten Mal stattfinden, genau dann, wenn in den Läden termingerecht das Sortiment wechselt. „So wie sich die Innenstadt zuletzt entwickelt hat, wäre es in Qualität und Vielfalt ein guter Auftakt in die Saison geworden“, ist die 45-Jährige überzeugt.

Niemand anzutreffen: So leer ist die Straße der Einheit in Bad Belzig derzeit mittags in der Woche. Quelle: René Gaffron

Nun aber sei unverhofft und für ungewisse Zeit das Leben in der Innenstadt fast komplett lahm gelegt. „Die Situation ist einschneidend wie die Wende vor 30 Jahren. Nur im Gegensatz dazu waren wir damals alle euphorisch“, sagt Juwelier Harald Bartels. Seiner Einschätzung nach könnte die Situation für manchen Unternehmer in Bad Belzig existenzgefährdend sein.

Ostergeschäft unwiederbringlich weg

„Der Umsatz mit Anlass-Mode oder Oster-Geschenken wird, wenn überhaupt, online gemacht – für uns ist er unwiederbringlich weg“, sagt Simone Lüdicke. „Wer geöffnet haben darf, muss dennoch sehen, dass er über die Runden kommt – mit weniger Personal und Kundschaft, was die Situation nicht unbedingt leichter macht.“

Quelle: MVD

Seit Monatsbeginn habe sich abgezeichnet, dass die Umsätze zurück gehen. Oder es seien eher Lebensmittel statt Kleidung oder andere Artikel gekauft worden, wie sie auch in ihrem Jeans- und im Fahrrad-Laden beobachten konnte. Ausdrücklich wollen sie und die Mitstreiter in der Innenstadt aber kein Klagelied anstimmen.

Papierkram statt Umsatz

Seit Mittwoch sind die meisten erst einmal damit beschäftigt, den Liquiditätszuschuss bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg zu beantragen. Außerdem werden Anträge auf Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur gestellt. „Die Informationen von Kammern und aus dem Rathaus werden umgehend weitergeleitet. Außerdem helfen wir uns untereinander“, sagt Lüdicke. „Bleibt zu hoffen, dass staatliche Hilfen rechtzeitig eintreffen.“

Bei Töpferin Karina Hilbig geht es noch ein bisschen rund. Sie erledigt Auftragsarbeiten. Quelle: René Gaffron

Manche Einzelhändler haben Schilder im Fenster, sie bieten Lieferung bei telefonischer Bestellung. Einige haben auch schon eine Online-Plattform, über die sie ihre Ware anbieten. „Das soll aber nicht der künftige Weg werden, denn wir wünschen uns ja, dass die Menschen nach der Krise die Innenstadt wieder beleben“, sagt Karina Hilbig. Noch hat die Keramikerin ein paar Aufträge anzufertigen. Doch die Einnahmen von der eigentlich demnächst beginnenden Marktsaison werden ihr schon fehlen.

Zuversicht für die Zukunft verbreiten

Ihr Atelier gehört zu fast zehn Bad Belziger Geschäften, die in dieser Woche auf einer Facebook-Präsenz eine Gutschein-Aktion ins Leben gerufen haben – Teeladen, Spielwarenladen, Brille am Markt, die Friseur Jan Schönwetter und Ines Dumschat sowie Miederwaren-Händlerin Sylvia Lüdicke und Blumenfrau Anke Horn sind ebenfalls dabei.

„Damit können die Kunden einen Beitrag leisten, dass die Läden ein bisschen von der Durststrecke überstehen können“, hofft Initiatorin Alisa Malkic. „Gutschein-Verkauf bedeutet Zuversicht für die Zukunft“, betont die Betreiberin des Second-Hand-Ladens in der Sandberger Straße.

Das ist die neue MAZ-Plattform

Online-Bestellungen, Gutscheine, Lieferservice: Viele Kleinunternehmer wehren sich mit kreativen Ideen gegen die Krise. Dies bekannt zu machen, ist Ziel von „Zusammen stark“.

Händler und Geschäfte können ihre Angebote in ein Formular eintragen, das nach Prüfung von der MAZ veröffentlicht wird. Die Brandenburger können so gezielt die Händler in ihrer Nachbarschaft unterstützen. Alle weiteren Informationen unter www.maz-online.de/zusammenstark.

Kostenlos können sich die Unternehmen mit ihren Spezialangeboten auch bei MAZ-Online listen lassen. „Zusammenstark“ heißt das Portal, bei dem die Leser erfahren, welche Angebote gerade unterbreitet werden, auch wenn die Geschäfte in der Umgebung geschlossen sind. „Das nehmen wir bestimmt wahr“, sagt Alisa Malkic.

Von René Gaffron