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Bad Belzig Was eine Spanierin am Hohen Fläming besonders liebt
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07:09 07.06.2019
Beatriz Garrigós Garcia aus Madrid war als Spanisch-Assistentin für neun Monate am Bad Belziger Gymnasium im Einsatz. Quelle: Josephine Mühln
Bad Belzig

 Auf den Sommer in Madrid könnte Beatriz Garrigós Garcia gut verzichten. Viel lieber würde die Spanierin noch länger im Hohen Fläming bleiben. „Ich mag es nicht, wenn es so heiß ist – Kälte ist mir lieber“, sagt die Studentin lachend.

Beatriz Garcia ist seit September des vergangenen Jahres zu Gast in Bad Belzig und im Spanischunterricht am Fläming-Gymnasium als Fremdsprachenassistentin eingesetzt. Als sie sich für das Programm des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) beworben hat, habe sie gezielt Brandenburg als Wunschziel angegeben.

Dialekte waren eine Herausforderung

„Wir mussten im Studium einen Reiseführer über Deutschland anfertigen – und meine Gruppe hat über Brandenburg geschrieben“, erzählt die 24-Jährige. Sie hat in Madrid Moderne Sprache, Kultur und Kommunikation im Bachelor studiert.

„Ich hatte gute Noten im Studium und dachte, ich kann Deutsch – nur dann kamen hier teilweise die Dialekte dazu und das war schon eine Herausforderung“, berichtet Beatriz Garcia. „Aber ich bin dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich machen konnte und habe neue Freundschaften geschlossen. Und ich verstehe jetzt besser, was es heißt, eine neue Sprache zu lernen.“

Jeden Tag in die Kantine

Am Gymnasium war die junge Spanierin drei bis vier Mal pro Woche im Einsatz – wobei sie dennoch jeden Tag zur Schule gekommen ist, genauer: in die Kantine. „Ich koche einfach nicht gerne“, gesteht sie lachend. Und: „Am liebsten mag ich Spätzle.“

Besonderen Spaß habe ihr auch ein Theaterstück mit Schülern der neunten Klasse gemacht und der Unterricht selbst, in dem nicht selten ein paar lustige Fehler passiert seien. „Aber die helfen ja auch dabei, zu lernen.“

Ausschreibung erfolgt über das Schulamt

Auf der Grundlage von Kulturabkommen mit verschiedenen Ländern werden an Schulen überall in Deutschland jährlich ausländische Studenten als Fremdsprachenassistenten eingesetzt.

Das Programm wird durch den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz koordiniert.

Die Ausschreibung der verfügbaren Assistenzstellen erfolgt über die staatlichen Schulämter.

Mehr zum Programm unter:www.kmk-pad.org.

Die Ruhe und die Nähe zur Natur hätten ihr an Bad Belzig selbst am besten gefallen. „Ich liebe es“, sagt die 24-Jährige. Besonders angetan habe es ihr die Bibliothek auf der Burg Eisenhardt – hier war Beatriz Garcia in den vergangenen Monaten quasi Stammgast.

„Die Bibliothek ist so wunderschön“, schwärmt sie. „Dagegen ist unsere in Madrid wirklich hässlich – wie ein Bunker, der aber nicht gut gebaut wurde“, sagt die Studentin lachend. Aktuell muss sie noch „Das Jahrhundert“ von Günter Grass auslesen.

Oma hat sich Sorgen gemacht

Wenn sie dann am 11. Juni zurück in ihr Heimatland fliegt, steht als nächster Schritt ein Masterstudium ins Haus. „Beworben habe ich mich für Literatur, Lehramt und Anglistik – und warte nun noch auf die Entscheidung“, erzählt Beatriz Garcia.

Sie freue sich darauf, ihre Familie wiederzusehen. Schließlich sei ihre Oma anfangs sehr besorgt gewesen, als es hieß, die Enkelin würde nach Deutschland gehen. „Sie ist schon 94 und hat sich Gedanken gemacht, dass ich ganz allein im Ausland lebe.“

Fernweh der Schüler wecken

Für die Fremdsprachenassistenz beworben hat sich im Namen der Schule Lehrerin Gesa Paulmann. „Wir hatten Glück, dass wir eine Spanierin bekommen haben – denn diese Möglichkeit besteht erst seit etwa ein bis zwei Jahren“, erläutert die Spanisch- und Französischlehrerin. Die Freude über die Zusage sei entsprechend groß gewesen.

„Die Schüler sollten damit auch sehen, dass es möglich ist, im Ausland zu arbeiten – und es keine Katastrophe ist, wenn anfangs zum Beispiel noch Sprachbarrieren da sind“, sagt Gesa Paulmann. „Ich wollte ihr Interesse wecken und vielleicht auch ihr Fernweh.“

Lieblingsplatz: Das offene Fenster

Im Unterricht habe Beatriz Garcia oft mit den Schülern in kleinen Gruppen gearbeitet oder für Gesa Paulmann Audio-Versionen von spanischen Texten aufgenommen. „Über das Thema ’Weihnachten’ findet man zum Beispiel wenig, davon profitiere ich jetzt noch lange“, sagt die Pädagogin.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Länder seien thematisiert worden oder es wurde zusammen gekocht. „Das war natürlich der Lieblingsteil der Schüler“, erzählt Gesa Paulmann weiter.

Und auch zu der Sache mit Beatriz und der Kälte weiß sie noch eine Anekdote zu erzählen. „Immer, wenn wir zum Durchlüften das Fenster geöffnet haben, hat Beatriz unmittelbar in der Nähe gestanden – auch bei Minusgraden und oft im T-Shirt“, erinnert sie sich lachend.

Von Josephine Mühln

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